Geschichten der Geschichte

St.Ingbert/Homburg. "Schlecht executiret und bei der Geburt schon ein Krüppel" - ein vernichtendes Urteil fällte der herzogliche Baumeister Christian Ludwig Hautt, als er sich die neue "Wassermaschine" auf Schloss Karlsberg besah

St.Ingbert/Homburg. "Schlecht executiret und bei der Geburt schon ein Krüppel" - ein vernichtendes Urteil fällte der herzogliche Baumeister Christian Ludwig Hautt, als er sich die neue "Wassermaschine" auf Schloss Karlsberg besah. Mangelhaft gebaut und von Anfang an unbrauchbar war also die Apparatur, mittels derer zumindest ein Teil der weitläufigen Schlossanlage über Sanddorf mit dem lebensnotwendigen feuchten Element versorgt werden sollte. Dass die Bereitstellung von hinreichend Wasser auf dem Karlsberg ein grundlegendes und schwerwiegendes Problem darstellte, ist in der neuen Ausgabe der "Saarpfalz" nachzulesen. Jutta Schwan, die Autorin, stellt dabei den enormen Bedarf des Schlosses heraus: "Über die eigentliche Versorgung hinaus gehend, sollten in den Gärten und der Karlslust Wasserkünste in Form von stehenden, springenden und fallenden Wassern abwechslungsreiche Gestaltungshöhepunkte darbieten". Von den vielfältigen Bemühungen, dem Wassermangel zu begegnen, zeugt auf dem Karlsberg bis heute das "Hirschwürzloch". Schwerpunktmäßig befassen sich die neuen "Blätter für Geschichte und Volkskunde" aber nicht mit barockem Luxus, sondern mit Themen aus dem 20. Jahrhundert. So erinnert Gerd Imbsweiler an den früheren Landtagsabgeordneten und Limbacher Bürgermeister Fritz Grub (1883 - 1962). 1927 war dieser zum Bürgermeister gewählt worden, die Nazis setzten ihn 1935 ab, als die Amerikaner im März 1945 einmarschierten und dem Nazi-Regime den Garaus machten, wurde er für zwei Jahre wieder als Bürgermeister eingesetzt. Imbsweiler beleuchtet auch, welche Aktivitäten Grubs in den 1920er Jahren Wirkung bis heute haben - etwa, was die Wasserversorgung Limbachs anbelangt. Zu den Persönlichkeiten des katholischen Widerstands, die sehr früh die Gefahr erkannten, die von Hitler, seiner Ideologie und seinen Schergen ausging, zählt der Kapuzinerpater Ingbert Naab, der von 1914 bis 1916 Seelsorger im Kapuzinerkloster St. Ingbert war. Seinen Lebensweg, sein Martyrium skizziert Rogobert Wilhelm. Bis 1955 bestand der Soldatenfriedhof "Am Legen" in Altheim. Nur 76 der insgesamt 144 Gräber waren allerdings mit Kreuzen und namentlicher Kennzeichnung versehen. "Der schön angelegte Ehrenfriedhof war mit einem Scherengitterzaun eingefriedet, durch die Mitte führte ein etwa zwei Meter breiter, mit roter Kesselasche befestigter Weg zum großen wuchtigen Hauptkreuz aus Eichenholz am Ende", erinnert sich der Altheimer Heimatforscher Helmut Lambert an das ursprüngliche Aussehen der Anlage, die am 21. November 1952 eingeweiht wurde. Nach seinen Ausführungen wurde der Friedhof in der Endphase des Zweiten Weltkrieges "belegt", als nämlich der Bliesgau zu Beginn des Jahres 1945 Front war und heftige Kämpfe tobten. Heute erinnert nur noch ein Kreuz samt Gedenktafel an das einstige Gräberfeld, die gefallen Soldaten waren im Januar 1955 nach Schwalbach-Elm umgebettet worden.Dass vor Urzeiten "Jacob, der Wadsacker Müller, uff empfangenen Bevelch gefenglich eingezogen" wurde, ist ebenfalls in der neuen "Saarpfalz" zu erfahren. Man schrieb das Jahr 1571, als sich diese Affäre um die zu Niederbexbach gehörende Woogsacker Mühle abspielte. Hans Cappel (Blieskastel) hat die Vorfälle recherchiert und nun zu Papier gebracht. Demnach hatte sich der aus Maßweiler stammende neue Müller ohne obrigkeitliche Genehmigung Umbauten an der Mühle im Feilbachtal angemaßt. Derlei Eigenmächtigkeit brachte den Kerker ein, aus dem er sich aber ganz gewitzt frei zu kaufen wusste.

Auf einen BlickSaarpfalz 2008/4: 64 Seiten, 13 Abbildungen, fünf Beiträge, zwei Buchbesprechungen, Kalendarium "historischer" Vorträge im ersten Quartal 2009. Schriftleiter: Kreisdenkmalpfleger Dr. Bernhard Becker unter Mitwirkung einer vierköpfigen Fachredaktion. Bezug: Amt für Heimatpflege und Denkmalschutz des Saarpfalz-Kreises, Zimmer 417, Landratsamt Homburg, Tel. (06841) 104417, E-mail: traudel.neumueller@saarpfalz-kreis.de sowie im Buchhandel und bei den Kultur- und Verkehrsämtern der Städte und Gemeinden. Preis: 3,25 Euro. bam