Girls’ Day : Mädchen schnuppern Werkstattluft

Bundesweit haben beim Girls’ Day Unternehmen ihre Türen für Mädchen geöffnet, um diesen Berufe nahe zu bringen, in denen Frauen bisher eher selten zu finden sind. In Homburg waren 119 Schülerinnen in Firmen vor Ort.

Frauen in vermeintlichen Männerberufen wie Kriminalpolizist, Automechaniker oder Elektroniker? Das war vor ein paar Jahrzehnten noch eine gewagte Vorstellung. Heute ist das mehr oder weniger Normalität, auch wenn Frauen in klassischen Männerberufen sicherlich immer noch unterrepräsentiert sind. Was oft an ihnen selbst liegt.

Um Mädchen zu ermutigen, bei entsprechendem Interesse eine früher von Männern bevorzugte  Ausbildung anzugehen, gibt es seit 2002 den Aktionstag Girls’ Day (siehe Infobox). In diesem Jahr machten jede Menge Firmen und Einrichtungen in Homburg und Umgebung mit: Casar Drahtseilwerk in Limbach, die Uniklinik, RPC Power Solutions im Homburger Technologiepark, die Karlsberg-Brauerei, die Bundespolizei in Bexbach, Bosch in Homburg und Autoteile Unger sowie die Firma Michelin. Teilgenommen haben 119 Mädchen im Alter von zwölf bis 16 Jahren.

Die Karlsberg-Brauerei hatte in diesem Jahr fünf Plätze angeboten, die „ratzfatz“ weg waren, wie der Auszubildende im dritten Jahr, Leon Dörrenbächer, erklärte. Er und seine Kollegen hatten den Girls’ Day in der Brauerei organisiert. „Die Azubis waren davon begeistert, ihren Beruf zeigen zu können“, sagte Ausbildungsleiterin Rebecca Lambert. Nach Begrüßung, Sicherheitseinweisung und Führung durch die Brauerei ging es in die Werkstätten: Einmal in die Abteilung der Industriemechaniker, einmal zu den Elektrikern. Dort trafen die Mädchen auf Leonie Roos, die dort tatsächlich als einzige Frau in dem „Männerberuf“ Elektroniker für Betriebstechnik ausgebildet wird. „Das ist ungewohnt, aber ich bin stolz darauf, hier die einzige Frau zu sein. Wir haben ein gutes Arbeitsverhältnis, die Männer schließen einen nicht aus. Für mich war das ein Traumberuf, etwas Handwerkliches zu lernen.“ Die zwölfjährige Sina Wilhelm, die in Zweibrücken die Mannlich-Realschule besucht, betonte hinterher, sie könne sich es auch vorstellen, einen handwerklichen Beruf zu erlernen, es habe ihr gefallen. Hanna Schweiger (15) vom Arnold-Janssen-Gymnasium in St. Wendel machte in der Metallwerkstatt mit. Dort bestand die Aufgabe der Mädchen darin, aus einem rechteckigen Metallplättchen einen Anhänger mit Namen und abgerundeten Ecken anzufertigen. „Ich hätte das vorher nicht gedacht, aber mir hat das Spaß gemacht. Ich finde den Beruf Industriemechaniker interessant, abwechslungsreich und vielfältig – also ich könnte mir das schon vorstellen“, sagte Hanna. Und ihre Freundin Laura kommentierte: „Ich habe es mir vorher gar nicht vorstellen können, so einen Beruf zu ergreifen, aber es hat Spaß gemacht.“ Die 15-Jährige will aber wohl doch eher Jura studieren.

Azubi Danny Ullrich war überrascht davon, wie geschickt sich die Mädchen angestellt hatten: „Die haben gefeilt, gebohrt, gesenkt und Schlagbuchstaben eingehämmert. Da war alles top.“

Auch bei der Dienststelle der Bundespolizei in Bexbach wurde der Girls’ Day durchgeführt. Dort waren sogar 39 Schülerinnen eingeladen worden. Diese erlebten ein aufregendes Programm, wie Pressesprecher Jürgen Glaub mitteilte: „Wir hatten die Themen Kriminalprävention, Spurensicherung und Urkundenkriminalität, Führungs- und Einsatzmittel der Polizei wie Handschellen oder Schlagstöcke, Diensthunde und Dienstfahrzeuge. Außerdem hatten wir einen Außentermin auf dem Flugplatz, wo ein Polizeihubschrauber vorgeführt wurde.“ Etwa zehn Prozent sei der Frauenanteil in der Dienststelle. Der Girls’ Day wecke häufig bei jungen Frauen das Interesse an der Polizei, so Glaub.