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Fotoausstellung "Visuelle Fundstücke" von Norbert Weber in Homburg

Fotograf Norbert Weber zeigt Werke im Saalbau : Bei ihm werden aus Hausfassaden Kunstwerke

Fotograf Norbert Weber zeigt ab Montag im Homburger Saalbau eine Werkschau mit Schwerpunkt auf Rastermotiven, bei denen er meist Gebäudefassaden fotografiert hat. Die Hintergründe seiner Arbeit und die Herangehensweise hat der ehemalige Neunkircher Lehrer bei einer Werkführung erläutert.

Ein Parkplatz in Waldmohr, die Homburger Post, das alte Stadtbad in Homburg oder ein Hochhaus in Düsseldorf – was als Bildmotiv im ersten Moment banal klingt, wird dann zu Kunst, wenn es Norbert Weber war, der auf den Auslöser gedrückt hat. Das wird jedem schnell klar, der sich die 22 Werke umfassende Bildschau „Visuelle Fundstücke“ des in Waldmohr lebenden Künstlers und ehemaligen Neunkircher Lehrers in der Galerie im Homburger Saalbau anschaut. Sie läuft vom Montag, 16. März, bis Sonntag, 12. April. Die Bilder sind bewusst nicht beschriftet, damit die Kunstwerke ihre Wirkung voll und ganz entfalten können und man nicht durch Lesen abgelenkt wird. Es sind großformatige Aufnahmen, also 1,20 bis 1,30 Meter, die in mehreren Phasen auf den Betrachter wirken: Aus der Ferne überwiegt zunächst die Faszination über die geometrischen Formen, die klare Struktur und Komposition der Motive, verbunden mit der Frage: Welcher Ausschnitt von was ist da genau zu sehen? Tritt man nahe heran, erkennt man zuvor verborgene Details, hier Gitter in den Fenstern, dort die Spiegelung eines Krans in der Glasfassade – und staunt, wie fotorealistisch und plastisch das alles wirkt. Teils so, als würde es aus dem Bild ragen.

Die Fotografien sind zwischen 2016 und 2020 bei Webers Ausflügen etwa in Waldmohr, Homburg, aber auch Berlin, München, Düsseldorf und Amsterdam entstanden und zeigen mehrheitlich Ausschnitte von Gebäudefassaden und Fensterfronten, aber auch Details am Boden nimmt Weber ins Visier. Vor allem Rasterstrukturen stehen im Fokus. Die fertigen Aufnahme bearbeitet er am Computer nach, lässt so Verschmutzungen oder Wasserschlieren verschwinden, hellt Flächen auf, lässt Linien an Kontur gewinnen. Alles mit dem Ziel, die Strukturen zu betonen, etwa aus Kontrasten hervorgehenden Farb-Form-Spannungen zu überhöhen und sich so von der bloßen Dokumentation der Motive zu lösen. Die Fotos sind nach der Aufbereitung über ein Gigabyte groß und werden schließlich von einem Fachmann auf Aluminium aufgezogen. Störendes wie Himmel, Straße oder Nachbarhäuser klammert Weber sorgfältig aus, weshalb der perfekte Standpunkt zum Fotografieren für ihn so wichtig ist. Der habe sich bei einem der Exponate in Frankfurt genau auf einem belegten Parkplatz befunden. Er habe so lange gewartet, bis der Fahrer zurückgekehrt und weggefahren sei, um in gewohnter Manier, 30 Sekunden Belichtungsdauer, vom drei Kilo schweren Stativ aus das Bild zu machen.

Ein besonders beeindruckendes Exponat zeigt die Fassade eines Hochhauses in Düsseldorf, in dem ein daneben stehender gewölbter Spiegel in mannigfaltiger Form verzerrt zu sehen ist. Ein anderes erinnert an Hieroglyphen und wird durch die Erklärung der Entstehung noch faszinierender: Dort sind die Klebespuren von Korkplatten zu sehen, die Weber zufällig an einem Gebäude an der Berliner Promenade in Saarbrücken ablichten konnte. Jede einzelne Klebespur lasse Rückschlüsse auf die Arbeit des jeweiligen Bauarbeiters zu, der sie angebracht habe. Manche seien feinsinnig mit wenig Kleber angebracht, andere mit einer Riesenmenge festgeklotzt. Besonders stolz ist Weber auf eine wie Aquarell-Malerei anmutende Fotografie des Theaters Théodore Gouvy in Freyming-Merlebach, mit der er 2019 einen Preis gewonnen hatte – unter 7000 Einsendungen.

Die Motive seiner aktuellen Schau findet er bei Gängen durch Städte oder die Natur. Er sei oft in deutschen Großstädten, aber auch in Frankreich oder Belgien unterwegs. Manchmal fielen ihm Motive spontan auf, schon einige Male sei er aber auch durch Berichte in der Saarbrücker Zeitung aufmerksam geworden und dann gezielt dort hingefahren. Ausgestellt hat Weber bereits in der Scharpf-Galerie in Ludwigshafen, im Museum Ludwig Saarlouis, in Waldmohr, Zweibrücken, Kusel oder Freisen, aber auch Budapest, Dijon, Douai, Esch-sur-Alzette oder Arlon. An Ausstellungsmaterial mangelt es nicht: In Bexbach hat er 60 Quadratmeter Lagerfläche.

„Metrische Linien“, „simultane Bildpläne“ oder „Abstandskontraste“ kommen ihm schnell über die Lippen, wenn man ihn danach fragt, wie er das Besondere zum Fotografieren findet. Weber, der bis 2003 Chemie, Biologie und Sport am Neunkircher Gymnasium am Steinwald unterrichtete und eine Foto-AG leitete, beherrsche das „reine Sehen“. Er erkenne mit geschultem Auge Strukturen in täglichen Dingen, vor allem Architektur, die anderen verborgen bliebe. Finde er dort den richtigen Bildausschnitt, führe das im Kunstwerk zu einer eigenen Bildwirklichkeit. „Ich muss, was ich sehe, in Reinkultur bringen“, sagt Weber.

Was nach Hieroglyphen aussieht, sind die Klebereste von Korkplatten an einer Hausfassade. Foto: Eric Kolling
Mit dieser Fotografie des Theaters Théodore Gouvy in Merlebach hat Norbert Weber sogar einen Preis gewonnen. Foto: Eric Kolling
Auch die Homburger Post hat Norbert Weber in besonders kunstvoller Form abgelichtet. Foto: Eric Kolling
Feinschliff bei der Ausstellung: An dieser Aufnahme, entstanden an einem Parkplatz beim Freibad Waldmohr, gilt es, die Aufhängung zu richten. Foto: Eric Kolling

Françoise J. Mathis-Sandmaier, die Kuratorin der Homburger Ausstellung, die aus 26 Arbeiten jene 22 ausgewählt und in eine harmonische wie spannende Reihe gebracht hat, verwendet bei der Führung Begriffe wie „beseelt“, „hintergründig“, „still“ und „ruhig“, um das Wirken von Webers Fotografien zu charakterisieren. Die Werke laden zum Nachdenken ein, werfen Fragen auf. In der Ankündigung zur Ausstellung fasst sie es treffend so zusammen: „In Webers Bildern kommt die Schönheit von Struktur und Architektur spektakulär still in Erscheinung. Mit den Mitteln der Fotografie komponiert Weber berückend suggestive Stillleben. Als ästhetische Artefakte entwickeln die isolierten Motive so ein erstaunliches, bisweilen atemberaubendes Eigenleben.“