Einsam bleiben muss keine Allein sein ist an Weihnachten schwierig

Einsam bleiben muss keine Allein sein ist an Weihnachten schwierig

Saarpfalz-Kreis. Eine Lichterkette ziert die Zimmerpflanze, Kerzen stehen auf den Fensterbänken, rot blühende kleine Weihnachtssterne auf dem Tisch. Ein paar Stufen hoch gleich rechts liegt der Raum im Haus am Scheffelplatz 1, in dem morgen ein ganz besonderer Heiligabend gefeiert wird

Saarpfalz-Kreis. Eine Lichterkette ziert die Zimmerpflanze, Kerzen stehen auf den Fensterbänken, rot blühende kleine Weihnachtssterne auf dem Tisch. Ein paar Stufen hoch gleich rechts liegt der Raum im Haus am Scheffelplatz 1, in dem morgen ein ganz besonderer Heiligabend gefeiert wird. Wenn es andernorts in den Familien besinnlich zugeht, die Kerzen am Baum angezündet werden, treffen sich hier Frauen, die ansonsten allein wären. Zum siebten Mal bietet Sabine Ullrich im Café Frauenzimmer dieses etwas andere Weihnachten an.Zwölf Frauen haben sich diesmal angemeldet. Es könnten sogar noch mehr werden, denn eben hat eine türkische Mutter angerufen, die selbst kein deutsches Weihnachten feiert, dies ihrer Tochter aber ermöglichen möchte, die sich wünscht, das kennen zu lernen.

Die Beweggründe, warum jemand an Heiligabend hierher kommt, sind so unterschiedlich wie die Frauen selbst. Bei manchen ist vor wenigen Monaten der Mann verstorben - und es wäre das erste Weihnachten, das sie alleine verbringen müssten. Andere haben zwar eine Freundin zum gemeinsamen Feiern, doch beide sind "selbst so traurig". Andere haben psychische Probleme. Altergrenzen gibt es kaum, ungefähr zwischen 20 und 62 Jahren sind die Teilnehmerinnen, manche kommen seit Jahren, andere sind ganz neu.

Trotz all dieser zum Teil schweren Schicksale: Das Fest soll fröhlich werden. "Bis jetzt war es noch nie der Fall, dass jemand traurig war oder es ihm nicht gefallen hätte", sagt Sabine Ullrich. Damit es eine rundum gelungener Abend wird, ist sie vorher sehr aktiv. Sie bittet um kleine Spenden, um Hilfe, kauft das Essen ein - diesmal wird vom heißen Stein gespeist. Ihre Mutter und die Schwiegermutter ihres Bruders steuern genauso etwas bei wie viele andere. "Ich schaue schon, wie ich die Frauen verwöhnen kann." Sabine Ullrich wird eine Geschichte vorlesen, eine andere Frau wird Gitarre spielen und unter anderem auch selbst geschriebene Gedichte mitbringen. Außerdem gibt's ein kleines Geschenkespiel, denn "Weihnachten ohne Geschenke ist einfach schade." Damit es funktioniert bringt "jede von zu Hause Dinge mit, die sie zwar noch mag, die aber schon längst in den Keller könnten", erklärt Ullrich. Um die wird gewürfelt - und danach geht's ans Tauschen. "Das, was jede dann am Ende hat, passt immer", sagt Ullrich. "Das Spiel ist der absolute Renner."

Bevor es soweit ist, muss der Anfang überwunden werden. Der ist nicht immer ganz leicht, dann die Frauen haben auch eine gewisse Scheu, wenn sie kommen, da sie damit zeigten: "Ich bin eine Frau die fremd feiern muss." Sie seien vorsichtig, da sie nicht wissen, was auf sie zukommt. "Aber das ist nach fünf Minuten weg", berichtet Ullrich. Sie gebe jeder das Gefühl, "dass sie ganz herzlich willkommen ist, dass wird eine schöne Zeit miteinander verbringen." Danach könne jede weggehen und entscheiden, ob sie noch einmal kommt oder eben nicht. Ullrich geht sogar noch weiter. "Wenn die Frauen herkommen, verändern sie auch die Einstellung zu ihrem jetzigen Leben." Der Abend entwickle sich dann stets harmonisch, im vergangenen Jahr wurde sogar getanzt.

Um 21.30 Uhr ist Schluss. Manche Frauen gingen anschließend noch in die Kirche. Sabine Ullrich fährt zu einer langjährigen Freundin, einer alleinzerziehenden Mutter mit ihrem Sohn. Erster und zweiter Feiertag sind ihrer Familie gewidmet. Ihren Heiligabend mit den Frauen möchte sie nicht mehr missen. "Das ist für mich eine echte Bereicherung."

Wer mitfeiern will, kann sich bei Sabine Ullrich, Tel. (06841) 17 00 69, melden. Der Heiligabend im Café Frauenzimmer, Scheffelplatz 1, beginnt um 17 Uhr. Für das Essen wird eine Spendenbüchse aufgestellt.

Homburg. Sie ist 62 Jahre alt und lebt allein - schon seit vielen Jahren. Außerdem leidet sie unter starken chronischen Schmerzen. Ihren Namen möchte sie nicht so gerne öffentlich lesen, aber ihr Anliegen schon. "Es gibt gerade im Alter immer mehr Menschen, die durch Krankheit isoliert sind", sagt sie. Und auch der lange Winter mit Schnee und Minusgraden trägt dazu bei, dass viele nicht mehr hinausgehen - einfach weil sie sich nicht trauen oder weil die Kälte die Schmerzen schlimmer macht. "An Weihnachten ist es überhaupt schwierig, allein zu sein", sagt sie. Überall werde nur noch von Familie gesprochen. Ihre eigene samt Enkelkindern fährt über die Feiertage immer in Urlaub.

Bislang hat sie sich an Weihnachten andere Menschen eingeladen, die niemanden mehr haben. Doch das klappe in diesem Jahr nicht. Auch deswegen, weil einige weiter weg leben und sie es wegen des Schnees nicht wagen, mit dem Auto zu fahren. Sie selbst wird deshalb an Heiligabend ins Café Frauenzimmer kommen, um dort mit anderen Frauen zu feiern (siehe Text oben). Es sei wunderbar, dass es so etwas gebe, sagt sie. Erwartungen hat sie wenige, sie möchte "einfach unter Menschen sein", am Abend des 24. Dezember nicht alleine dasitzen.

Und weil sie weiß, dass es nicht nur Frauen sind, die an Weihnachten einsam bleiben, wenn andere unterm Christbaum sitzen, wünscht sie sich: "Für Männer sollte es so etwas auch geben. Das fände ich wichtig." ust

Mehr von Saarbrücker Zeitung