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Esra Limbacher gewinnt für die SPD im Wahlkreis Homburg 299 gegen Markus Uhl

Klare Entscheidung im Wahlkreis 299 Homburg : Limbacher mit klarem Ergebnis gegen Uhl nach Berlin

Die Schlacht ist geschlagen: Nach 15 Jahren hat die SPD den Wahlkreis 299 wieder gewinnen können. Esra Limbacher lag überraschend deutlich vor seinem CDU-Kontrahenten Markus Uhl. So lief der Wahlabend im Homburger Wahlkreis ab.

Alle hatten mit langem Zittern gerechnet, am Ende war doch alles schneller klar als erwartet. Um kurz vor 20 Uhr gratulierte Markus Uhl (CDU) seinem Kontrahenten Esra Limbacher von der SPD zum Sieg. Da waren zwar noch nicht alle Stimmen ausgezählt, doch der Abstand deutlich – so wie eigentlich von Anfang an, als sich ein Vorsprung von gut sechs Prozent herauskristallisierte. Dieser wurde immer größer. Am Ende lag Limbacher (36,59 Prozent) im Wahlkreis 299 mit gut zehn Prozent vor Uhl (26,13 Prozent). An dritter Stelle kam Christian Wirth (AfD) mit 11,61 Prozent vor Ralf Armbrüster (FDP) mit 7,89 Prozent – so der Stand um 22.20 Uhr nach Angaben der Kreiswahlleitung.

Dass Limbacher Kirkel mit allen Ortsteilen deutlich gewonnen hatte, stand bereits viel früher fest. Auch in Homburg lag er da schon vorne, genauso wie in Gersheim, St. Ingbert und vielen anderen Kommunen. „Der Vorsprung ist stabil. Das sieht sehr gut aus“, kommentierte dann auch Ministerin Christine Streichert-Clivot. Sie lobte vor allem den Einsatz Limbachers. Er habe jeden Tag rund um die Uhr Wahlkampf gemacht. Zudem habe ein starkes Team hinter ihm gestanden und die SPD habe eine hohe Geschlossenheit gezeigt.

 Bundestagsabgeordneter Markus Uhl (CDU, rechts mit dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Alexander Funk) konnte den Wahlkreis nicht verteidigen. Dementsprechend getrübt war die Stimmung.
Bundestagsabgeordneter Markus Uhl (CDU, rechts mit dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Alexander Funk) konnte den Wahlkreis nicht verteidigen. Dementsprechend getrübt war die Stimmung. Foto: Markus Uhl Wahlabend 1/Christine Maack

Limbacher wandte sich kurz nach 20 Uhr im Lokal „Vinoh“ in der Homburger Altstadt, in dem die Sozialdemokraten den Wahlabend verbrachten, an seine Unterstützer: „Als ich in den Wahlkampf gestartet bin, lag die SPD weit zurück“, viele hätten gesagt ,Du wirst das nie schaffen’.“ Ihm sei es aber um mehr gegangen als Umfragen: „Ich will was bewegen und ein ,weiter so‘ nicht einfach akzeptieren“, sagte er. „Was wir in den letzten Monaten erreicht haben, war und ist überwältigend.“ Es sei mehr als 15 Jahre her, dass es die SPD zuletzt geschafft habe, „unseren Wahlkreis direkt zu gewinnen“.

Stefan Pauluhn – für ihn war Limbacher erst im Juni in den Saar-Landtag nachgerückt – betonte dann auch: „Das ist ein tolles Ergebnis für die SPD.“ Und mit Blick auf das erneute Duell Uhl-Limbacher fügt er hinzu: „Manchmal muss man im Leben eben zwei Runden drehen, um zum Erfolg zu kommen.“ Bei der vergangenen Bundestagswahl waren Uhl und Limbacher bekanntlich schon einmal gegeneinander angetreten – damals hatte der CDU-Mann die Nase vorn gehabt.

Die Stimmung unter den Sozialdemokraten war eigentlich schon gleich nach 18 Uhr gut gewesen angesichts der Stimmgewinne ihrer Partei, auch wenn Union und SPD sich bundesweit ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten.

