Eine besondere Unterrichtsstunde

Homburg · Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums diskutierten mit Fach-Minister Toscani zu Themen rund um die „Europawoche“.

 In einer besonderen Unterrichtsstunde stand Europaminister Stephan Toscani gestern Schülerinnen und Schülern des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums zum Thema „Europa“ Rede und Antwort. Foto: Thorsten Wolf

In einer besonderen Unterrichtsstunde stand Europaminister Stephan Toscani gestern Schülerinnen und Schülern des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums zum Thema „Europa“ Rede und Antwort. Foto: Thorsten Wolf

Foto: Thorsten Wolf

Europa ist derzeit in aller Munde: Der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union, die Gefahr, dass Frankreich nach einem Wahlsieg des Front National womöglich den selben Weg gegangen wäre, die europakritische Haltung von Regierungen wie in Polen und Ungarn, die Finanzkrise der vergangenen Jahre - all das hat den Zusammenschluss von (noch) 28 Mitgliedsstaaten mehr als einmal und nicht nur gefühlt in Schieflage gebracht. Doch es gibt auch andere Zeichen: So die Wahl des pro-europäischen Emmanuel Macron zum neuen französischen Präsidenten, die Bürgerbewegung "Pulse of Europe", das Scheitern europafeindlicher Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl in Österreich und bei den Parlaments-Wahlen in den Niederlanden. So wird die Vision des Staatenbundes nach wie vor gefeiert, aktuell mit der Europawoche.

Aus diesem Grund fand sich gestern auch Stephan Toscani, in der neuen saarländischen Landesregierung wieder Europaminister, am Homburger Saarpfalz-Gymnasium ein. Er hatte sich vorgenommen, mit Schülerinnen und Schülern aus der Oberstufe eine "besondere" Unterrichtsstunde zu verbringen. Mit Fragen und Antworten von beiden Seiten ging es um die Geschichte der Europäischen Union, um die "Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl" als Keimzelle, um die stufenweise Erweiterung des Bundes, um die Geschichte des Staatenbundes mit seinen unterschiedlichen Evolutionsstufen. Toscani traf gestern auf gut informierte Schülerinnen und Schüler, die nicht nur viele Sachfragen des Ministers beantworten konnten, sondern die auch selbst konstruktiv beim "Fachmann" nachhakten. Dass das so war, mag mit Sicherheit auch daran liegen, dass grenzüberschreitenden Partnerschaften am Saarpfalz-Gymnasium gepflegt werden, zum einen mit La Baule in Frankreich, zum anderen mit Tiflis in Georgien.

Hier gab Schulleiter Jürgen Mathieu als Teil seiner Begrüßung Marian, Franca und Eva aus der Oberstufe das Wort. Sie berichteten Stephan Toscani von ihren persönlichen Erfahrungen im Austausch-Programm ihrer Schule. "Mir hat ganz besonders das Familienleben gefallen", blickte Franca auf ihren Frankreich-Aufenthalt zurück.

Sie wusste aber auch von einem deutlich anderen Schulalltag im Nachbarland zu berichten. Solche persönlichen Einschätzungen gaben dem großen Blick auf Europa zu Beginn eine ganz individuelle Note, im Anschluss daran lenkte Toscani in der Aula der Schule den Fokus auf die Politik auf der europäischen Bühne. In die Diskussion stieg der Europaminister mit der Wahl in Frankreich ein. Und auf Nachfrage aus dem Kreis der Schüler machte Toscani hier klar: "Eine Entscheidung für Marine Le Pen hätte bedeutet, dass es in Frankreich eine Volksabstimmung über den Verbleib in der EU gegeben hätte. Und wenn diese Abstimmung so ausgegangen wäre wie in Großbritannien, dann hätte das eine große, europäische Krise ausgelöst."