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Unsere Woche: Gelassenheit à la Mary Poppins

Unsere Woche : Gelassenheit à la Mary Poppins

Es gibt Worte, die haben Konjunktur, sind in bestimmten Wochen inflationär oft zu hören. Groko, zum Beispiel, oder Jamaika (nichts gegen den Inselstaat), Sondierungsgespräche passt zur Reihe. Sie haben eines gemeinsam: Irgendwann nerven sie. Viele haben die „gefühlte“ Zeit, die etwas dauert, oder auch Gesprächsbereitschaft, die versprochen oder abgelehnt wird, schlicht satt – schon rein verbal.

Manchmal entdeckt man vergrabene Ausdrücke wieder – und freut sich darüber, selbst wenn sie „relativ sinnfrei“ sind. Superkali­fragilistigexpialigetisch ist so ein Wort. Es spielt mit der Sinnlosigkeit und der Wirkung, die diese durchaus haben kann.

In die große Welt gebracht hat es das charmante Kindermädchen Mary Poppins (gespielt von Julie Andrews) im gleichnamigen Musical-Märchen. Das entstand im Jahr 1964. Das Buchstabenmonster hat sich irgendwie gehalten. Und obwohl angestaubt, kann es die Stimmung durchaus heben. Das glaubt im Film anfangs auch kaum einer, ist aber, zeigt zumindest ein Selbsttest, durchaus wahr.

Vielleicht ist es gar keine so schlechte Idee, statt durchgenudelter Phrasen in Diskussionen ein herzhaftes superkalifragilistigexpialigetisch einzuwerfen. Denn, so verspricht es das Musical-Lied: „Wer es laut genug aufsagt, scheint klug und fast prophetisch.“ Allein durch die Länge entstehen Pausen. Und die haben vermutlich viele nötig. Besonders, aber nicht nur in (festgefahrenen) Diskussionen. Ein bisschen Gelassenheit schadet schließlich auch nicht bei der Parkplatzsuche, beim Weihnachtseinkauf, bei der Wartezeit an Baustellen, bei der Koordination der Adventstermine, die jetzt auf einen einprasseln. Wem das Wort übrigens zu leicht von den Lippen kommt, weil es sich abgenutzt hat, der sollte sich wieder an Mary Poppins orientieren. Sie empfiehlt, es rückwärts zu sprechen.

Oder man schaut sich einfach mal wieder den alten Film an – eine schöne Pause in hektischen Zeiten.