Feine Häppchen aus großen Shows

Homburg. Man nehme ein bisschen "Miss Saigon", ein bisschen blumenlastigen Horror und so manchen andere Höhepunkt der Musicalszene und schon hat man alle Zutaten für einen "magischen" Abend

Homburg. Man nehme ein bisschen "Miss Saigon", ein bisschen blumenlastigen Horror und so manchen andere Höhepunkt der Musicalszene und schon hat man alle Zutaten für einen "magischen" Abend. "Musical Magics hautnah" entführte am vergangenen Samstagabend im Homburger Kulturzentrum Saalbau hunderte von Gästen im fast bis auf den letzten Platz ausverkauften großen Saal in die bunte, leidenschaftliche und abwechslungsreiche Welt des Gesangstheaters, ohne Playback, ohne Musik aus der Konserve, dafür mit Authentizität und Lebendigkeit (wir berichteten). Der Auftakt: Die Geschichte von Audrey, der Fleisch fressenden Pflanze Audrey II, Seymour und der Suche nach der großen Liebe im Musical "Der kleine Horrorladen". Einen Horror ganz anderer Art bot dann der Abstecher ins Vietnam des großen Krieges. "Miss Saigon" und ihre Suche nach dem Glück in Zeiten der Katastrophe ließ große Gefühle erahnen. Mit ihrem Parforce-Ritt durch die Welt der Musicals scheinen die Akteure von "Musical Magics" einen Nerv zu treffen, der schon seit einigen Jahren in Deutschland merklich schwingt. Übers Land verteilt locken an zahlreichen Orten aufwendige Musicalproduktionen die Gäste, brüllt der "König der Löwen", stolpert man über den "Schuh des Manitu", frohlockt man zum "Sister Act" oder gruselt sich vor dem "Tanz der Vampire". Rund um die zahlreichen Musicalproduktionen hat sich in den zurückliegenden Jahren eine ganze touristische Industrie gebildet, werden ganze Reisen mit dem Höhepunkt "Musicalbesuch" organisiert. Und so mancher plant seine Kurzurlaube nach den Spielstätten renommierter Aufführungen - warum nicht einen Hamburg-Trip mit einem Musicalbesuch kombinieren. Doch was tun, wenn einem so viel Reisefreude nicht liegt oder man nicht das Glück hat, in der Nähe einer großen Spielstätte zu wohnen? Dann gewinnen Ensembles wie "Musical Magics" an Bedeutung, haben sie sich doch zum Ziel gesetzt, das Beste aus den besten Musicals in mundgerechten Häppchen in nur einer Show zu zeigen - und das an Orten, denen die Nähe zu den großen Originalen fehlt. Und selbst für die, die sich die Vorbilder schon gegönnt haben, ist das "Best of" eine gelungene Gelegenheit, schon Gesehenes noch einmal zu erleben. Das Besondere an "Musical Magics": Die große Live-Band, die für den Sound sorgte. Playback-frei spielten und sangen sich Musiker und Darsteller durch den Abend. Nicht immer ganz sicher im Laustärkenabgleich zwischen Gesang und Musik sorgte die aufwendige Produktion so immerhin für echtes Livefeeling - auch wenn so manche Gesangspassage im kleineren Klanggewitter unterging und so ihre Wirkung nicht voll erreichte: Alles in allem ein gelungener Abend, für die einen als Schaufenster in die Welt der Musicals, für die anderen vielleicht der Impuls, sich dann doch mal eines der Originale anzuhören und anzuschauen.