Gedenkveranstaltung in Homburg zum Fall der Berliner Mauer 1989

Den Mauerfall im Blickpunkt : Ein stiller Akt des Gedenkens

In Erinnerung an den Mauerfall 1989 wurden Kerzen am Homburger Freiheitsbrunnen aufgestellt – einem einmaligen Mahnmal zu diesem Thema.

Kaum ein Ereignis hat die Nachkriegsgeschichte Deutschlands und Europas so geprägt wie der Fall der „Berliner Mauer“ am 9. November 1989. Um dieses historische Ereignis zu würdigen, stellten laut Mitteilung der Kreis-Pressestelle Landrat Theophil Gallo (SPD), Homburgs Bürgermeister Michael Forster (SPD) und Oberbürgermeister a. D. Reiner Ulmcke (CDU) im Beisein der Stadtbeigeordneten Christine Becker (SPD), der Ortsvertrauensfrau aus Erbach, Anni Schindler (CDU), und des stellvertretenden Ortsvertrauensmannes Homburg-Mitte, Klaus Friedrich (CDU), am Jahrestag Kerzen am Homburger Freiheitsbrunnen nieder. Gleichzeitig erinnerten die Anwesenden an eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, der unheilvollen Reichspogromnacht am 9. November 1938, in der jüdische Geschäfte und Synagogen brannten.

Mit dem Fall der Mauer wurde das abschreckendste Symbol des Kalten Krieges beseitigt. Bis heute erinnert kein zentrales Denkmal an diesen für die heutige Bundesrepublik so bedeutenden Prozess, der die friedliche Öffnung des „Eisernen Vorhangs“ zwischen Ost und West einleitete. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich in der Homburger Fußgängerzone mit dem Freiheitsbrunnen ein Denkmal befindet, das in dieser Form und auf einmalige Weise den Fall der Berliner Mauer thematisiert, stellt die Kreis-Pressestelle fest. Zugleich erinnert der Freiheitsbrunnen an die Rolle Homburgs als wichtiger Impulsgeber der sich 1832 beim Hambacher Fest formierenden deutschen Demokratiebewegung.

Dabei ist der Freiheitsbrunnen selbst ein Stück Zeitgeschichte: Vom damaligen Oberbürgermeister Ulmcke initiiert und im Februar 1989 vom Stadtrat genehmigt, wurde das ursprüngliche Modell gleichsam von den turbulenten Ereignissen 1989 überholt. Waren zunächst drei Figurengruppen vorgesehen, entschloss man sich unter dem Eindruck der Ereignisse und aus Freude über die durch eine friedliche Revolution erreichte Wiedervereinigung mit einer vierten Figurengruppe den symbolträchtigen Fall der Berliner Mauer darstellen zu lassen.

Vor diesem Hintergrund bildet der Freiheitsbrunnen einen idealen Ort, um auch – oder gerade – in Homburg an „30 Jahre Mauerfall“ zu erinnern, wie Klaus Friedrich anregte.

Landrat Gallo: „Wir möchten heute auch des friedlichen Widerstandes jener Menschen gedenken, die trotz der Gefahr der Verhaftung und Repressalien nicht aufgaben und mit ihrer auch am Homburger Freiheitsdenkmal verewigten Parole ‚Wir sind das Volk’ dafür sorgten, dass durch eine Verkettung glücklicher Umstände die innerdeutsche Grenze und der damit verbundene ‚Todesstreifen‘ verschwanden. Somit stehen sie nicht zuletzt in der Tradition jener aufrechten Homburger Demokratinnen und Demokraten des Jahres 1832, die ebenfalls trotz drohender Repressalien nach Hambach aufbrachen, um dort für ihre Werte einzustehen und eine Republik in ‚Einigkeit und Recht und Freiheit‘ auf den Weg zu bringen.“

Auch Bürgermeister Michael Forster fand empfindsame Worte: „Der Mauerfall vor nunmehr 30 Jahren und die zuvor stattgefundene friedliche Revolution der Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen DDR zeigt eindrucksvoll, zu was Menschen in der Lage sind. Der unbändige Wille, zusammenzuführen was zusammen gehört, die Verbesserung der eigenen Lebensumstände, der Ruf nach Freiheit und Verbundenheit. All dies waren die Beweggründe der Menschen, sich auf den Weg mit damals ungewissem Ausgang zu begeben. Diesen Menschen ist die heutige Zusammengehörigkeit zu verdanken. Auch heute gilt es, sich die Umstände und den friedlichen Kampf der Menschen immer wieder bewusst zu werden.“

Reiner Ulmcke erinnerte daran, dass auch Homburg über Jahre hinweg an einer innerdeutschen Grenze lag und die Stadt sowohl während der Saargebietszeit als auch im späteren „Saarstaat“ Grenzstadt zu Deutschland war und mit dem Anschluss an die noch junge Bundesrepublik die „Kleine Wiedervereinigung“ von 1957 erlebte. „Wir können dankbar sein, dass die Saarpfalz aus ihrer einstmaligen Grenzlage heraus gleichsam zu einer dem europäischen Gedanken verpflichteten Brücke wurde“, sagte der frühere OB Ulmcke.

Heute unterhalten der Saarpfalz-Kreis und die Stadt Homburg über vielfältige Partnerschaften freundschaftliche Beziehungen nach Frankreich, Polen, Ukraine, in die USA, aber auch zum vormals hinter dem Eisernen Vorhang liegenden Ilmenau.

Ilmenaus Oberbürgermeister Daniel Schultheiß versäumte es nicht, anlässlich des Gedenkaktes Grußworte zu senden, die einen Auftrag einschließen: „Während vielen von uns die besondere, historische Bedeutung dieses Ereignisses bewusst ist, ist sie es für eine große Zahl jüngerer Menschen nicht. Für viele junge Leute, die nach 1990 geboren sind, ist die Einheit unseres Landes sowie das Leben in einer Demokratie mit verbrieften Bürgerrechten eine Selbstverständlichkeit. Das ist auch gut so. Die Willkür und die Ungerechtigkeit autoritärer Regime kennen sie nur aus Erzählungen und den Geschichtsbüchern. Für uns stellt sich daher die Aufgabe, auch in den jüngeren Generationen den Wert von Freiheit, Grundrechten, aber auch demokratischen Pflichten weiter zu vermitteln.“

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