Glantalbahn sorgt für Ärger

Die alte Glantal-Bahnstrecke steht unter Denkmalschutz , abgeräumt wird sie dennoch. Warum? Bürger fragten nach und erfuhren: Der Streckenverlauf ist geschützt, nicht die Strecke selbst. Auf viel Verständnis traf diese Maßnahme nicht.

Im Januar hatte die Stadt begonnen, die Gleise der denkmalgeschützten Glantalbahn im Bereich Jägersburg, Reiskirchen und Erbach abzubauen (wir berichteten). Mit schwerem Gerät war man damals der Geschichte zu Leibe gerückt, inzwischen ist von der Bahnstrecke nicht mehr geblieben als eine Schneise im Wald. Doch genau der Zustand dieser Schneise erzürnt nun Bürger in den betroffenen Homburger Stadtteilen. Bäume seien ohne Not gefällt oder massiv zurückgeschnitten worden, die Bahnschwellen wären einfach links und recht der Strecke im Gelände "entsorgt" worden. Und was viele nicht minder umtreibt: Was sollte die ganze Aktion eigentlich? Warum die Strecke demontieren? Und was wird nun aus der Trasse - auch vor dem Hintergrund, dass diese Route immer wieder auch als Strecke für den zweiten Homburger Autobahnanschluss gehandelt wird?

Ein Recherche vor Ort im Bereich des früheren Erbacher Bahnhofs, heute Ria-Nickel-Tierheim, bestätigte, dass es dort an der früheren Glantalbahn alles andere als aufgeräumt aussieht. Wie von unseren Lesern geschildert, liegen die maroden Holzbahnschwellen am Rand der alten Bahnlinie, drumherum mehr oder minder frisch geschlagenes Holz. Warum das alles? Schon in Januar hatte Homburgs Bürgermeister Klaus Roth auf unsere Anfrage hin die Abbau-Aktion so begründet: "Dieser Teil der Glantalbahn, er befindet sich im Besitz der Homburger Parkhaus- und Stadtbus GmbH, wird abgebaut, da es in der Vergangenheit immer wieder zu partiellen Metall-Diebstählen kam."

Der so begründete Rückbau ist abgeschlossen, mit dem Ergebnis scheint aber so mancher nicht wirklich glücklich. Und über die Antwort der Verwaltung, die unsere Zeitung gestern auf erneute Nachfrage erhielt, dürften sich die, die sich über den aktuellen Zustand der Bahnlinie beschweren, auch nicht wirklich freuen. Denn: Jürgen Kruthoff, Pressesprecher der Stadt Homburg, wiederholte Roths Begründung für den Rückbau und erklärte erneut: "Damit sollte einem möglichen Diebstahl der Gleise vorgebeugt werden."

Diese Rückbau sei dabei in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt erfolgt - kein unwichtiger Hinweis, hatte sich doch so mancher gewundert, warum eine denkmalgeschützte Bahnlinie "entgleist" wird. Doch, so die Stadt schon im Januar: Nicht der eigentlichen Gleiskörper sei denkmalgeschützt, sondern lediglich die Route. Und vor diesem Hintergrund begründete Kruthoff gestern auch die Grün-Arbeiten: "Der von den Bürgern bemängelte Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern erfolgte, um das Lichtraumprofil der ehemaligen Bahnstrecke zu erhalten und visuell erlebbar zu machen."

Dabei habe dieser Rückschnitt nichts mit Planungen bezüglich einer Autobahnanbindung zu tun. "Entsprechende Planungen dazu stehen derzeit auch nicht an", so Kruthoff. Was die zurückgelassenen Bahnschwellen betreffe, sei man in der Homburger Verwaltung über den aktuellen Zustand "auch nicht glücklich. Derzeit wird geprüft, wie diese entfernt und ordnungsgemäß entsorgt werden können. Anschließend soll dies auch erfolgen, so dass sich der Zustand der ehemaligen Bahnstrecke dann auch verbessern wird", so Kruthoff.