Gemeinschaftsschulen sind die Verlierer in Homburg

Weiterführende Schulen : Gemeinschaftsschulen sind die Verlierer

In diesem Jahr haben die Gemeinschaftsschulen im Saarpfalz-Kreis mit nur 39 Prozent aller Anmeldungen an Zustimmung verloren. Die Schulleiterinnen aus Limbach, Erbach, Homburg und Bexbach finden diesen Trend bedauerlich.

Die Entscheidungen für die Viertklässler sind gefallen: Von 565 Kindern, die in Homburg, Bexbach und Kirkel auf eine weiterführende Schule wechseln, haben sich 343 fürs Gymnasium und nur 222 für eine Gemeinschaftsschule entschieden. Damit ist die Gemeinschaftsschule eingebrochen, denn erstmals sind es unter 40 Prozent (genau: 39,2),  also deutlich weniger als  die Hälfte der Kinder, die sich für diese Schulform entschieden haben. Im vergangenen Jahr lag die Anzahl noch bei 47 Prozent für die Gemeinschaftsschulen (wir berichteten).

Sabine Bleyer,  Schulleiterin an der Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn in Erbach, führt den Einbruch darauf zurück, „dass es keine verbindlichen Empfehlungen fürs Gymnasium gibt und die Eltern denken, man könne es deshalb einfach mal mit dem Gymnasium versuchen, wechseln können die Kinder ja immer noch.“ Sie hält nichts von dieser Ansicht, „denn das schadet den Kindern und es ist für sie eine große Enttäuschung, wenn sie dann doch an die Gemeinschaftsschule zurückkehren müssen.“

Mit den Anmeldezahlen ist sie zufrieden: 77 Anmeldungen, also vier Klassen, wird die Erbacher Sandrennbahn-Schule im neuen Schuljahr bekommen, im vergangenen Jahr hatte sie noch über 90 Anmeldungen. „Womöglich tröpfeln noch ein paar Kinder nach, so dass wir am Ende wohl bei 80 liegen werden“, vermutet die Schulleiterin. Drei von vier Klassen sind Halbtagsklassen, eine Klasse wird als Ganztagsklasse geführt.

Was sie bei der Entscheidungsfindung bedauert: „Unsere Grundschullehrerinnen und -lehrer  haben die Kinder über Jahre begleitet. Ich verstehe nicht, warum man nicht mehr auf sie hört, wenn sie im persönlichen Gespräch davor warnen, dieses oder jenes  Kind auf dem Gymnasium zu überfordern.“

Schwierig sei es auch, manche  Migrantenfamilien zu überzeugen, die ihre Kinder trotz oftmals sehr schlechter Deutschkenntnisse unbedingt aufs Gymnasium schicken wollen: „Ich versuche dann immer, ihnen das deutsche Schulsystem zu erklären, auch, dass ihre Kinder selbstverständlich auch an einer Gemeinschaftsschule bis zum Abitur kommen können.“

Vor allem verfüge die Gemeinschaftsschule über „sprachsensiblen Unterricht“, das heißt, die Lehrkräfte seien dazu angehalten, neben dem Stoff auch die Sprachkenntnisse der Kinder aus Migrantenfamilien zu verbessern, „am Gymnasium mit G 8 bleibt dafür gar keine Zeit.“ Sie stehe für Bildungsgerechtigkeit, betont Schulleiterin Bleyer. Dazu gehöre, dass alle Kinder die Chance bekommen sollten, ihre Talente bestmöglich zu entfalten. Das heiße aber nicht, dass dies nur mit dem Besuch eines Gymnasiums zu erreichen wäre.

Die Gemeinschaftsschule Kirkel am Standort Limbach hat in diesem Jahr nur 36 Anmeldungen bekommen, das liegt unter den Zahlen der vergangenen Jahre, die nie unter 40 lag, „mal waren es 45 Kinder, im vergangenen Jahr sogar 50“, sagt Schulleiterin Ursula Luckscheiter. Sie bekommt, wie auch in den Jahren davor, zwei Klassen.

Der generelle Rückgang der Anmeldezahlen an Gemeinschaftsschulen macht ihr Sorgen: „Dieser Trend ist in diesem Jahr deutlich zu sehen. Ich finde es schade, dass die Vorteile unserer Schulform zu wenig kommuniziert werden. Auch bei uns führt ein Weg zum Abitur – und die Kinder haben mehr Zeit, sich zu entwickeln. Schade, dass diese Vorteile  in diesem Jahr bei den Eltern nicht in dem Maße angekommen sind, wie wir es uns gewünscht hätten.“

Das zweitgrößte Stück vom Gemeinschaftsschulen-Kuchen mit 61 Anmeldungen bekommt die Galileo-Schule in Bexbach ab, aber auch sie hat Federn lassen müssen, denn in den vergangenen Jahren schwankte die  Anmeldezahl immer um die 70. „Diesmal haben wir nur 61 Anmeldungen“, erklärt Schulleiterin Gaby Schwartz. Die Schule bekomme im neuen Schuljahr aber wieder drei Klassen und habe damit ihr Ziel erreicht, „wenn wir jedes Jahr dreizügig sind, bin ich zufrieden,“ so Gaby Schwartz.

Sie findet auch, es sei „positiv, dass die Klassen nicht so randvoll sind“. Zumal die Lehrerinnen und Lehrer ein breites Spektrum abzudecken hätten, „von Kindern mit Inklusionsbegleitung, mit Migrationshintergrund bis hin zu Kindern mit Gymnasialempfehlung.“

Mit der Zahl 61 ist sie schon deshalb zufrieden, „weil die Grundschulklassen aus dem gesamten Höcherbergbereich nicht sehr voll waren.“ Eine beträchtliche Anzahl an Anmeldungen aus dem Kreis Neunkirchen  hätten dann die Zahlen der Galileo-Schule „gerettet“.

Einigermaßen konstant bei den Anmeldungen zeigt sich die Robert-Bosch-Schule in Homburg: 48 sind es in diesem Jahr,  wobei  Schulleiterin Barbara Neumann damit rechnet, dass  bis zum Start des neuen Schuljahrs im August noch ein paar nachkommen werden. Zwei Ganztagsklassen könnten so gebildet werden. Es habe auch Interessenten für das klassische Halbtagsangebot gegeben, „allerdings zu wenige, als dass eine eigene Klasse möglich  wurde“, so Barbara Neumann. Grundlegend ist sie mit den Neuanmeldungen zufrieden. Sie freue sich, dass die Schülerzahl stabil gebelieben sei, im vergangenen Jahr waren es um die 50 Anmeldungen. Als besonders positiv wertet sie, dass  das Interesse am Ganztagsangebot „so groß ist“.  „Viele Kinder bleiben später auch in unserer eigenen Oberstufe.“

Man könne neben dem Hauptschul- und dem mittleren Bildungsabschluss auch das Abitur machen, allerdings in neun Jahren. Dafür gebe es einen Oberstufenverbund in den Räumen des BBZ mit der Gemeinschaftsschule  Kirkel und der  Erbacher Sandrennbahnschule.

Im Vergleich zum Vorjahr mit 555 (2017: 532) Kindern gibt es diesmal in Homburg, Bexbach und Kirkel  565 Kinder, die auf eine der weiterführenden Schulen wechseln. Der Prozentsatz hat sich deutlich in Richtung Gymnasien verschoben:  60 Prozent (2018: 53 Prozent), also mehr als die Hälfte der Kinder, geht auf ein Gymnasium, 39 Prozent (2018: 47 Prozent) auf eine Gemeinschaftsschule.

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