Eltern unter die Arme greifen

Saarpfalz-Kreis. Erziehung ist eine Lebensaufgabe, daran zweifelt wohl niemand ernsthaft. Und: Manchmal kommen Eltern, aber auch Kinder, in eine schwierige Situation, die sie allein nicht mehr bewältigen können. Da sind die Mutter oder auch eines der Kinder chronisch krank, eine Frau bekommt Zwillinge oder Drillinge, Eltern sind noch sehr jung oder schlicht isoliert

Saarpfalz-Kreis. Erziehung ist eine Lebensaufgabe, daran zweifelt wohl niemand ernsthaft. Und: Manchmal kommen Eltern, aber auch Kinder, in eine schwierige Situation, die sie allein nicht mehr bewältigen können. Da sind die Mutter oder auch eines der Kinder chronisch krank, eine Frau bekommt Zwillinge oder Drillinge, Eltern sind noch sehr jung oder schlicht isoliert. Beispiele gibt es viele.Manchmal braucht es da gar nicht die große Hilfs-Maschinerie. Es reichen Gespräche und kleine Entlastungen. Genau hier setzen mehrere Projekte an, eines davon heißt Ufer, eine Abkürzung für Unterstützung für Eltern. Es will Hilfe im Alltag anbieten und ist ein Baustein des Angebots "Eltern und Kinder stark machen - im Alltag wie in Krisen".Träger ist der Landesverband Saarland des Deutschen Kinderschutzbundes, der dies gemeinsam mit dem Jugendamt des jeweiligen Kreises stemmt. Seit knapp einem Jahr wird dies auch im Saarpfalz-Kreis angeboten. Das, was zunächst theoretisch klingt, hat hier nun seit Anfang des Monats ein neues Gesicht bekommen: Anette Kolb, 42, selbst Mutter zweier Kinder und mit Erfahrung in der Sozialarbeit, ist diejenige, die das Ganze vor Ort koordiniert. Zusammen mit Klaus Ollinger, 66, vom Kinderschutzbund ist sie in die Homburger SZ-Redaktion gekommen, um zu erläutern, wie die Theorie in der Praxis aussehen soll. Das Geld für ihre 14-Stunden-Stelle kommt vom Kreis-Jugendamt, dem Land, der Aktion Mensch und dem Kinderschutzbund."Bei uns ist das Angebot sehr niedrigschwellig", erläutert sie. Es gebe keine Wartelisten oder komplizierte Anträge. Es setzt vor den offiziellen Erziehungshilfe-Maßnahmen an. Konkret sieht dies so aus, dass in der Regel ehrenamtliche Paten in solche Familien kommen, die mit Stress zu kämpfen haben und mehrfach belastet sind. Sie hören zu, nehmen den Eltern Arbeit ab, spielen mit den Kindern, geben Tipps und vermitteln, wenn nötig, an Fachstellen weiter.Mit den Hilfeträgern wie Jugendamt, Beratungsstellen, Familien-Hebammen, aber auch mit Krankenhäusern, Kindergärten und -ärzten wird eng kooperiert. Derzeit steckt das Projekt im Saarpfalz-Kreis noch in den Kinderschuhen. Zehn Familien werden betreut, etwa fünf Patinnen gibt es dafür. In St. Wendel, wo es das Angebot schon länger gibt, helfen 25 Ehrenamtliche pro Jahr durchschnittlich 30 Familien. Zunächst gehe es darum, stärker auf sich aufmerksam zu machen, sagt Kolb. Und Paten, die ehrenamtlich mitmachen wollen, werden dringend gesucht. Die richtige Auswahl und Organisation (siehe Infokasten) gehören ebenso zu Anette Kolbs Arbeit wie die Gespräche mit den Familien und die Zuordnung der Paten. Und auch wenn jetzt ein ganzer Berg Arbeit auf sie wartet, betont sie mit Überzeugung: "Ich freue mich auf den Job."

Klaus Ollinger und Anette Kolb im Gespräch mit SZ-Redakteurin Ulrike Stumm (links). Foto: Thorsten Wolf.

HintergrundDas Projekt Ufer bietet Unterstützung für Eltern mit Kindern von null bis sechs Jahren. Die Teilnahme ist freiwillig und kostenlos. Koordiniert und vorbereitet wurde es vom Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Saarland. Die fachliche Begleitung liegt bei den Vorstandsmitgliedern Dr. Hartmut Penner (Kinderarzt) und Stefan Behr sowie Projektleiter Klaus Ollinger. Wer sich als ehrenamtlicher Pate bewerben möchte, der sollte eine fachliche Kompetenz mitbringen oder Erfahrung mit eigenen Kindern. Polizeiliches Führungszeugnis und Gesundheitszeugnis sind unter anderem vorzulegen.Ansprechpartnerin für Hilfesuchende und Paten ist Anette Kolb, Familien-Hilfe-Zentrum, Virchowstraße 5, Homburg, Tel. (0 68 41) 77 78 30 oder Tel. (01 76) 44 56 96 44, per E-Mail: dskb-anette.kolb@gmx.de. ust

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