1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

"Es geht um unseren christlichen Auftrag"

"Es geht um unseren christlichen Auftrag"

Die Interkulturellen Wochen, die noch bis Monatsende dauern, haben in diesem Jahr das Motto "Misch mit". Was verbirgt sich hinter diesem Slogan?Sutter: Als Kirche treten wir für eine Gesellschaft ein, die sich an den Grundwerten von Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden orientiert

Die Interkulturellen Wochen, die noch bis Monatsende dauern, haben in diesem Jahr das Motto "Misch mit". Was verbirgt sich hinter diesem Slogan?Sutter: Als Kirche treten wir für eine Gesellschaft ein, die sich an den Grundwerten von Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden orientiert. Im Blick auf Zuwanderer oder Migranten haben wir uns einzumischen, da wir im Blick auf Gott wissen, dass er die Belange der Menschen zu seinen eigenen gemacht hat und macht. Er mischt sich ein. Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden und hat sich den Widersprüchen dieser Welt ausgesetzt. Er tritt an die Seite der Schwächsten, Ausgegrenzten und Eingesperrten. Jesus sagt: "Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen." Diese Aussage Jesu ist eine Ansage. Ihre Botschaft ist unmissverständlich. Wer einen Fremden aufnimmt, der nimmt Jesus selbst auf! Es geht bei der Frage der Integration und Aufnahme von Fremden ums Ganze. Es geht um unseren christlichen Auftrag. Es geht um unsere Glaubwürdigkeit.Fragen zu Migration und Integration sind von zentraler Bedeutung für unsere Gesellschaft. Wie engagiert sich Kirche, insbesondere die Protestantische Landeskirche, in diesem Problemfeld?Sutter: Wer die Kirche im Dorf lassen will, für den ist Gastfreundschaft, Integrationsbereitschaft, Fremdenfreundlichkeit oberstes Gebot. Wir nehmen uns in den einzelnen Gemeinden und unseren Beratungsstellen Zeit für die Menschen und deren Schicksal. Flüchtlinge brauchen Ohren, die hinhören und Herzen, die Anteil nehmen. Die Integration von Fremden ist zum Beispiel eine Herausforderung für den Besuchsdienst. Wir haben Patinnen und Paten, die sich bereit erklärt haben, einen Migranten oder eine Migrantenfamilie in ihrem Ort, in ihrer Region als Lotse zu begleiten. Wir bieten in den Kindertagesstätten Sprachkurse für Kinder und Mütter an oder führen in Schulen im Rahmen der Hausaufgabenhilfe oder der Nachmittagsbetreuung Sprachförderung durch. Die Sprache ist ein Schlüssel für gelingende Integration. Mit unserer katholischen Schwesterkirche treten wir bei staatlichen Stellen für ein nachhaltiges Bleiberecht von langjährig Geduldeten ein und für Erleichterungen beim Nachzug von Eheleuten.Täglich sind Tendenzen von Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt in unserer Gesellschaft zu beobachten. Was können Christen tun, um sich für eine friedliche, gerechte und solidarische Gesellschaft stark zu machen?Sutter: Ich möchte ein Beispiel nennen, an dem deutlich wird, dass jeder Einzelne helfen kann. Man kann sich als Pate engagieren, um Flüchtlinge bei der Integration in die Gesellschaft zu begleiten. Als Pate hilft man bei Behördengängen oder Schulkontakten, begleitet Jugendliche bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, oder übersetzt Behördenschreiben in einfache deutsche Sprache. Eigentlich braucht man nicht viel mehr als Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz. Und die Erinnerung an Jesu Wort: "Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen."