Gut Königsbruch : Durch Handschriften die Geschichte verstehen

Im Gut Köngisbruch wurde die regionale Schrift- und Schreibkultur des 18. Jahrhunderts einem interessierten Publikum präsentiert.

Über alte Handschriften und ihre große Bedeutung im 18.­Jahrhundert wurden am Sonntagnachmittag gut 20 kulturgeschichtlich Interessierte umfassend informiert. Sie nahmen nämlich teil an der Veranstaltung „Fürstenglanz und Tintenklecks – Regionale Schrift- und Schreibkultur des 18. Jahrhunderts“, die von der Katholischen Erwachsenenbildung in Kooperation mit Katharina Pieper (Stiftung Schriftkultur), Kunst- und Antiquitäten Gerd Steuer (Homburg) sowie dem Projekt Barockstraße Saarpfalz durchgeführt wurde.

Zunächst gingen die Unentwegten gemeinsam mit Historiker Klaus Friedrich bei Wind und Wetter auf das Areal des Waldparks Schloss Karlsberg. Wo einst die Schreibstuben standen oder die Rechnungen geschrieben wurden, all das erklärte Friedrich den Teilnehmern. Anschließend kehrte die Gruppe im Gut Königsbruch ein. Der Gebäudekomplex ist in den vergangenen Jahren aufwendig renoviert worden und erstrahlt jetzt in voller Schönheit. In einem Seitenbau, einst Heuboden und Rübenkeller, hat Katharina Pieper ihr Zentrum für Schriftkultur eingerichtet.

Die Kalligrafin stellte zunächst ihre Räume vor – die umfangreiche Bibliothek zum Thema Kalligrafie, die noch ihr 2015 verstorbener Partner Jean Larcher aufgebaut hatte, das Museum für Kalligrafie und Handschrift und ihre Galerie. Außerdem gab sie einen kurzen Abriss der Geschichte von Schrift, Druck, Papier und Schreibfedern. Auch erzählte Katharina Pieper die Geschichte des Guts Königsbruch. Dieses war von Christian IV., Herzog von Pfalz-Zweibrücken, im Jahr 1766 erbaut worden. Später schenkte es Christians Nachfolger Karl II. August seiner Frau Maria Amalie.

Die adligen Besitzer aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert waren dann der Anknüpfungspunkt zum Vortrag von Gerd Steuer. Der Homburger Antiquitätenhändler und Sammler hatte nämlich einige Schriftstücke von damals in Vitrinen ausgelegt, die von den Teilnehmern bestaunt werden konnten. Zwei Briefe Christians IV. waren darunter, einer von 1741, da war der Herzog 19 Jahre alt, und einer von 1775, kurz vor dessen Tod. Wahrscheinlich sei Christian an einer Quecksilbervergiftung gestorben, meinte Steuer. Darauf ließe auch die Unterschrift unter dem späteren Brief schließen: „Die Schrift drückt ja zum Teil auch den Gemüts- und Krankheitszustand eines Menschen aus.“ Steuer hatte auch einen Brief von Maria Amalie dabei, original auf dem Schloss Karlsberg und auf Französisch geschrieben.

Ein Lieblingsstück aus Steuers Sammlung ist ein handschriftliches Kochbuch aus unserer Region von 1769 mit 137 ausführlichen Rezepten. Dieses hatte der Sammler einst in dreijähriger Arbeit neu herausgebracht. Weingebäck aus eben jenem Kochbuch und Kaffee gab es zum Schluss des spannenden Nachmittags, der zum einen einige geschichtliche Zusammenhänge klarer machte und zum anderen verdeutlichte, wie wichtig Handschriften zum Verständnis unserer Geschichte sind. „Wir wüssten heute sonst von nichts“, meinte Klaus Friedrich dazu.

Das Museum für Kalligrafie und Handschrift im Gut Königsbruch hat im Moment noch Winterpause. Ab März öffnet es wieder jeden Sonntag von 15 bis 18 Uhr. Weitere Informationen zur Stiftung Schriftkultur gibt es unter www.schriftkultur.eu.

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