Gedenken an die Schreckensnacht

Homburg · Mit einer Gedenkfeier und einem Schweigemarsch setzt Homburg ein Zeichen gegen das Vergessen der schlimmen Geschehnisse der Reichspogromnacht. Damals wurden in ganz Nazi-Deutschland Juden drangsaliert und verschleppt, ihre Synagogen geschändet, ihre Geschäfte und Wohnungen verwüstet – auch in Homburg. Diesmal spricht bei der Veranstaltung Erika Rosenberg, eine enge Vertraute der Witwe von Oskar Schindler.

 Auf Einladung der AG Geschichte eröffnete Erika Rosenberg (Bildmitte) im November 2012 eine Ausstellung über Oskar und Emilie Schindler im Saarpfalz-Gymnasium. Heute wird sie auf einer Gedenkfeier in Homburg sprechen. Foto: Eberhard Jung/Saarpfalz-Gymnasium

Auf Einladung der AG Geschichte eröffnete Erika Rosenberg (Bildmitte) im November 2012 eine Ausstellung über Oskar und Emilie Schindler im Saarpfalz-Gymnasium. Heute wird sie auf einer Gedenkfeier in Homburg sprechen. Foto: Eberhard Jung/Saarpfalz-Gymnasium

Foto: Eberhard Jung/Saarpfalz-Gymnasium

Das Grauen der Reichpogromnacht liegt mittlerweile mehr als 70 Jahre zurück. Dennoch beschäftigen sich auch Jugendliche immer noch mit den entsetzlichen Geschehnissen der Schreckensnacht, in der in ganz Nazi-Deutschland Juden gedemütigt, beschimpft und verschleppt, ihre Geschäfte und Wohnungen verwüstet wurden, in der Synagogen brannten. Auch in Homburg flehten Menschen um Erbarmen - und erlebten das Grauen. Um das nie zu vergessen, wird jedes Jahr daran erinnert - und dies indem junge Menschen eine große Rolle spielen. Die Jugendorientierte Stadt, kurz Josh, lade alle Homburger Schulen dazu ein, sich an einer Veranstaltung zu beteiligen, erläutert Jugendpflegerin Sandra Schatzmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Gedenken habe mittlerweile in Homburg Tradition, fügt sie hinzu. Und auch diesmal haben sich wieder Schülerinnen und Schüler gefunden, die sich dem Erinnern stellen - die bei der Gedenkfeier in der Stadtkirche und dem Schweigemarsch zur ehemaligen Synagoge mitwirken. Junge Menschen aus dem Saarpfalz-Gymnasium und die Konfirmanden aus Bruchhof-Sanddorf werden dabei sein. Es sollen Gedichte vorgetragen, aber auch jüdische Schicksale erzählt werden. Zudem soll der Bogen gespannt werden zu den aktuellen Flüchtlingswellen , kündigen die Schüler an.

Gerade in dem Projekt Partnerschaft für Demokratie erlebe sie, dass viele sich mit Themen wie Fremdenfeindlichkeit und Heimatlosigkeit beschäftigten, sagt Sandra Schatzmann. Das sei angesichts der Flüchtlinge natürlich sehr gegenwärtig. Deswegen versuche man, bei der Gedenkveranstaltung immer auch auf heutige Entwicklungen einzugehen. Der Grundtenor, der hinter all dem dem Geschehenen zu finden sei, sei eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Diese sei in den Jahren 1933 bis 1945 extrem schlimm ausgeprägt gewesen. Heute handele es sich um andere Gruppen, denen manche feindlich gesinnt seien. Es gehe darum, grundlegend davor zu warnen, Menschen gegenüber feindliche Gedanken zu haben, formuliert Schatzmann. Ein weiterer Anspruch der Veranstaltung sei es zu zeigen, dass "Homburg da kein weißer Fleck war", so Schatzmann weiter. Deswegen werde morgen, am Dienstag, 10. November, auch eine Stadtführung zum Thema angeboten.

Um die 200 Leute seien in den vergangenen Jahren jeweils zu der Gedenkveranstaltung gekommen, sehr altersgemischt, betont Schatzmann. Und immer beteiligten sich auch Schüler .

Zeitzeugen sind ein Weg, Abstraktes greifbarer zu machen. Allerdings seien diese immer schwieriger zu finden. Es gehe aber bei solchem Erinnern auch darum, einen anderen Raum als die Schule dafür anzubieten, betont sie. Diesmal kommt als Hauptrednerin Professor Erika Rosenberg aus Buenos Aires. Auch ihre Eltern flohen vor dem NS-Regime. Erika Rosenberg war zudem eine enge Vertraute der Frau von Oskar Schindler , sei die "Biografin" der Familie Schindler, die in der NS-Zeit viele Juden vor dem Tod rettete. Es sei der Wunsch von Schulen gewesen, dass Erika Rosenberg noch einmal nach Homburg komme. Ihr Besuch solle in einem entsprechenden Rahmen passieren. Daher gebe es am Dienstag eigens für Schulen einen Vortrag mit Erika Rosenberg. Einige Schüler haben im Vorfeld ein Interview mit ihr geführt. > Siehe auch

 Ein Schweigemarsch führt heute zur ehemaligen Synagoge in Homburg. Foto: Thorsten Wolf

Ein Schweigemarsch führt heute zur ehemaligen Synagoge in Homburg. Foto: Thorsten Wolf

Foto: Thorsten Wolf

Zum Thema:

HintergrundDer Opfer der Reichpogromnacht am 9. November 1938 wird heute und morgen in Homburg gedacht. Die Jugendorientierte Stadt Homburg (Josh) lädt mit den christlichen Kirchen heute um 16 Uhr in die evangelische Stadtkirche zur Gedenkfeier ein. An diese schließt sich ein Schweigemarsch zur ehemaligen Synagoge an. Als Hauptrednerin spricht Professor Erika Rosenberg. Sie hat als Vertraute von Oskar Schindlers Witwe Emilie mehrere Bücher über die beiden geschrieben. Die Gedenkveranstaltung wird musikalisch von der Gruppe Atemwind begleitet. Weitere Beiträge werden von jungen Menschen vom Saarpfalz-Gymnasium und der protestantischen Kirchengemeinde Bruchhof-Sanddorf eingebracht. Homburger Schulen können am Dienstag, 10. November, ab 11.30 Uhr im Saalbau einen Zeitzeugenvortrag von Rosenberg besuchen. Ebenfalls am Dienstag findet eine Führung mit Hans-Joseph Britz vom Stadtarchiv durch das "jüdische Homburg " statt. Treffpunkt: 15 Uhr auf dem Marktplatz. red

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort