Fashion-Outlet in Zweibrücken soll großflächig erweitert werden

Erweiterung geplant : Neuer Outlet-Ärger mit Zweibrücken droht

Das Fabrikverkaufszentrum will in ganz großem Stil ausbauen, obwohl es das 2004 ausgeschlossen hatte.

Seit 15 Jahren ist die Gerichtsschlacht rund um den Bau des Fabrikverkaufszentrums am Zweibrücker Flughafengelände zu Ende. Homburg, Neunkirchen, Pirmasens standen damals Zweibrücken und dem Center gegenüber. Jetzt könnten die Geschütze aufs Neue geladen werden. Grund dafür ist die Ankündigung des aktuellen Center-Betreibers Via Outlets, aufgrund „der zunehmenden Attraktivität und des wachsenden Erfolgs“ für 50 Millionen Euro die Verkaufsfläche in einem fünften Erweiterungsschritt von 21 000 auf 29 500 Quadratmeter aufstocken zu wollen. Das Fashion-Outlet, wie es aktuell heißt, soll dann nicht nur 350 Arbeitsplätze mehr bieten (bis zu 1600 insgesamt), sondern der ganzen Region nutzen, mehr Urlauber anziehen. Dies mit dann bis zu 159 statt derzeit 109 Shops. Und das, obwohl als Ergebnis besagter Gerichtsschlacht damals die jetzige Größe als Ausbauendstadium für alle Zeiten zementiert schien.

Rückblick: Nachdem 1996 die ersten Pläne zum Bau des damaligen „DOZ“ (Designer Outlet Zweibrücken) präsentiert worden waren, hatten ab 1998 die Nachbarstädte Homburg, Neunkirchen und Pirmasens gegen das DOZ vor dem Verwaltungs-, Oberverwaltungs- und Bundesverwaltungsgericht geklagt. Dennoch startete 1999 der Bau, am 8. März 2001 war die Eröffnung des damals ersten von vier geplanten Bauabschnitten. Das Bundesverwaltungsgericht widersprach der Baugenehmigung 2002. Ein Jahr später einigte man sich mit Homburg im Gegenzug zur Einstellung der Klagen darauf, die Verkaufsfläche des Gesamtbaus auf 21 000 Quadratmeter (anstatt damals geplanten 36 000) zu begrenzen. Das legte der Zweibrücker Stadtrat fest. Das Outlet verzichtete auch auf den Bau so genannter Interactive Stores, wo auf 10 000 Quadratmetern das Ausprobieren etwa von Sportgeräten im Mittelpunkt stehen sollte. Neunkirchen zog seine Klage im Juli 2004 zurück. Das Einkaufszentrum hatte sich gegenüber Neunkirchen verpflichtet, sich für mindestens fünf Jahre an den Bebauungsplan und den mit Zweibrücken geschlossenen städtebaulichen Vertrag zu halten. Sonst wäre eine sechsstellige Vertragsstrafe fällig geworden.

Nach dem Kompromiss mit Zweibrücken erklärte Homburgs damaliger Oberbürgermeister Joachim Rippel (CDU) in unserer Zeitung: „Mit dem Ratsbeschluss ist der Weg für einen Kompromiss geöffnet. Wir machen auf diesem Weg den ersten Schritt, der uns nicht leicht fällt. Wir verzichten auf die Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Koblenz. Das ist unser Zeichen, dass wir Vertrauen haben, dass die ausgehandelten Abmachungen, die eine Reihe von unserer Innenstadt schützenden Vereinbarungen und Vertragsänderungen enthalten, auch umgesetzt werden.“

Mit den jetzigen Plänen zur Erweiterung des Outlets ist man bei der Stadt Neunkirchen nicht glücklich. „Die Kreisstadt sieht die Vergrößerung wie auch die erweiterten Öffnungszeiten des Zweibrücken Fashion Outlet sehr kritisch. Vor allem im Hinblick auf neuere Entwicklungen im Einzelhandel und der Erkenntnis, dass die ‚grüne Wiese’ sowohl klima- wie auch innenstadtschädlich ist, wirkt dieses Projekt wie aus der Zeit gefallen“, teilt die Stadtpressestelle auf SZ-Anfrage mit. „Wir stehen im ständigen und intensiven Austausch mit anderen Städten und behalten uns selbstverständlich vor, eine Klage anzustrengen“, heißt es weiter.

 Homburgs jetziger Bürgermeister Michael Forster (CDU) sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Stadt über die Planungen informiert sei und sich für ein weiteres Vorgehen wappne. Er habe mittlerweile mit dem Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick (CDU) abgestimmt, dass man im Ernstfall mit allen möglichen Mitteln gegen diese Erweiterung vorgehen werde, um die Innenstädte zu schützen. Das werde er auch dem Stadtrat vorschlagen.

Forster ist nach unseren Informationen am 25. Oktober vom Zweibrücker Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) vertraulich und kurzfristig über die Pläne informiert worden – im Vorfeld einer Zeitungsveröffentlichung. Attraktive und lebendige Innenstädte hätten einen hohen Stellenwert für die Lebensqualität der Bevölkerung. Zudem spielten sie eine entscheidende Rolle für die Zukunftsfähigkeit und die Außenwirkung einer Kommune.

Im Gespräch mit der Homburger Gewerbevereinsvorsitzenden Annette Germann klingt indes Resignation durch: „Je näher ein Outlet an uns heranrückt oder je größer es ist, desto mehr Kunden wird es aus der Stadt rausziehen. Aber da werden wir als Gewerbeverein wohl nicht gefragt.“ An der Entscheidung, dass das Outlet sich vergrößert, könne man als Verein nichts machen, die Pläne schienen weit vorangeschritten. „Vielleicht kann die Stadt Homburg da was machen“, hofft sie. Beim Händlerstammtisch am 18. November wolle sie mit Bürgermeister Forster darüber reden. Allerdings betreffe das Outlet nicht den kompletten Kundenstamm der Homburger Einzelhändler. „Es bietet ja Restwaren vom Vorjahr an“, so Germann. Und dann sei ja der Online-Anbieter auch der größte Konkurrent für die stationären Händler. Es sei wichtig, sich hier mit Aktionen interessant zu machen. Auch hier Resignation: „Wir haben das mit dem verkaufsoffenen Feiertag [Mariä Himmelfahrt, 15. August] gemacht, und wurden gleich bekämpft.“ Denn obwohl die Rückmeldungen von Kunden positiv gewesen seien und man neue Käufer gewonnen habe, hatte das Land per Gesetzesänderung einer Neuauflage dieser Aktion einen Riegel vorgeschoben (wir berichteten).

Man dürfe, so Germann, nicht aus den Augen verlieren, dass der stationäre Handel interessant gestaltet werden, auf sich aufmerksam machen müsse. „Das ist das Wichtigste, was wir tun können. Der Einfluss auf äußere Entwicklungen ist sehr begrenzt.“

Um den Einzelhandel attraktiver zu machen, plant der Gewerbeverein gerade die Einführung einer Homburg-Card, erläutert Germann eine weitere Bemühung. Diese räumt bei Teilnehmern Rabatte ein, ermögliche freien Eintritt. Für die Einführung der Karte würden 50 Geschäfte benötigt. „Aktuell haben wir so um die 40“, sagt Germann und hofft auf einen Beginn „spätestens Anfang nächsten Jahres“.

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