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Wegen Bauvorhaben am Warburgring
Großeinsatz für die Waldameise

 Ameisen-Hegerin Sandra Kraus schaut genau hin, als Cornel Wilde mit seinem Spezialbagger auf dem Brachland am Homburger Warburgring eines der beiden Ameisennester komplett aus dem Boden hebt.
Ameisen-Hegerin Sandra Kraus schaut genau hin, als Cornel Wilde mit seinem Spezialbagger auf dem Brachland am Homburger Warburgring eines der beiden Ameisennester komplett aus dem Boden hebt. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Mit einem Spezialfahrzeug und unter den wachsamen Augen der Expertin sind auf dem Brachland am Warburgring geschützte Ameisen umgesiedelt worden. Kosten wird das die Woge, die hier bauen möchte, geschätzte 8000 Euro. Von Thorsten Wolf

Quasi Zentimeter für Zentimeter drückt Cornel Wilde die fünf großen Schaufeln seines „Großbaumverpflanzers“ in die Erde und rund um einen Baumstumpf mit wuchtigem Wurzelwerk. Normaler­weise verpflanzt der Spezialist aus Gerlingen bei Stuttgart auf diesem Weg ausgewachsene Bäume. An diesem Mittwochmorgen geht es für ihn aber darum, ein Ameisenvolk samt seiner beiden Nester umzusiedeln. Der Schauplatz des Ganzen: das Brachland am Homburger Warburgring, auf dem die Wohnungsgesellschaft Saar (Woge Saar) ein großes Wohnprojekt plant.


Von Bürgern war die Woge darauf hingewiesen worden, dass genau dort, in zwei getrennten Nestern, ein Volk der Roten Waldameise sein Zuhause hat. Diese Art unterliegt dem Artenschutz. Und so kommt es am Mittwochmorgen zum Einsatz von Cornel Wilde und seinem Spezialfahrzeug. Komplett werden die beiden Ameisenbauten aus Baum- und Wurzelwerk aus dem Boden gehoben und an ihr neues Zuhause am alten Hubschrauberlandeplatz am Uniklinikum gebracht.

Überwacht wird das Ganze von Sandra Kraus, die als amtlich zugelassene Ameisenhegerin die artgerechte Umsiedlung des Ameisenvolkes überwacht. Im Gespräch mit unserer Zeitung verdeutlicht Kraus, was hinter einer solchen Umsiedlung steckt und was die Situation in Homburg so außergewöhnlich macht. „Grundsätzlich sind Ameisen unter den Insekten etwas Besonderes. Ein Ameisen-Königin kann bis zu 20 Jahre alt werden, eine einfach Arbeiterin bis zu fünf Jahre.“ Zum Vergleich: Die Königin eines Bienenvolkes schafft vier bis fünf Jahre, eine Arbeitsbiene zwischen 50 und 60 Tagen, wenn sie im Sommer schlüpft, und drei bis neun Monaten, wenn sie im Winter schlüpft.



Die Rote Waldameise im Speziellen, wie Kraus erklärt, sei ein so genannten „monogynes“ Volk, sprich: Es hat nur eine brutfähige Königin. „Solche Völker sind immer schwer umzusiedeln. Denn wenn man diese Königin nicht findet und mitumsiedelt, dann würde das Volk aussterben. Denn nur die Königin legt Eier.“

Im Fall des Volkes auf dem Gelände am Warburgring geht Sandra Kraus davon aus, dass eben diese Königin im „Sommerquartier“, dem besagten, massiven Baumstumpf, lebt. Den verfrachtet Cornel Wilde als zweites hoch hinauf auf an den alten Hubschrauberlandeplatz – wie schon zuvor das „Winterquartier“.

Beide Ameisen-Nester, untergebracht in Wurzelstöcken, sind ein paar Meter voneinander entfernt, vor einigen Wochen machte sich wohl ein Großteil des Volkes auf einer so genannte Ameisen-Straße auf, der Jahreszeit entsprechend zwischen ihren beiden Siedlungsplätzen umzuziehen. Nun am Mittwoch dann der viel, viel größere Umzug, von Menschenhand geplant und durchgeführt. Dass an diesem Tag mit so großem technischen Aufwand dieser Umzug bewerkstelligt werden musste, das sei eine echte Ausnahme, so Kraus. Der Grund dafür sei eben, dass sich beiden Nester in Wurzelstöcken befänden, „die Tiere kann ich nicht einfach ausgraben. Die Ameisen wohnen im Holz. Deswegen geht ohne diesen Spezialbagger hier nichts.“ So ziehen die beiden Nester komplett um an den neuen Standort.

Zuvor hat Kraus schon Tausende von Ameisen eingesammelt, am Mittwochmorgen hütet sie einen großen Bottich mit den eingesammelten Tieren mit wachsamen Augen. Organisiert ist Sandra Kraus ehrenamtlich als Ameisen-Hegerin im Landesverband Saar der Deutschen Ameisenwarte. Und in dieser Funktion ist sie erfahren im Umsiedeln von Völkern, wenn diese aus unterschiedlichen Gründen weichen müssen.

In Cornel Wilde und seinem Spezialfahrzeug hat sie im besonderen Fall am Warburgring genau den richtigen Partner. Dieser Einsatz, so der Spezialist für Baumverpflanzungen, sei allerdings eher einfach, „normalerweise haben wir ja noch den Baum, der beim Transport weit über den Kran hinausragt. Hier jetzt ist es wesentlich einfacher zu fahren.“

Aufkommen für die Umsiedlung muss die Woge Saar als Eigentümerin des Geländes, geschätzt 8000 Euro kostet die Umsiedlung des Ameisenvolkes.