Flüchtlingszelt im Aufbau

Die Homburger Verwaltungsspitze gab Antworten auf drängende Fragen rund um die Situation von Asylbewerbern in der Stadt. Keine 1000 Flüchtlinge werden in der winterfesten Unterkunft auf dem alten Freibad-Gelände Platz finden, sondern maximal 220.

Im Hintergrund die im Bau befindliche Sammel-Unterkunft für Flüchtlinge , im Vordergrund Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind und die zuständige Beigeordnete Christine Becker: Bei einer Pressekonferenz auf dem Gelände des ehemaligen Freibades gab die Homburger Verwaltungsspitze gestern Antworten auf drängende Fragen rund um die Situation von Asylbewerbern in der Stadt. Gleich zu Beginn ordnete Schneidewind dabei das teils wilde Zahlenspiel der vergangenen Wochen und machte klar, dass nicht, wie ursprünglich seitens der Stadt mitgeteilt, bis zu 1000 Flüchtlinge in der winterfesten Unterkunft Platz finden werden, sondern maximal 220. Mehr sei auf Grund von Auflagen gar nicht möglich. Grundsätzlich solle das Zelt vornehmlich nur für erwachsene Flüchtlinge genutzt werden. "Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Stadtwerke in der Gasstraße wollen wir hingegen insbesondere Menschen unterbringen, die Kinder mit dabei haben." Diese Aussage traf Schneidewind aber unter Vorbehalt, "denn wir wissen nicht, was in einem halben Jahr los ist, das muss ich offen sagen. Und ich will mir dann nicht vorwerfen lassen, ich hätte heute dies oder das so gesagt. Deswegen: Nach gegenwärtigem Stand der Dinge und wenn alles so weiterläuft wie bisher prognostiziert, planen wir hier bei einer Höchstzahl von 220 nur Erwachsene unterzubringen."

In Absprache mit Kreis und Land sei es gelungen, eine Zuweisungspause im November nehmen zu können, "damit werden wir erst Ende November/Anfang Dezember dieses Hallenzelt belegen müssen". Dies sei gut, denn die Logistik für die Sammelunterkunft bedeute einen immensen Aufwand. "Und am Schluss gibt es einen ganz banalen Grund, warum wir vor Ende November nicht belegen können: Weil wir keine Betten haben, die Lieferfristen sind ausgesprochen lang."

Für entscheidend erachtete Schneidewind, die Flüchtlinge in der neuen Sammelunterkunft zu beschäftigen, "es ist ganz wichtig, dass die Flüchtlingen von Anfang an mit eingebunden sind, so beim Saubermachen des gesamten Geländes - damit die Menschen nicht den ganzen Tag unbeschäftigt sind. Denn das bringt Probleme mit sich, die wir nicht haben wollen."

Um gerade den Homburgern die neue Situation am alten Homburger Freibad zu vermitteln, wolle man kurz vor der ersten Belegung eine Bürgerversammlung durchführen. "Dann können sich Anwohner darüber informieren, wie das hier abläuft, wir wollen Ängste abfragen und darauf eingehen, damit wir das hier friedlich und vernünftig über die Bühne kriegen." Schneidewind gestand ein, dass die Lösung mit einem Hallenzelt auf dem Gelände des alten Freibades keine ideale sei. "Wir wären alle froh gewesen, wenn wir diese Entscheidung nicht hätten treffen müssen." Vielen in der Bürgerschaft sei aber nicht klar, wie groß der Druck innerhalb der Verwaltung schon gewesen sei. "Ich hoffe, dass wir alle Vorbereitungen so hinbekommen, dass wir ohne Zwischenfälle, weder innerhalb der Flüchtlinge noch von außen, die Situation gut über den Winter bringen." Einer Containerlösung erteilte Schneidewind mit Blick auf den noch größeren logistischen Aufwand eine Absage.

In Sachen "Akquise von privatem Wohnraum" konnte die zuständige Beigeordnete Christine Becker vermelden, dass aktuell nun auch zwei Wohnungen in Kirrberg für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt würden.

Zum Thema:

Auf einen BlickZur schnellen Koordination der Aufgaben und Arbeiten rund um die Aufnahme von Flüchtlingen (von ehrenamtlicher Arbeit bis hin zur Akquise von Wohnraum) und als Anlaufstelle für Bürgeranfragen will die Stadt ein eigenes Internetportal einrichten. Dieses soll schnellstmöglich, spätestens aber bis zum Ende des Jahres, online gehen. thw