Großes Einläuten des Lutherjahres

Großes Einläuten des Lutherjahres

Alle Plätze waren belegt, einige Besucher mussten mit einem Stehplatz Vorlieb nehmen: In der Stadtkirche in Homburg begannen die Protestanten die Feierlichkeiten zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“. Mehr biblische Botschaft im Alltag war eine Kernaussage der Predigt.

Nächstes Jahr wird es so weit sein: Dann wird es 500 Jahre her sein, dass Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg an schlug. Mit einem aufwändig gestalteten Gottesdienst in der protestantischen Stadtkirche wurden am Montagabend die Feierlichkeiten zu "500 Jahre Reformation" eingeläutet. In der Kirche waren keine Sitzplätze mehr zu erhalten, so dass viele Zuhörer nur stehend der Zeremonie folgen konnten. Für Menschen ohne Gehör wurde die gesamte Feier synchron in Gebärdensprache übersetzt. Die politische Prominenz wurde von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) angeführt, die den Gottesdienst als Liturgin auch mitgestaltete.

Zunächst begrüßte der Homburger Dekan Thomas Holtmann die Gäste mit dem Bekenntnis des Apostel Paulus "Ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht". Kramp-Karrenbauer las anschließend aus dem Matthäus-Evangelium.

Die Predigt hielt Oberkirchenrätin Marianne Wagner von der Evangelischen Kirche der Pfalz. Sie warf einen Blick zurück auf Zeiten, "in denen die Kirche denjenigen, auf den sie gegründet ist, Christus, aus den Augen verlor und einen falschen Weg einschlug." Als Beispiele nannte sie die Beteiligung der Kirche an der Eroberung Lateinamerikas oder dem weitgehend ausbleibenden Protest während der Nazizeit. Dennoch habe es Widerstand gegen die Irrwege gegeben, so vom französischen Kaufmann Petrus Valdes im zwölften Jahrhundert, vom Prager Priester Jan Hus , 1415 als Ketzer verbrannt, oder von Bartolome de las Casas, der das Vorgehen der Spanier in Mittelamerika im 16. Jahrhundert als großes Unrecht anprangerte. Und so habe auch Martin Luther erkannt, dass die Kirche keine Hoheit über Gottes Gerechtigkeit habe, führte Wagner weiter aus. Dennoch legte sie Wert darauf, dass das Reformationsjubiläum nicht als Heldenverehrung begangen werde, denn: "Luther war kein Held. Er war Reformator der Kirche." Luther habe den Blick darauf freigeräumt, sich wieder auf die Mitte des Glaubens zu besinnen: das Wort Gottes. Auf heute bezogen, merkte die Oberkirchenrätin an: "Wir erleben, dass Menschen, die sich auf das christliche Abendland berufen, offen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus vertreten." Anschließend appellierte sie daran, der biblischen Botschaft wieder Einzug in den Alltag zu lassen. Bezirkskantor Stefan Ulrich begleitete die Kirchenlieder an der Orgel; seine Frau Carola leitete ein hochklassiges Instrumentalensemble, das zusammen mit dem Homburger Vokalensemble die Bach-Kantate "Gott der Herr ist Sonn und Schild" aufführte; Solisten waren dabei Angela Lösch (Alt), Anne Kathrin Fetik (Sopran) und Vinzenz Haab (Bass). Nach dem sehr ernsten Charakter der Feier tat es gut, dass Stefan Ulrich mit dem Saxofonisten Thomas Girard eine verspielt-jazzige Version von "Lobet den Herren" zum Abschluss darbot - das lockte vielen Besuchern ein Schmunzeln auf die Lippen.

Anschließend ging es zu einem Empfang ins Siebenpfeifferhaus, bei dem der Präsident des saarländischen Landtages, Klaus Meiser , die mutige Predigt Wagners lobte.

Auch mahnte er auf in Bezug auf den Kirchenverdruss vielerorts: "Wir müssen Antworten finden, wie wir an die jungen Menschen wieder herankommen." Der Superintendent des Kirchenkreises Saar-West, Christian Weyer, sagte, er sei "stolz auf das Riesenprogramm des Jubiläumsjahres."

In der evangelischen Kirche schaue man diesbezüglich verwundert auf das Saarland. In der Tat stehen viele auf die Reformation bezogene Veranstaltungen bis zum 31. Oktober 2017 an: Vorträge, Konzerte, Ausstellungen, Popfestivals und mehr.

reformation2017-saar.de

ekir.de

evkirchepfalz.de

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