1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Eine zierliche Musikerin mit gewaltiger Verantwortung

Eine zierliche Musikerin mit gewaltiger Verantwortung

Julia Neumann aus Homburg ist Musikerin mit Leib und Seele. Die Konzertmeisterin dirigiert ein großes Symphonie-Orchester und tritt heute mit dem Studentenorchester der Saar-Uni beim Bundeswettbewerb in Ulm auf.

"Ich liebe Herausforderungen", sagt Julia Neumann. Deshalb auch freut sich die 31-jährige Homburgerin riesig auf ihren Auftritt mit dem Studentenorchester der Universität in Saarbrücken beim Bundeswettbewerb in Ulm am 6. Mai.

Dabei trägt die zierliche Musikerin eine enorme Verantwortung: Die Konzertmeisterin leitet das mehr als 50-köpfige Symphonie-Orchester. "Ich habe immer davon geträumt, Dirigentin zu werden, wusste allerdings nicht, wie man das macht", erinnert sie sich. Das Schicksal kam der ehemaligen Johanneum-Schülerin, bekannt als Geigerin des Duo Espressi, zu Hilfe. Sie studierte zunächst Schulmusik, später Instrumentalpädagogik mit dem Hauptfach Geige und den Nebenfächern Klavier und Dirigieren an der Musikhochschule Saarbrücken. Befreundete Musiker des Collegium Musicum in Trier, mit dem sie als Geigerin gemeinsam musiziert, erlebte sie als Orchester bei ihrer Abschlussprüfung im Dirigieren. "Als in Trier eine neue Assistenz gesucht wurde, haben sie mich vorgeschlagen und ich wurde genommen", staunt sie noch immer. Nur wenig später erhielt sie die Anfrage aus Saarbrücken und leitet nun seit drei Jahren das Studentenorchester der Universität. "Damals war ich erst 27. Eine tolle Chance in so jungen Jahren", hat sie auf Anhieb eine echte Männerdomäne erobert.

Dabei sieht sie sich nicht nur musikalisch in der Verantwortung und als Vorbild, sondern auch sozial. "Mir ist wichtig, den Überblick zu behalten und die gelassene Souveränität. Flippen Männer aus, sind sie Künstler. Bei Frauen heißt es gerne, sie "zicken", erklärt sie den Unterschied im Blick auf die Geschlechter. Während sie ihren Musikern für deren Geduld und Verständnis dankt, da sie noch dabei ist, Erfahrung zu sammeln, schätzen diese ihre klare Zeichengebung. "Ein Instrumentalist will wissen, was von ihm erwartet wird, wie er einen Ton oder eine Passage zu spielen hat - in welcher Lautstärke, kurz oder gedehnter, akzentuiert oder weich", weiß die Violinistin aus eigener Erfahrung. Ihr leuchtendes Vorbild ist Andreas Schüller, bis 2011 Kapellmeister an der Oper Leipzig und an der Volksoper Wien, sowie Leiter des Jungen Philharmonischen Orchesters Niedersachsen (JPON), bei dem sie als Geigerin schon mehrfach mitwirken durfte.

Gerne erarbeitet die junge Dirigentin Interpretationen gemeinsam mit ihrem Orchester, probiert, was den Charakter eines Stücks am besten spiegelt. Da darf das Konzertpublikum gerne über neue Klänge bekannter Werke staunen. Das gilt auch für den Chor in Althornbach, den Julia Neumann seit drei Jahren leitet. "Eine übersichtliche Stimmenzahl, dafür Sprache, die viel zum guten Ton beiträgt", beschreibt sie den Unterschied in der Aufgabenstellung. Mitreißende Harmonie lautet die Zielsetzung hier wie dort.

Diese soll das junge Symphonieorchester auch beim Bundeswettbewerb zum Erfolg führen. Vorgegeben als Pflichtstück für alle sieben Teilnehmer ist ein Scherzo, der dritte Satz von Schumanns vierter Sinfonie. Neumanns Wahl für ein langsames Werk fiel auf das Prélude aus Pelléas et Mélisande von Gabriel Fauré, als modernes, rhythmisches Stück auf den Danzón No. 2 des Mexikaners Márquez. Bei der enormen Konkurrenz erfahrener Symphoniker aus Karlsruhe, Berlin oder Kaiserslautern wäre ein Platz im Mittelfeld toll. Julia Neumann und ihre Musiker sind sich einig: "Unser Ziel ist, best möglich zu spielen und uns sowie das Saarland würdig zu repräsentieren." Auch persönliche Träume hegt die Musikerin mit einer Vorliebe für russische Musik: Einmal die Leningrader-Symphonie Nummer sieben von Dimitri Shostakovic dirigieren. Und von der Arbeit als Dirigentin leben können.