Gedenken an Reichspogromnacht: Führung durch Homburg fällt aus

Kurzfristige Absage : Kein Gedenken in Homburg am 9. November

Jetzt wurde auch die geplante Führung abgesagt. Erinnerungs-Veranstaltung an Reichspogromnacht am 12. November.

Eigentlich sollte es am Samstag, 9. November, dem Tag, an dem des Grauens der Reichspogromnacht gedacht wird, eine Führung durch das jüdische Homburg geben. Doch die hat die Stadt nun kurzfristig am Freitag und auch ohne Angabe von Gründen abgesagt. Einer derjenigen, der hier eine Gruppe durch Homburg führen wollte, stehe nicht zur Verfügung, hieß es von der Pressestelle auf Nachfrage.

Es war der 9. November 1938, als es in ganz Deutschland und auch in Homburg massive Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung gab. In Homburg wurde zum Beispiel die Synagoge damals verwüstet, ein Geschäftshaus und auch Wohnungen jüdischer Bürger wurden zerstört. Die Juden wurden gedemütigt, beschimpft und verschleppt, sie flehten um Erbarmen – und erlebten das Grauen. Und auch für Homburg sind Geschichten dokumentiert wie diese: Eine Frau steht weinend am Fenster ihres Hauses. Sie hält ihre zwei Monate alte Tochter auf dem Arm, sieht, wie das Textilgeschäft ihres Mannes verwüstet wird und fleht: „Habt Erbarmen mit meinen Kindern.“ Ihr Mann Karl Salmon wird verhaftet und nach Dachau gebracht.

Damit dies nie wieder passiert und um an das Schicksal dieser Menschen zu erinnern, wird jedes Jahr dem gedacht, was damals geschah. Diesmal wurde das  Gedenken verschoben, auf Dienstag, 12. November. Am 9. November wird durch die Absage der Führung in Homburg offiziell dazu überhaupt nichts passieren. Aber: Es wird bekanntlich das Bockbierfest gefeiert.

Am Dienstag sind es dann vor allem Schülerinnen und Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums sowie die ehemalige Konfirmandengruppe der evangelischen Kirchengemeinde Bruchhof-Sanddorf, die sich einbringen. Ausgerichtet wird diese Veranstaltung zur Erinnerung an die Reichspogromnacht  gemeinsam von den christlichen Kirchen und dem Kinder- und Jugendbüro der Stadt Homburg. Sprechen wird auch Jörn Didas, Geschäftsführer des Adolf-Bender-Zentrums, zum Thema „Geschehnisse in der Reichspogromnacht im Saarland“. Sie beginnt um 16 Uhr in der protestantischen Stadtkirche.

Zuvor um 15.30 Uhr wird das Mahnmal gegen das Vergessen eingeweiht. Es steht am Homburger Marktplatz, genauer an der Ecke Klosterstraße/Saarbrücker Straße, gegenüber dem alten Storchen, nahe der ehemaligen Synagoge.

 Es soll laut Stadt ein bleibendes, sichtbares Zeichen der Erinnerung für die durch das nationalsozialistische Terrorregime ermordeten Homburger Bürgerinnen und Bürger sein. Die Bevölkerung ist zur Einweihung eingeladen. Es ist vor allem Izhak Hirsch zu verdanken, dass es überhaupt aufgestellt wurde. Vor Jahren schon setzte dieser sich dafür ein, dass an die von den Nazis ermordeten jüdischen Homburger erinnert wird, auch an seine Großeltern Mathilde und August Hirsch. Es war ein steiniger und langer Weg mit Hindernissen, Izhak Hirsch wurde immer wieder vertröstet, blieb aber hartnäckig. Er wird am Dienstag bei der Einweihung dabei sein.

Wer wissen möchte, was in der Reichspogromnacht passierte, kann sich, da es die Führung am Samstag nicht geben wird, bis 22. November die vom Adolf-Bender-Zentrum konzipierte Ausstellung „Reichspogromnacht – Was geschah am 9.11.1938 im Saarland“ im Foyer des Rathauses am Forum anschauen. Allerdings nicht am 9. November, denn samstags ist das Gebäude geschlossen.

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