Gedenkstätte in Homburg wird im November eingeweiht

Kostenpflichtiger Inhalt: Mahnmal in Homburg : Mahnmal wird im November eingeweiht

Die Stelen, die das Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus bilden, stehen nun seit einigen Wochen. Jetzt gibt es nach einigem Hin und Her auch einen Termin für die Einweihung: der 12. November, direkt vor der Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht.

Noch sieht es eher nach Baustelle aus als nach einem Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Schon seit einigen Wochen stehen am Homburger Marktplatz, genauer an der Ecke Klosterstraße/Saarbrücker Straße, gegenüber dem alten Storchen, die sieben Stelen aus Granit, die einen Halbkreis bilden. Doch rundum ist weiter ein weiß-roter Absperrzaun gezogen.

Nun wurde nach einigen Verschiebungen der Termin der Einweihung des „Mahnmals gegen das Vergessen“ festgelegt: der 12. November. Damit wird dieses Ereignis gekoppelt an die Gedenkveranstaltung zur Reichpogromnacht beziehungsweise dieser vorangestellt, teilt der bei der Stadt zuständige Amtsleiter für Kultur und Tourismus, Klaus Kell, auf Anfrage mit. Einen Tag zuvor sollen die Plaketten mit Namen angebracht werden: Auf sechs Stelen werden dann die Namen derjenigen jüdischen Menschen aus Homburg stehen, die von den Nazis ermordet wurden. Auf der mittleren Stele wird ein Text angebracht: „Wir gedenken der Opfer des nationalsozialistischen Terrors, der ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger unserer Stadt, der Menschen, die den Verfolgten geholfen haben, der Opfer von Krieg und Gewalt.“

Bis zur Einweihung bleibe aus Sicherheitsgründen die Absperrung stehen, sagte Kell weiter. Und er betont, gerade angesichts der jüngsten Vorfälle etwa in Halle zeige sich, dass ein solches Mahnmal erforderlich sei, „um nicht zu vergessen“. In Halle hatte am 9. Oktober ein bewaffneter Attentäter versucht, zum jüdischen Feiertag Jom Kippur in die Synagoge der Stadt an der Saale einzudringen. Nachdem ihm das nicht gelungen war, erschoss er zwei Menschen auf offener Straße und verletzte zwei schwer.

In Homburg ist es maßgeblich Izhak Hirsch zu verdanken, dass ein Mahnmal aufgestellt wurde. Vor Jahren schon setzte dieser sich dafür ein, dass an die von den Nazis ermordeten jüdischen Homburger erinnert wird, auch an seine Großeltern Mathilde und August Hirsch. Es war ein steiniger und langer Weg mit Hindernissen, Izhak Hirsch wurde immer wieder vertröstet, blieb aber hartnäckig

Auch Klaus Kell betont: Es sei schwierig gewesen, das Ganze auf den Weg zu bringen. Es habe etwa eine politische Diskussion über die Notwendigkeit eines solchen Gedenkorts gegeben. Als Argument war da zu hören, dass es ja bereits die ehemalige Synagoge gebe. Im Oktober 2018 hatte dann der Stadtrat beschlossen, dass das Mahnmal errichtet werden solle. Und auch der zentrale Standort, über den es ebenfalls Diskussionen gab, wurde festgezurrt.

Izhak Hirsch, der seit langem in der Schweiz lebt, ist einer derjenigen, der gemeinsam mit seiner Frau zur Einweihung anreisen wird. Weiter eingeladen sind nach Kells Angaben etwa Professor Herbert Jochum, Vorsitzender der christlich-jüdischen Arbeitsgemeinschaft Saar, der Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar, Richard Bermann, Landtagspräsident Stephan Toscani. Neben Bürgermeister Michael Forster werden weitere Vertreter der Stadt da sein sowie Künstler Klaus Glutting, der das Mahnmal gestaltet hat. Die Einweihung selbst, die um 15. 30 Uhr beginnt, soll „ganz schlicht“ gehalten werden, kündigt Kell an. Sicher ist, dass auch Izhak Hirsch zu Wort kommen wird.

Danach geht es ab etwa 16 Uhr unmittelbar mit der jährlichen Gedenkfeier zur Pogromnacht weiter. Zentrale Orte dafür sind die Stadtkirche und die ehemalige Synagoge.

Am 9. November 1938 fanden im Saarland an 30 Orten Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung statt, auch in Homburg gab es massive Angriffe. Die Synagoge wurde verwüstet, ebenso ein Geschäftshaus. Auch private Wohnungen jüdischer Bürger wurden zerstört. Dass dieses Gedenken diesmal nicht am eigentlichen Datum begangen wird, sei lange besprochen, so sagt es Pfarrerin Petra Scheidhauer, die an dem Tag die Moderation übernehmen wird. Der 9. November fällt auf einen Samstag, da sei es schwierig, die Schüler zusammenzubekommen, die die Gestaltung übernehmen.

Bekanntlich wird an diesem Termin am Forum auch das Bockbierfest gefeiert.

Am 12. November sind es dann maßgeblich Schülerinnen und Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums, die das Programm übernehmen, koordiniert wird dies von Sandra Schatzmann vom städtischen Kinder- und Jugendbüro. So wird der Chor des Gymnasiums mehrmals singen. Es wird Lesungen der AG Geschichte geben. Auch Jörn Didas, der Leiter des Adolf-Bender-Zentrums, wird sprechen. Ebenfalls beteiligt sind die Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde Bruchhof-Sanddorf. Gegen etwa 16.50 Uhr gibt es einen Gedenkmarsch zur Synagoge, dort wird Bürgermeister Forster sprechen und auch der Chor wird nochmals zu hören sein.

Zusätzlich zur jährlichen Gedenkveranstaltung gibt es die Ausstellung „Reichspogromnacht – Was geschah am 9.11.1938 im Saarland?“ in Homburg. Sie wird vom Adolf-Bender-Zentrum zur Verfügung gestellt und kann ab 29. Oktober bis 22. November zu den üblichen Öffnungszeiten im Foyer des Rathauses besichtigt werden, so die Stadt.

Neben einem Kurzüberblick über die Geschehnisse im Saarland informiert die Ausstellung außerdem detailliert über Angriffe und Verwüstungen in den verschiedenen Ortschaften.

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