HNO-Klinik : Zwei Fotografen, zwei Sichtweisen

Thomas Schermann und Hans-Jürgen Leyes stellen bis Ende Juni in der HNO-Klinik in Homburg aus

Thomas Schermann und Hans-Jürgen Leyes waren Arbeitskollegen bei Schaeffler in Homburg. Das verbindet die beiden, die jetzt eine gemeinsame Ausstellung im Atrium der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Uniklinikums in Homburg eröffneten. Beide sind leidenschaftliche Fotografen und beide fotografieren gerne Ausschnitte der Natur. Dann hören die Gemeinsamkeiten aber auf: Während Schermann ganz konkrete Tierfotografie betreibt, liebt es Leyes, interessante Strukturen abzulichten, die auf den ersten Blick wie abstrakte Gemälde wirken.

Oftmals sieht Leyes Gesichter in dem, was die Natur anbietet – etwa bei einem aus nächster Nähe fotografierten Tannenzapfen, dessen Schuppen wie Reihen menschlicher Profile aussehen. „Zuschauer“ hat er dieses Bild genannt, das zu jenen gehört, deren Ursprung leicht zu erraten ist. Oftmals ist es aber nicht möglich zu erkennen, was genau Leyes fotografiert hat. Zu Eis gefrorenes Spritzwasser, Rostblüten an einer Metallwand, Flechten auf einem Grabstein – all das lichtet er ab, ohne dass der Betrachter mehr als die interessanten Strukturen und Farben wahrnimmt. Eine Nachbearbeitung am Computer erlaubt sich der 61-Jährige nicht, „nur, was die Kamera hergibt“, erzählt er. So fotografiert er schon mal mit ganz „falsch“ eingestelltem Weißabgleich oder übergroßer Sättigung, um Verfremdungseffekte zu erzielen. Auch wenn der Fotograf, der in Beeden wohnt, gerne in die Natur rausgeht, dürfen es manchmal ganz profane Gegenstände menschlichen Ursprung sein, die er fotografiert. „Das war eine Folie, die aus einem Berg von Mutterboden herausgeguckt hat. Darin habe ich gleich ein Geistergesicht gesehen“, sagt er zu einem der selbst ausgedruckten Bilder.

Bei Schermanns Fotografien hingegen ist jedem sofort klar, was darauf zu sehen ist: Er porträtiert Tiere. Das habe mit den eigenen Hunden angefangen, erzählt der Mann aus dem pfälzischen Martinshöhe, und habe sich dann unter Bekannten und Verwandten herumgesprochen. Die wollten dann auch gern ein schönes Foto ihres vierbeinigen Lieblings haben. Schermann geht aber auch nach draußen, etwa in Zoos oder Tierparks und findet dort seine Motive. Eines seiner schönsten Bilder zeigt eine Schwebfliege, dieses wespenähnliche Insekt, inmitten einer gelben Tulpenblüte. „Da hatte ich zufälligerweise ein Makro-Objektiv auf der Kamera“, beschreibt er sein Foto-Glück. Das Faszinierende an Tierfotografie sei, dass man einem Tier nie sagen könne: Schau so, setz dich da hin, man brauche einfach eine gewisse Geduld.

„Das ist eine Herausforderung, die ich immer wieder gerne annehme“, meint er. Besonders Katzen seien eben sehr unberechenbar und von daher schwer in der richtigen Pose zu erwischen. Bei Hunden ist das offenbar schon einfacher: Da gibt es in der Ausstellung etwa das mit „Traumtänzer“ titulierte Foto, das einen Hund auf zwei Beinen stehend zeigt. „Dem hat meine Tochter ein Leckerli hingehalten.“

Der Direktor der HNO-Klinik, Professor Bernhard Schick, dankte den beiden Fotokünstlern dafür, „dass Sie Ihre Art des Sehens mitgebracht haben“. Für ihn als Arzt sei es schön zu sehen, wie Menschen zur Ausstellung kämen und dabei ein Stück Abstand zu ihrer Krankheit gewännen. Die beiden Fotografen gäben den Menschen hier in der Klinik eine ganz große Freude, lobte Schick.

 Die Ausstellung der beiden Fotografen Hans-Jürgen Leyes und Thomas Schermann befindet sich im ersten Stock der HNO-Klinik (Gebäude 06). Sie läuft noch bis zum 22. Juni.