Es krachte auf der Bühne

Homburg. Ein ungutes Gefühl beschlich viele Leute im Publikum bei "Gin Rommé". Donald Coburns Stück ließ sie darüber nachdenken, was passieren könnte, wenn sie sich in der letzten Phase ihres Lebens in einem Heim wiederfinden. Mit Ellen Schwiers spielte eine der ganz Großen von Theater und Film in der Aufführung der Bühne "Das Ensemble" aus Berg am Starnberger See

Homburg. Ein ungutes Gefühl beschlich viele Leute im Publikum bei "Gin Rommé". Donald Coburns Stück ließ sie darüber nachdenken, was passieren könnte, wenn sie sich in der letzten Phase ihres Lebens in einem Heim wiederfinden. Mit Ellen Schwiers spielte eine der ganz Großen von Theater und Film in der Aufführung der Bühne "Das Ensemble" aus Berg am Starnberger See. Ihr zur Seite war ihr Bruder Holger zu sehen.Die Regie von Jan Aust ließ mit jedem der vier Bilder des Stücks die Stimmung explosiver werden, als Fonsia Dorsey und Weller Martin (Ellen und Holger Schwiers) die Spannung nicht mehr aushielten, unter die sie mit ihrer aufgesetzten guten Stimmung gerieten. Das Publikum war von der dichten und emotionsgeladenen Aufführung im gleichen Bühnenbild beeindruckt, wie Gespräche vielfach verrieten.

Alles lief in der selben Kulisse ab, in der Laube eines Seniorenheim, wo zwei Senioren Karten spielten. Auch wenn die sich in den vier Bildern des Stücks nicht veränderte, bekam sie doch durch die Spannungen zwischen den beiden älteren Leuten allmählich bedrohlichen Charakter. Das hatte Regisseur Aust sehr feinsinnig und wirkungsvoll umgesetzt.

Erstaunlich war Ellen Schwiers in der Rolle der erst zurückhaltenden, später aufgebrachten und streitbaren Fonsia. "Ich bewundere die Leistung dieser Frau, die auf der Bühne immer noch alles gibt", sagte Paul Staut. Kraftvoll setzte sie den Zwist mit dem zum Menschenfeind gewordenen Weller Martin um, dessen Zynismus wirklich in Rage bringen konnte. Immer mehr steigerten sich die Spannungen zwischen den beiden Senioren, brillant vermittelt durch die beiden Hauptdarsteller. Ihnen wurde klar, dass sie sich selbst belogen hatten, dass sich im Grunde niemand mehr für sie interessierte.

Da zuckten ein paar Leute zusammen, als Weller Martin die Mitbewohnerin lautstark eine blöde Kuh nannte. Nicht minder deftig schoss Fonsia zurück, tituliere Weller Martin als Arschloch.

Die Kraftausdrücke, die vom Ende des dritten Bildes an zwischen den beiden Senioren flogen, lösten im ersten Moment zwar Heiterkeit im Publikum aus. Die machte dann aber einer gewissen Beklemmung Platz, als die Leute realisierten, was aus einem scheinbar friedlichen Lebensabend werden kann. Gesellschaftskritik pur.

Diskussionen gab es schon in der Pause, als die Zustände im fiktiven Seniorenheim des Autos Coburn angesprochen wurden. Da lieferte der Spruch des Zynikers Weller Martin viel Gesprächsstoff, als er das Heim brandmarkte als "Lagerhalle für Körper, die darauf warten, den Löffel abzugeben". Die Zuschauer hatten das Gefühl, dass dies nicht nur ein kerniger Spruch war, vielleicht aber die Abrechnung von Donald Coburn mit dem System der Seniorenheime.

Holger Schwiers setzte den Menschenhasser und Zyniker Weller Martin mit viel Effet um. Es krachte ordentlich auf der Bühne, als Martin nach einem weiteren verlorenen Kartenspiel gegen Fonsia den Tisch umwarf oder später Besen und Schippe vor lauter Wut durch die Gegend feuerte.

"Gin Rommé", ein bekanntes Kartenspiel, verband die beiden Senioren auf sonderbare Weise. Fonsia hatte es längst verdrängt, gewann aber ständig gegen Weller Martin, der sie immer wieder zu einer neuen Partie herausfordert, erst höflich und zuvorkommend, am Ende wütend und beleidigend. Ein Theaterabend, der nachdenklich machte. "Ich bewundere die Leistung dieser Frau."

Paul Staut

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