Eine Geschichte der Freundschaft

Erbach. Es geht um die Angst, allein zu sein und um die verschiedenen Facetten von Einsamkeit und Formen der Ausgrenzung. Mit der Aufführung des amerikanischen Schauspiel-Klassikers "Von Mäusen und Menschen" von John Steinbeck brillierte die Amateur-Theatergruppe Bohemian Company im voll besetzten Mehrgenerationenhaus "Haus der Begegnung" in Erbach

Erbach. Es geht um die Angst, allein zu sein und um die verschiedenen Facetten von Einsamkeit und Formen der Ausgrenzung. Mit der Aufführung des amerikanischen Schauspiel-Klassikers "Von Mäusen und Menschen" von John Steinbeck brillierte die Amateur-Theatergruppe Bohemian Company im voll besetzten Mehrgenerationenhaus "Haus der Begegnung" in Erbach. Der Klassiker zeigte, wie zeitlos aktuell dieses Thema auch heute immer noch ist. Bereits zu Steinbecks Zeiten gab es schon die Alten, die scheinbar zu nichts mehr zu gebrauchen waren, die entmündigt wurden, bis sie nicht einmal mehr das Recht hatten, selbst zu entscheiden, wann und wie sie sterben. Auch bei ihm gab es die Ausgestoßenen aus der Gesellschaft, die einfach anders sind, die einsam sind, weil sie nicht ins Raster passen und der Allgemeinheit scheinbar nicht von Nutzen sein können. Doch es ging bei dieser Geschichte auch um die Hoffnung auf ein besseres Leben sowie um eine ganz besondere Freundschaft. Dabei legte Regisseurin Sandra Klein, die Leiterin der Theatergruppe, ein großes Augenmerk auf die Figur des George (Gerhard Wagner), Freund des geistig zurückgebliebenen Lennie (Michael Fritz-Dengel). Die beiden ziehen als Erntehelfer zur Zeit der amerikanischen Depression durch das Land - immer auf der Suche nach Arbeit. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Der eine, George, ist klein, drahtig und auf Zack, der andere, Lennie, groß, schwerfällig, nicht ganz richtig im Kopf, jedoch mit ungeheuren Kräften ausgestattet. Wie ein großes, aber sehr starkes Kind weiß Lennie nicht mit seiner Kraft umzugehen und gerät dadurch immer wieder in Schwierigkeiten. Zum Glück ist George bei ihm, der ihn immer wieder aus der Schlinge zieht. "Andere Jungs haben niemand, der sich auch nur einen Dreck um sie schert. Aber wir ja. Weil ich George habe und er mich. Wir sind immer zusammen", sagt Lennie. Und so streifen die beiden durchs Land, von Job zu Job, von Farm zu Farm.Doch sie können überall nur so lange bleiben, bis Lennie Scherereien kriegt. Er liebt es, weiche Dinge zu streicheln, etwa Mäuse, Kaninchen, Hundewelpen mit weichem Fell oder ein rotes Kleid aus Samt. Dass in diesem Kleid eine Frau steckt, übersieht Lennie in seiner naiven Leidenschaft. Daher können sie nie lange an einem Ort bleiben und müssen weiter. Beide haben einen Traum: Irgendwann wollen sie sich eine kleine Farm kaufen, auf der sie tun und lassen können, was sie wollen, wo sie ihr eigener Herr sind, es keine Scherereien gibt, Lennie seine Kaninchen versorgen und streicheln darf - einfach ein feines, ein besseres Leben führen. Doch dafür brauchen sie Geld und einen Job. Und so landen sie auf einer Farm, auf der sich ihr Schicksal für immer entscheidet. Und es wird klar, eigentlich war es von Anfang an unvermeidbar.

Auf einen BlickDie Amateurtheatergruppe Bohemian Company wurde 2005 gegründet. Geleitet wird sie von Sandra Klein. Sie führt auch Regie und spielt selbst mit. Im Mehrgenerationenhaus "Haus der Begegnung" führte das Ensemble den amerikanischen Theater-Klassiker "Von Mäusen und Menschen" von John Steinbeck auf. Es spielten Michael Fritz-Dengel (Lennie), Gerhard Wagner (George), Karlo Streiber (Candy), Nicolas Schneider (Curley), Christine Mehlhorn (Curley's Frau), Moritz Horvath (Slim), Jochen Sauer (Carlson), Matthias Dietzen (Whit) und Uwe Andresen (Crooks). re