 Rund 192 000 Wählerinnen und Wähler waren am Sonntag im Wahlkreis 299 zur Wahl aufgerufen.
Rund 192 000 Wählerinnen und Wähler waren am Sonntag im Wahlkreis 299 zur Wahl aufgerufen. Foto: Thorsten Wolf

Als dann Olaf Scholz, der SPD-Kanzlerkandidat, auf dem großen TV-Bildschirm zu sehen war, strömten immer mehr SPD-Anhänger ins Lokal. Pauluhn kommentierte: „Es ist ein guter Tag für die SPD“, auch wenn allen klar war, dass bundesweit über die Koalition erst viel später entschieden werde, so etwa David Lindemann. Umso erfreulicher für alle die Nachricht über den Wahlkreis-Sieg.

Landrat Theophil Gallo (SPD) kommentierte: Die SPD sei aus ihrem Tal herausgekommen, wenn auch der Abstand zur CDU nicht so sei, wie er hätte sein können. Dennoch sei das ein „beachtliches Ergebnis“. Er schrieb das auch der „Wechselstimmung“ zu, die allgemein geherrscht habe.

 So stark wie nie zuvor waren die vertreten, die sich für eine Briefwahl entschieden hatten.
So stark wie nie zuvor waren die vertreten, die sich für eine Briefwahl entschieden hatten. Foto: Thorsten Wolf

Für die CDU hatte der Abend schleppend begonnen, denn Markus Uhl war gegen 18 Uhr, als bundesweit die ersten Hochrechnungen bekannt gegeben wurden, noch als Gast beim Saarländischen Rundfunk in seiner Funktion als CDU-Generalsekretär. Seine Anhänger konnten ihn zunächst nur im Fernsehen sehen, live kam er erst gegen 19.20 in den Saal des Hotels Stadt Homburg, den die CDU für den Wahl­abend gemietet hatte.

Wahlparty wäre zu viel gesagt, denn als der Bundestrend schon klare Verluste für die CDU vermuten ließ, da war auch in Homburg die Stimmung im Keller. „Man kommt nicht gegen den Bundestrend an, da kann man noch so viel für seinen Wahlkreis machen“, sagt Stefan Toscani, Landtagspräsident und stellvertretender CDU-Vorsitzender im Saarland.

Als Markus Uhl ankam, wurde er von minutenlangem Beifall empfangen, seine Anhänger, inzwischen auf etwa 30 angewachsen, feierten ihn mit rhythmischem Klatschen. Doch da war schon klar: Er würde es nicht schaffen, den Wahlkreis 299 noch einmal für sich zu gewinnen. Der Vorsprung der SPD in St. Ingbert, Homburg und vor allem in Neunkirchen war nach den ersten Auszählungen bereits so deutlich, dass die anfangs leichten CDU-Vorteile in den Bliesgau-Kommunen dies nicht mehr wettmachen konnten. Aber auch hier sollte sich am Ende herausstellen, dass die SPD überall die Nase vorne hatte, sowohl in Gersheim als auch in Mandelbachtal. Als dann auch noch in Quierschied und vor allem in Friedrichsthal der rote SPD-Balken immer weiter wuchs, war für Markus Uhl klar: Der Wahlkreis war für die CDU nach mehr als 15 Jahren verloren.

Und so hatte Uhl auch kein Problem damit, schon um 19.30 Uhr, als einige Kommunen noch gar nicht ausgezählt hatten, seinem SPD-Kontrahenten Esra Limbacher zu gratulieren: „Der Trend ist eindeutig, Esra Limbacher wird gewinnen und ich übermittele ihm meine Glückwunsche“, so Uhl.

Wie deutlich der Sieg war, zeigte sich gegen 22.20 Uhr: Uhl konnte am Ende nicht eine Kommune im Wahlkreis für sich gewinnen. Trotzdem machte er keinen geknickten Eindruck: „Mir geht es gut“, sagte er, „wir haben einen tollen Wahlkampf gemacht. Ich habe mich vier Jahre lang sehr für meinen Wahlkreis eingesetzt. Das bleibt.“ Alexander Funk, sein Vorgänger, der vor 15 Jahren erstmals den Wahlkreis 299 für die CDU geholt hatte, bedauert, dass die „Bundes-CDU viele Fehler im Wahlkampf gemacht hat“. Sie sei nicht geschlossen aufgetreten. Und für Peter Fuchs, den stellvertretenden CDU-Stadtverbandvorsitzenden, war klar, dass die SPD diesmal stark sein würde, „weil die Linken dermaßen eingebrochen sind“.