Gespräch mit Ärztlichem Direktor des Uniklinikums Homburg

Neues Klinikum : Ärztlicher Direktor sieht positive Zukunft

Der neue Ärztliche Direktor am Homburger Universitätsklinikum, Professor Wolfgang Reith, setzt auf Teamarbeit und Delegieren.

Professor Wolfgang Reith ist seit Ende Oktober 2018 Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums in Homburg. Bisher hat er die Zeit genutzt, sich in seine neue Aufgabe einzufinden und seine Arbeit als Neuroradiologe so weit zu delegieren, dass ihm als Ärztlicher Direktor genügend Zeit bleibt. „Ich habe ein sehr gutes Team, das auch mal ohne mich auskommt und mich unterstützt“, sagt Wolfgang Reith. Denn er hat festgestellt: 60 Prozent seiner Zeit wird er als Ärztlicher Direktor investieren müssen, um mit seinen Plänen voranzukommen, 40 Prozent bleiben noch für den Neuroradiologen Wolfgang Reith übrig: „Ich musste das alles erst organisieren, ab Ende Januar will ich loslegen“.

Als Auftakt hat er sich den Neujahrsempfang des Uniklinikums am Donnerstag, 31. Januar, vorgenommen, er wird eine Rede halten zum Thema „Das Krankenhaus der Zukunft“. Das Thema ist ihm wichtig, denn „die Zukunft wird von uns allen verlangen, uns umzustellen. Aber nicht in Richtung zu mehr Belastung, sondern zu einem gedeihlichen Miteinander.“ Denn gerade dies sei in Gefahr, denn „der Stress hat deutlich zugenommen“. Das betreffe Unikliniken in ganz Deutschland, nicht nur Homburg. Das fange schon mit der Bezahlung an: „Die Unikliniken bekommen alle schwierigen und komplizierten Fälle zugewiesen, werden dafür aber nicht adäquat finanziert. Das betrifft auch das Pflegepersonal. Die Tarife an städtischen und privaten Kliniken im Saarland liegen oftmals über den Tarifen des Uniklinikums, an dem nach Ländertarif bezahlt wird.“

Auch beim gegenwärtigen Konflikt um die Aufwandsentschädigung von Nachwuchsmedizinern im Praktischen Jahr (PJ) ist Wolfgang Reith für eine angemessene Bezahlung (wir berichteten). „Es kann doch nicht sein, dass angehende Ärzte bei uns in Homburg im ersten Tertial noch keine 200 Euro im Monat bekommen, während an anderen saarländischen Kliniken 500 Euro und mehr gezahlt werden.“ Zumal gerade das Uniklinikum auf gute Mitarbeiter angewiesen sei, denn, so Reith: „Der Markt ist leer gefegt, man bekommt weder Ärzte noch Pflegepersonal.“

Deshalb müsse man vor Ort alles tun, „um die Leute auszubilden und dann auch zu halten“. Wolfgang Reith sieht sich auch in der Pflicht, den Arbeitsalltag der Schwestern und Pfleger zu erleichtern: „Die Arbeitsbelastung ist sehr hoch, das liegt an den Fallpauschalen. Wir haben einen höheren Durchsatz an Patienten als noch vor zehn Jahren bei immer kürzeren stationären Aufenthalten. Das heißt, die Arbeit ist sehr stressig, ständig kommen neue Aufgaben, es gibt keine ruhigeren Phasen mehr. Das bedeutet, dass das Pflegepersonal ständig an der Belastungsgrenze ist. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.“

Hat sich Professor Reith nicht zu viel vorgenommen? „Nein, es ist ja auch noch so viel Nachholbedarf da“. In der Tat lag die Rolle des Ärztlichen Direktors über längere Zeit brach, was auch der Krankheit des Vorgängers, Professor Bernhard Schick, geschuldet war. Bei Professor Schick kam noch hinzu, dass er auch seine Arbeit als HNO-Arzt und als Spezialist für Gehör-Implantate sehr gewissenhaft erfüllen wollte, der Tag aber nur 24 Stunden hat. Reith betont, dass „jemand aus einer Querschnittsabteilung wie ich sicherlich mehr Zeit für dieses Amt hat als ein Kollege aus dem operativen Bereich.“ Reith hat sich jedenfalls fest vorgenommen, „dem ärztlichen Aspekt des Uniklinikums wieder mehr Bedeutung zukommen zu lassen.“ Verwaltung sei wichtig, „ist aber nicht alles.“

Dass beim Besuch des niederländischen Königspaares im Oktober 2018 Kritik von Seiten der Ärzteschaft gekommen sei, dass kein Vertreter aus dem medizinischen Bereich das Paar begrüßt habe, kann Reith verstehen, „aber da konnte keiner etwas dafür. Professor Schick war seit ein paar Tagen nicht mehr im Amt und ich noch nicht offiziell bestellt“. Präsenz zeigen ist also eine der ersten Aufgaben, die Reith in Angriff nehmen wird.

Zeitverlust auf dem Weg zur Arbeit hat er nicht, denn er wohnt gerade einmal knapp zehn Minuten zu Fuß vom Universitätsklinikum entfernt. „ich mag Homburg, die kleinstädtische Atmosphäre finde ich sehr entspannend, auch im Hinblick auf meine Kinder. Ich hätte jedenfalls mehr Sorgen gehabt, wenn sie in Frankfurt oder Berlin aufgewachsen wären. In Homburg ist das Leben deutlich entspannter.“ Seinen Wechsel vor 18 Jahren von Aachen nach Homburg hat er nie bereut, es gebe hier tolle Kollegen, auch hervorragende Forschung und Kliniken mit sehr hohem Niveau, die jeden internationalen Vergleich locker aushielten. Das einzige Problem sei, „dass das Saarland sich nicht so viel leisten kann und die finanzielle Ausstattung des Uniklinikums sehr eng ist“. Gleichzeitig respektiert Reith aber auch, „dass das, was für das Uniklinikum getan wird, für das kleine Saarland schon ein Kraftakt ist, das muss man immer im Hinterkopf behalten.“

Und was sagt er zur neuen I-Med? Es sei natürlich überfällig gewesen, die innere Medizin unter einem Dach zu vereinen, also eine gute Planung, „aber man muss auch weiter denken.“ Es sei nicht so, dass mit dem neuen Gebäude jetzt eine Art Endzustand erreicht sei, denn an einem Klinikum müsse man auch überlegen: „Wie sieht es hier in 20 Jahren aus?“

Da seien beispielsweise die teuren Großgeräte im OP-Trakt, „die müssen länger laufen, auch bis spät abends, die müssen sich lohnen.“ Aber das ginge nun mal nur mit mehr Personal. Und hier kommt Professor Wolfgang Reith wieder an seinen Ausgangspunkt zurück: Der Mensch steht im Gesundheitswesen im Mittelpunkt, nicht nur die Patienten, sondern auch die Ärzte und Pfleger. Ins Krankenhaus der Zukunft sollen sie alle gerne kommen. Die einen zur Behandlung, die anderen zur Arbeit.

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