Grundstück am Koi in Homburg und der Hochwasserschutz

Kostenpflichtiger Inhalt: Wieder Ermittlungen gegen die frühere Stadtspitze Homburg : Das Kombibad und das Hochwasser

Grundstückskauf in Homburg ruft Fahnder auf den Plan. Vor dem Kauf gab es damals heftige Diskussionen.

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken also auch rund um den damaligen Kombibad-Bau an der Kaiserslauterer Straße in den Jahren 2013 und 2014. Es geht um Unregelmäßigkeiten beim Kauf eines Nachbargrundstücks, das einst zum Neunkircher Eisenwerk gehört hat und der Stadt von einer Nachfolgergesellschaft angeboten worden sein soll (siehe ausführlicher Bericht auf der Seite B 1 im überregionalen Teil, „Das Land“). Die Staatsanwälte müssen nun klären, ob dabei alles mit rechten Dingen zugegangen ist oder hier eine Veruntreuung von Steuergeldern in Höhe von 125 000 Euro vorliegen könnte. Die Stadtspitze bildeten damals Alt-Oberbürgermeister Karlheinz Schöner (CDU), Bürgermeister Klaus Roth (CDU) und der hauptamtliche Beigeordnete und spätere OB, Rüdiger Schneidewind (SPD).

Blickt man auf die Zeit der Entscheidungsfindung zum Bau eines neuen Schwimmbades zu Anfang des Jahrzehnts zurück, stand das heutige „Koi“ von Beginn an unter keinem guten Stern. Die beiden großen Parteien von CDU und SPD im Stadtrat waren sich zwar einig, dass ein neues Kombibad her muss und wurden auch von der FWG unterstützt, lautstarke Kritik kam aber von der Opposition – allem voran von den Grünen und der „Allianz der Vernunft“. Kritische Worte gab es auch immer wieder direkt von der Bevölkerung. Mehrfach wurde zum einen der Standort an der „Hinkelsbix“ bei Bruchhof in Frage gestellt. Aber auch die Umsetzung des Bades über ÖPP (öffentlich-private Partnerschaft) sorgte für Missmut.

Als es dann an den ersten Spatenstich ging im Jahr 2013, wurde bekannt, dass den Stadtplanern ein gravierender Fehler unterlaufen war: Niemand hatte die Grundwasser-Thematik in diesem Bereich im Blick. Die Diskussion entbrannte, als unsere Zeitung berichtete, dass Fachleute aus dem Bausektor darauf hingewiesen haben, das Grundwasser steige im besagten Gebiet seit Jahren deutlich an. Damals hieß es auch, die Stadt müsse sicherheitshalber unterhalb des Schwimmbeckens eine dicke Betonwanne einbauen, damit das Becken bei einem weiteren Anheben des Grundwasserspiegels nicht hochgedrückt werde. Auch hatten wir damals erfahren, dass der ursprünglichen Schwimmbad-Planung ein 30 Jahre altes Bodengutachten zu Grunde gelegen haben soll. Die Stadt verwies aber auf ein neueres Gutachten, auf das sie sich berufen habe. Dann wurde bekannt, das saarländische Umweltministerium habe die Stadt Homburg bereits im März 2012 darauf hingewiesen, dass ein Teil des Geländes an der „Hinkelsbix“ als Hochwasser-Risikogebiet gelte – genau da, wo das neue Kombibad errichtet werden soll. Als damals die Hochwasser-Kartierung der Stadt vorlag, gab es weder eine Bädergesellschaft (die 100-prozentige Stadttochter wurde erst im Juni 2012 gegründet) noch waren die Entscheidungen über den besten Bieter oder über Details der Finanzierung gefallen. Das alles passierte erst in der nichtöffentlichen Ratssitzung Ende April 2013. Die Öffentlichkeit erfuhr über die Pläne und den Bieter Genaueres erst im Mai des Jahres, Ende Juni wurden schließlich die Wasserprobleme an dem umstrittenen Standort publik.

Und es ging weiter: Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (Lua) habe der Stadt unmittelbar nach Eingehen der Baupläne mitgeteilt, dass es unzulässig sei, auf dem vom Hochwasserrisiko betroffenen Gebiet einfach Gelände aufzuschütten. Nachdem die Stadtspitze zunächst die Grundwasser-Thematik lautstark von sich gewiesen hatte, gab es Schlichtungsgespräche zwischen dem Ministerium und der Stadt. Ein Gutachten wurde gefertigt – mit Maßnahmen gegen die Hochwasserproblematik, sodass das „Koi“ letztlich doch gebaut werden konnte.

Kurz vor dem Spatenstich des neuen Kombibades an der so genannten „Hinkelsbix“ entbrannte die Diskussion um die Hochwassergefahren in diesem Bereich. Foto: Thorsten Wolf

Diese Diskussion war wohl aber Auslöser dafür, dass die Stadt sich um das Nachbargelände des einstigen Neunkircher Eisenwerkes bemühte. Dieses hat sie schließlich im Januar 2014 für 450 000 Euro erworben –  das waren 125 000 Euro mehr, als dies Summe, für die es der Stadt gerade einmal vier Monate zuvor angeboten wurde. Die Staatsanwaltschaft wird sich nun mit diesem Umstand befassen. Dass die Hochwasserproblematik nicht von der Hand zu weisen war, bewahrheitete sich kurz nach Eröffnung des Kombibades, Anfang 2015. Nach ergiebigen Niederschlägen drohte das Becken im Freibadbereich, sich nach oben zu drücken. Zu dem Zeitpunkt war das Freibecken noch nicht mit Wasser gefüllt. Nur durch den schnellen Einsatz der Feuerwehr, die das Becken füllte, konnte ein größerer Schaden verhindert werden.