Grausamkeit eines großen Krieges

Samuel Finzi und Elisabeth Brück haben gelesen, Professor Alexander Honold und CDU-MdB Alexander Funk diskutiert: Eine von bundesweit 18 Stationen für „Tatort: Schlachtfeld“ war gestern die Homburger Volkshochschule.

Er gilt als Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts, der Erste Weltkrieg. Von 1914 bis 1918 forderte er auf seinen Schlachtfeldern in Europa, dem Nahen Osten, Nordafrika, Ostasien und den Weltmeeren 17 Millionen Opfer. Seine Folgen bedingten das Dritte Reich, den Holocaust, den Zweiten Weltkrieg. Bei all dieser Bedeutung: Im Bewusstsein der Menschen scheint eben dieser Krieg nur noch wenig Bedeutsamkeit zu haben.

Diesem Vergessen setzte die Volkshochschule Homburg gestern Morgen im Gymnasium Johanneum ein deutliches Zeichen entgegen: Mit der Lesung und Diskussion "Tatort: Schlachtfeld", Teil des Projekts "100 Jahre Gegenwart" des Berliner Hauses der Kulturen und entwickelt von Sonja Valentin, nahm die große Tragödie in gesprochenem Wort wieder Gestalt an - mit all ihrer irren Begeisterung, wahnhafter Selbstüberschätzung und millionenfachem Tod. Die Stimmen des Vormittags: die Schauspieler Elisabeth Brück (ARD-Tatort) und Samuel Finzi (ZDF-Serie "Flemming"). Sie liehen im ersten Teil der Veranstaltung den Schriftstellern und Lyrikern aus der Zeit des Ersten Weltkriegs ihre Stimmen, von Georg Heym über Thomas Mann und Käthe Kollwitz bis hin zu Erich Maria Remarque und Ernst Jünger .

Noch bevor Brück und Finzi das literarische Bild einer Vorkriegs- und Kriegskulisse zeichneten, deutlich von Kriegslust (Ernst Lissauer "Hassgesang gegen England", 1915) und blutiger Ernüchterung geprägt (Ernst Jünger , Kriegstagebücher, "Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende?), war es an Willi-Günther Haßdenteufel, dem Leiter der VHS Homburg , die rund 120 Zuhörer einzustimmen. Haßdenteufel nannte dabei den gestrigen Morgen ein "ganz besonderes Ereignis", gebe es doch bundesweit nur 18 Veranstaltungsstandorte für "Tatort: Schlachtfeld", und nur einen im Saarland - eben Homburg .

In der Sache machte Haßdenteufel mit Blick auf die Weltlage klar, dass gerade Veranstaltungen wie "Tatort: Schlachtfeld" nötig seien, um die Gesellschaft aufmerksam zu machen "für das, was um uns herum passiert. Wir müssen wieder Verantwortung übernehmen vor dem Hintergrund aktueller Konflikte und Kriege . Ich bin der festen Überzeugung, dass wir wieder zu einer Gesellschaft der 'Hingucker' werden müssen".

Professor Alexander Honold, SZ-Redakteur Peter Neuheisel und der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Funk (von links) diskutierten Ursachen und Wirkung des Ersten Weltkriegs und schlugen dabei Brücken in die Gegenwart. Foto: Thorsten Wolf. Foto: Thorsten Wolf

Nach der danach beeindruckenden Lesung von Brück und Finzi hatte dann eine Diskussionsrunde das Wort. Moderiert vom Peter Neuheisel, dem stellvertretenden Regionalleiter Ost der Saarbrücker Zeitung, ordneten der Literaturwissenschaftler Alexander Honold und der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Funk die Geschichte des Ersten Weltkrieges auch in die aktuelle politische Welt-Wetterlage ein. Funk warb angesichts aktueller Krisen und Kriege dabei dafür, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern auf die durchaus positive, nähere Vergangenheit zu blicken. "Wir haben nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa eine Erfolgsgeschichte geschaffen."