Patienten: Gasthörer sind auf dem Campus

Patienten : Gasthörer sind auf dem Campus

Seit etwa vier Wochen haben neben den Studenten auch wieder Gasthörer Platz im Hörsaal genommen. Auch die medizinische Fakultät in Homburg macht es älteren Menschen möglich, medizinische Fachvorlesungen zu besuchen.

Wer in der Nähe eines Universitätsklinikums wohnt, hat viele Vorteile. Nicht nur, dass man schnell versorgt wird, sondern es gibt auch viele kostenlose Informationsveranstaltungen, zum Beispiel, wie man seinen Kinderwunsch erfüllt, wie man ohne Brille sehen oder was man gegen Asthma  tun kann. Doch es gibt auch noch eine weitere Möglichkeit, sein Interesse an der Medizin auszuleben. Man kann sich in den Hörsaal setzen. Das Gasthörerstudium bietet wissenschaftlich Interessierten die Möglichkeit, sich aus den vielen für Gasthörer geöffneten Lehrveranstaltungen nach persönlichen Interessen ein Programm zusammenzustellen. Welche Veranstaltungen für Gasthörer zugänglich sind, kann man dem Studienführer Weiterbildung entnehmen.

Nun ist es naturgemäß so, dass der Schwerpunkt des Interesses der Gasthörer auf den geisteswissenschaftlichen Fächern liegt, zum Beispiel Literatur, Philosophie oder Kunstgeschichte. Es kommt aber  vor, dass sich auch die Medizinische Fakultät eines Zulaufs von Gasthörern erfreut, obwohl hier schon einiges an Vorwissen vorhanden sein muss, um von den Veranstaltungen wirklich zu profitieren.

In diesem Winterhalbjahr werden wieder die Bereiche Theoretische Medizin und Biowissenschaften sowie die Klinische Medizin angeboten. Die Themen reichen von Biologie für Mediziner über Infektiologie und Immunologie bis zur HNO-Hauptvorlesung bei Professor Bernhard Schick. Auch grundlegende Themen der Kinderheilkunde sind jedes Semester im Gasthörerplan enthalten. Und wer schon immer wissen wollte, wie psychosomatische Medizin und Psychotherapie ausgeführt werden, kann dies ebenfalls auf dem Campus des Homburger Uniklinikums erfahren, bei Professor Matthias Riemenschneider.

Es handelt sich hierbei um wissenschaftliche Veranstaltungen, die in erster Linie für Studenten konzipiert sind, also keine allgemein verständlichen „Volkshochschul-Kurse“. Wer einen Besuch der medizinischen Gasthörer-Veranstaltungen plant, sollte dies berücksichtigen. Und wenn die Veranstaltungsräume aus allen Nähten platzen sollten, haben natürlich die „echten“ Studenten Vortritt.

Denn gerade beim Medizin-Studium, das mit maximal 340 zugelassenen Erstsemestern jedes Jahr in Homburg an der Kapazitätsgrenze kratzt, sind die Plätze hart umkämpft, also auch die Sitzplätze. Bei der Aufnahme von Gasthörern handelt es sich um ein Entgegenkommen der Professoren, die vom Gasthörerverein zuvor um Erlaubnis gefragt worden sind. In der Regel sei dies aber kein Problem, betonte der Ärztlich Direktor, Professor Bernhard Schick, der in diesem Semester selbst Gasthörer in seine HNO-Hauptvorlesung eingeladen hat. Gasthörer seien in Homburg herzlich willkommen: „Es freut uns, wenn ältere Zuhörer zu uns kommen.“

Bei Professor Johannes Jäger, der seine Vorlesungen über Allgemeinmedizin im großen Anatomie-Hörsaal hält, dürfte es wegen der vielen Plätze kaum zu Raumnot kommen.  Die Veranstaltungen an der medizinischen Fakultät wechseln sich ab, Klassiker sind Kinderheilkunde und Allgemeinmedizin, aber es waren  auch schon Strahlentherapie oder Unfallchirurgie dabei. Wer übrigens den international bekannten Krebsforscher Professor Michael Pfreundschuh hören möchte, kann dies in diesem Wintersemester tun, sein allgemein gehaltenes  Vorlesungs-Thema lautet: „Pathophysiologie und Klinik der Inneren Medizin.“

Wer spezielle Informationen haben möchte, sollte sich allerdings eher für die in regelmäßigen Abständen stattfindenden Arzt-Patienten-Tage vormerken lassen. Oder  auf die Lange Nacht der Wissenschaft zurückgreifen, die jeden Sommer stattfindet.

Bei den Gasthörern hingegen zählt nicht nur die Information, sondern die akademische Atmosphäre einer Universität. Kein Wunder, dass am Uniklinikum in Homburg einige Gasthörer Ärzte im Ruhestand sind, die sich im Alter gerne an ihre Studienzeit erinnern. Wenn vor Weihnachten von Dekan Professor Michael Menger wieder die frisch gebackenen Doktoren geehrt werden, werden immer auch  Gäste eingeladen, die vor 50 Jahren in Homburg promoviert wurden. Die meisten von ihnen geben zu, dass sie gerne „mal wieder Uni-Luft geatmet“ haben.

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