Fremdkörper vor der Linse

Homburg/Zweibrücken. Die Fotofreunde Homburg-Zweibrücken wählten für den Wettbewerb dieses Quartals nicht wie üblich ein eigenes Thema, sondern schlossen sich dem Deutscher Verband für Fotografie (DVF) mit dessen Thema an. Dieses lautet "Fremdkörper" - ein weit gefasster Begriff, der dennoch viel Raum für Fehldeutungen lässt

Homburg/Zweibrücken. Die Fotofreunde Homburg-Zweibrücken wählten für den Wettbewerb dieses Quartals nicht wie üblich ein eigenes Thema, sondern schlossen sich dem Deutscher Verband für Fotografie (DVF) mit dessen Thema an. Dieses lautet "Fremdkörper" - ein weit gefasster Begriff, der dennoch viel Raum für Fehldeutungen lässt.Auf den ersten Blick erscheint die Sache ziemlich klar: Gemeint ist etwas wie das Haar in der Suppe oder die Fliege, die verzweifelt auf dem Bier rudert. Wie sich aber beim Arbeiten an der Vorgabe sehr schnell herausstellt, kann man mit vielem danebenliegen, wenn man aus dem Bereich des Biederen hinaus will. Man merkt, dass das Thema seine Tücken hat, spätestens dann, wenn verlässliche Freunde eine originelle Bildidee als verfehlt werten, heißt es in einer Pressemitteilung der Fotofreunde.

Es reicht zum Beispiel nicht, einfach nur Gegensätzliches darzustellen. Der Fremdkörper muss in einem klar umgrenzten Umfeld eindeutig als unzugehörig, und zwar möglichst im Sinne von störend empfunden werden. Wie kommt man da an Ideen heran, wenn man nicht den Zufall abwarten will, der einem ein Motiv beschert? Diese zeitaufwendige Methode der abgewarteten Gelegenheiten für ein Bild der Extraklasse führt vielleicht bei einem Fotofreund zum Erfolg, der ständig mit schussbereiter Kamera unterwegs ist. Und da reicht es gewiss nicht, in den Garten zu gehen und die Katze vor der Gießkanne zu fotografieren.

Ein weniger großer Zeitaufwand wäre es, im Bereich seiner eigenen Hobbys oder Spezialgebiete zu bleiben. Da läuft man jedoch Gefahr, das anvisierte breite Publikum zu verfehlen. Für das Thema Fremdkörper angemessen und ökonomisch erscheint die Methode der Bildmontage.

Es gilt, den Fremdkörper in ein homogenes Umfeld einzufügen. Das würde bedeuten, zum Beispiel in eine Reihe von Kamerastativen einen roten Regenschirm oder einen Spazierstock hineinzumontieren. Oder eine Reihe von Lexikonbänden durch einen Laptop zu unterbrechen. Ja. Ein paar originelle Ideen sind schon vonnöten. Oder man kann sogar eine Ruhebank mit Hilfe der Bildbearbeitung auf einem normalen Hausdach platzieren. Natürlich kann man auch etwas völlig Fremdartiges allein ohne Umfeld ablichten. Dann gilt die Welt des Normalen insgesamt als Vergleichshintergrund. Warum nicht zwei verschiedene Apfelhälften mit einer Sicherheitsnadel verbinden? Die Idee dahinter wäre: Verbinden, auch das, was nicht unbedingt zusammengehört.

Wie zu erwarten, hatte der Abend der Jurierung enormen Unterhaltungswert. Es waren relativ ausgefallene Bilder, die schließlich prämiert wurden, heißt es in der Mitteilung weiter. Pflichtgemäß hatten auch Gestaltung und Technik einwandfrei zu sein. Es sollten natürlich in diesem Falle Bilder sein, die auf den Ebenen Landesauswahl, süddeutsche Auswahl und Bundesauswahl ihre Chancen haben könnten. Erfreulicherweise trugen diesmal zwei Frauen den Sieg davon. Ein Zeichen dafür, dass Fotografie nicht unbedingt eine Domäne der Männer bleiben muss.

Unter den elf beteiligten Autoren setzten sich Ursula Blügel mit gleich zwei Bildern sowie Anke Hartmann durch. Trotz ihres Doppelsieges sagte Ursula Blügel, sie müsse noch sehr viel lernen. Anke Hartmann, die nun schon zum zweiten Mal erfolgreich war, reagierte mit folgender Bemerkung: "Ich versuche immer wieder das Besondere im Detail zu finden, auch wenn ich es komponieren muss. Meine Ideen leben oft davon, dass ich zusammenfüge, was eigentlich gar nicht zusammengehört." Dann war das Thema Fremdkörper für sie ja wohl wie gemacht.

Es gewannen die Titel: "Wasserrad" (Ursula Blügel, Platz 1), "Doppelt hält besser" (Anke Hartmann, Platz 2) sowie "Wer fliegt mit?", ebenfalls Ursula Blügel, Platz 3. red