Gewerbeverein Homburg hält an verkaufsoffenem Feiertag Mariä Himmelfahrt fest

Kostenpflichtiger Inhalt: Streit um Mariä Himmelfahrt : Geschäfte sollen doch am Feiertag öffnen

Der verkaufsoffene Feiertag Mariä Himmelfahrt in Homburg hat zu Diskussionen geführt. Der Saar-Landtag will ein generelles Verbot aussprechen. Der Gewerbeverein der Stadt plant weiter mit offenen Geschäften am 15. August.

Es war in diesem Jahr eine Premiere, dass in Homburg am Feiertag Mariä Himmelfahrt Geschäfte in der Innenstadt nachmittags geöffnet hatten. Dafür hatte der Gewerbeverein einen von vier laut Gesetz erlaubten verkaufsoffenen Sonntagen, nämlich den im Mai, gekippt. Und der verkaufsoffene Feiertag hatte eine ziemlich große Durchschlagskraft. Zum einen war da der positive Einkaufseffekt, den sich der Homburger Gewerbeverein und die Händler in der Stadt mit ihrem Vorstoß gewünscht hatten. „Es war ein richtiger Erfolg, die Stadt war sehr gut besucht, es herrschte gute Stimmung“, das Konzept sei stimmig gewesen, resümiert die Vorsitzende des Gewerbevereins, Annette Germann. Deswegen habe man sich auch auf der jüngsten Sitzung des Vereins deutlich dafür ausgesprochen, dass im kommenden Jahr der Feiertag bleibe neben den verkaufsoffenen Sonntagen am Keramikmarkt (5. April), dem Mantelsonntag am 11. Oktober sowie dem 29. November zum Start des Nikolausmarktes. Mariä Himmelfahrt falle 2020 zudem auf einen Samstag.

Die Öffnung der Geschäfte am Feiertag war allerdings anderen ziemlich übel aufgestoßen. Und es gab heftige Kritik an diesem „Shopping-Duell“ zwischen Homburg und Zweibrücken an einem hohen katholischen Feiertag, der im Saarland ja bekanntlich „frei“, in der Pfalz aber ein Werktag ist. Dewegen gehen nämlich traditionell viele Saarländer in Rheinland-Pfalz einkaufen.

Es hatte nicht lange gedauert, bis der saarländische Landtag die Notbremse zog: Kurz nach Mariä Himmelfahrt war die Initiative publik geworden, solche Aktionen künftig zu verbieten. Das Argument der Kritiker: Der Sinn eines Feiertages bestehe darin, sich zu besinnen, zu ruhen oder Zeit mit der Familie zu verbringen. Der Gersheimer Landtagsabgeordnete Stefan Pauluhn, damals noch SPD-Fraktionschef, verdeutlichte etwa: „Im Gegensatz zu einem Sonntag haben gesetzliche Feiertage immer auch eine kulturelle, historische oder religiöse Bedeutung, die ihren besonderen Charakter ausmacht.“ Und man wollte verhindern, dass andere Städte dem Homburger Beispiel folgen.

Der saarländische Landtag debattierte auf SPD- und CDU-Antrag über das Thema, eine erste parlamentarischen Hürde nahm die entsprechende Änderung des Ladenöffnungsgesetzes Mitte September: Mit Stimmenmehrheit der Koalitionsfraktionen passierte diese die erste Lesung im Landtag. Mittlerweile habe es, so ist zu hören, eine breit angelegte Anhörung im zuständigen Fachausschuss gegeben.

Von der Pressesprecherin des Saar-Landtages, Stienke Kalbfuss, hieß es zur Zeitachse: „Die Beratungen im Ausschuss dauern noch an. Nach der ersten Lesung gab es eine Anhörung, deren Ergebnisse noch nicht vollständig ausgewertet sind. Die zweite Lesung ist noch nicht terminiert.“ Klarheit wird es also wohl erst im neuen Jahr geben.

 In Homburg hofft man dennoch, dass es erneut klappen könnte mit den offenen Geschäften. Die Händler, so führte Gewerbevereinsvorsitzende Annette Germann aus, hätten sich klar dafür ausgesprochen, diesen verkaufsoffenen Feiertag beizubehalten. Ob man gegen eine Gesetzesänderung wie sie jetzt vom Saar-Landtag angepeilt wird, eventuell rechtlich vorgehen werde und ob dies Aussicht auf Erfolg haben könnte, sei kein Thema gewesen. Sie werde nun erst einmal abwarten, was genau in diesem Gesetz steht, kündigte Germann weiter an.

Allerdings hat der Verein vorsorglich schon formuliert, wie er im Fall eines Verbots vorgehen möchte: Dann soll ersatzweise der Tag nach Mariä Himmelfahrt, der Sonntag, 16. August, verkaufsoffen werden.

Der Gewerbeverein will sich direkt im ersten Quartal des neuen Jahres wieder treffen und auch da soll es um die Geschäftsöffnung am Sonntag gehen, allerdings für 2021. Man überprüfe, ob man am verkaufsoffenen Sonntag im Dezember tatsächlich festhalte werde, kündigte Germann an. Die Stimmen, die besagten, dass dieser immer schwächer für die beteiligten Geschäfte ausfalle, würden immer lauter. Alternativ könnten die Läden eventuell an einem Januar-Sonntag ihre Türen öffnen. So etwas müsse allerdings frühzeitig geplant werden. Für Annette Germann die beste Lösung: sich an einen Tisch setzen, die Händler darüber abstimmen lassen.

Annette Germann. Foto: Ulrike Stumm

Weiteres Thema beim nächsten Treffen: eine Leistungsschau im Jahr 2022. Nach der bislang letzten Auflage im Herbst 2016 war klar, dass so eine Messe, wenn es sie überhaupt noch einmal geben soll, ein völlig anderes Gesicht bekommen muss. Neben den Plänen, diese wieder in die Innenstadt und auf einen Termin im Frühjahr zu verlegen, ging es auch darum, abzufragen, welche Betriebe denn noch mitmachen würden. Einen neuen Ansatz wollte man für Handwerksbetriebe finden. Diese hätten nämlich Probleme, Auszubildende zu finden. Für sie könnte eine solche Messe die Möglichkeit bieten, ihren Beruf vorzustellen, um so für Nachwuchs zu werben, so das Argument. Die Resonanz auf eine allgemeine Umfrage, die bei den Mitgliedern gestartet worden sei, fiel jedoch laut Germann sehr verhalten aus. Eine Entscheidung, ob man es erneut versucht mit einer Leistungsschau oder nicht, soll ebenfalls in der Sitzung in den ersten Monaten des nächsten Jahres fallen.