Ein Unternehmer mit Herz

Stadt und Brauerei gedenken heute des Unternehmers und Homburger Ehrenbürgers Paul Weber. Er hatte Karlsberg nicht nur über Jahrzehnte erfolgreich geführt, sondern sich mit Fortschrittsdenken und Erfindergeist nachhaltig einen Namen gemacht.

Am 16. Dezember 1915, also genau vor 100 Jahren, erblickte in Homburg ein Junge das Licht der Welt, der einer der erfolgreichsten Unternehmer unserer Region werden sollte: Paul Weber führte die Karlsberg-Brauerei über mehrere Jahrzehnte und hat sie mit seiner fortschrittlichen Unternehmensführung und seinem Erfindergeist nachhaltig geprägt. Die Brauerei und die Familie Weber gedenken des Homburger Ehrenbürgers heute im Karlsberger Hof in Sanddorf mit einer Feierstunde.

Rund vier Jahrzehnte hat Paul Weber, der Vater des langjährigen geschäftsführenden Gesellschafters von Karlsberg, Richard Weber , und Großvater von Christian Weber , dem heutigen Generalbevollmächtigten des Hauses, das Unternehmen geführt. Er zeichnete sich durch ausgeprägten Geschäftssinn, originelle Ideen und eine moderne Herangehensweise aus - Karlsberg wurde unter seiner Leitung zu einer der größten deutschen Brauereien . Seine Innovationsfreude ist bis heute in Erinnerung geblieben. So stellte Karlsberg 1953 als erste Brauerei im saarländisch-französischen Wirtschaftsraum Dosenbier her. Er forcierte den Bierexport nach Frankreich, später auch nach Übersee, und stellte damit damals schon die Weichen für die internationale Ausrichtung des Hauses.

Aber Paul Weber ist nicht nur als erfolgreicher Unternehmer in guter Erinnerung geblieben, sondern auch wegen seines angenehmen Wesens. Er war stets korrekt und freundlich, Konflikte ließ er am besten gar nicht erst aufkommen - falls diese unumgänglich waren, schlichtete er. "De Weber Paul", wie ihn viele langjährige Weggefährten nannten, war bekannt dafür, dass er freundschaftlich mit seinen Mitarbeitern und auch Mitbürgern umgegangen ist. So kannte er jeden in der Brauerei, wusste, wann die Hochzeit des Mitarbeiters anstand, sich Nachwuchs ansagte oder zu Hause die Frau erkrankt war. Er hatte stets ein gutes Wort übrig. So war es nicht verwunderlich, dass er auch hinsichtlich Führungsstil und Unternehmensphilosophie neue Maßstäbe setzte. Als einer der ersten Unternehmer begann er mit der Unternehmensführung im Mitarbeiterverhältnis. Er prägte Unternehmenswerte, die noch heute bei Karlsberg Gültigkeit haben. Richard Weber erinnert sich im Gespräch mit unserer Zeitung: "Als ich ins Unternehmen kam, sagte mein Vater: Hab' Vertrauen in deine Leute." Er sei zu den Menschen gegangen, habe sie angehört und dann seine Schlüsse gezogen. "Arbeit und Kapital, also Betriebsrat und Eigentümerfamilie, waren für ihn gleichberechtigt. Wenngleich jeder wusste, wer letztlich die Verantwortung trägt."

Zwei Grundsätze habe sein Vater im Gesellschaftervertrag festgehalten: Oberstes Organ in der Gesellschafterversammlung ist der Verwaltungsrat, weil er operativ die Geschäftsführung überwacht. Und die Familie Weber soll im Verwaltungsrat immer maßgeblichen Einfluss haben, wobei immer externer Rat benötigt werde.

Was hat Richard Weber von seinem Vater mitgenommen? "Er hat mir drei Dinge mit auf den Weg gegeben. Erstens: Deine Mitarbeiter müssen besser sein als Du. Zweitens: Delegiere Verantwortung und drittens: Wenn Du dies tust, dann musst Du die Leute auch machen lassen. An diese Ratschläge habe ich mich bis heute gehalten."

Paul Weber engagierte sich außerhalb seines Schaffens bei Karlsberg auch in seiner Heimatstadt Homburg - sei es in kommunalen Verbänden oder aber auch im Stadtrat. Er pflegte stets gute Beziehungen zur Stadt. Sichtbarstes Zeichen dieser engen Verbundenheit ist noch heute der Karlsberg-Brunnen auf dem historischen Marktplatz, den Paul Weber 1953 zum 75. Jubiläum der Brauerei gestiftet hatte. Dieser Brunnen ist heute etwas in die Jahre gekommen, muss saniert werden. Paul Webers Enkel Christian hat kürzlich bereits angedeutet, dass Karlsberg die Sanierungsarbeiten finanziell unterstützen werde. 1980 verlieh die Stadt Homburg dem Brauereidirektor zum Dank für dessen vielfältiges Engagement die Ehrenbürgerschaft. Paul Weber starb am 23. Oktober 1994 im Alter von 78 Jahren.

Christian Weber im Hinblick auf die heutige Feier: "Mein Großvater war nicht nur ein großartiger Unternehmer , sondern auch ein einzigartiger Mensch mit hohen Werten. Wir freuen uns, ihn in Gesprächen mit unseren Gästen lebendig werden zu lassen." Und Richard Weber ergänzt: "Der 100. Geburtstag ist für uns Anlass, über unsere Werte nachzudenken - was wollen wir behalten, was möchte die nächste Generation übernehmen?"

Heute werden im Karlsberger Hof drei Generationen der Familie Weber vertreten sein. Auch das jüngste Mitglied der Familie, der Sohn von Christian, der im Juli dieses Jahres geboren wurde und den Namen des heute zu würdigenden früheren Brauereidirektors trägt - Paul. Somit schließt sich gewissermaßen der Kreis.Der Sohn von Paul Weber - Richard - kam 1974 ins Unternehmen, hat seinen Vater also noch neun Jahre als Karlsberg-Chef erlebt. Damals hatte dieser bereits einen Export im benachbarten Frankreich aufgebaut. Mit der UFB, der Union Financière de Brasserie, bestand seit 1949 ein langjähriger Vertrag, den Weber unterzeichnen musste, um Walsheimer Bier in der Nachfolge produzieren und in Frankreich vertreiben zu können. "Diese Produktion wurde ausgeweitet bis zum Export von 100 000 Hektolitern Bier", erinnert sich Richard Weber im Gespräch mit unserer Zeitung.

Allerdings: Die Franzosen hatten damals mit Paul Weber auch ausgehandelt, dass der Vertrag mit UFB nur so lange laufen sollte, wie Paul Weber Karlsberg-Geschäftsführer ist. Sobald ein neuer Geschäftsführer an der Spitze von Karlsberg stehe, konnte der Vertrag gekündigt werden. Richard Weber schmunzelt: "Kaum hatte ich die Leitung von meinem Vater übernommen, kam die Kündigung aus Frankreich." Aber eines war damals, 1983, auch klar: Das Frankreich-Geschäft war viel zu wichtig, als dass man darauf verzichten wollte. "Nach monatelangen Verhandlungen wurde beschlossen, dass Karlsberg ab sofort den französischen Raum selbst bearbeiten wird." Nachdem man eine Vertriebsmannschaft aufgebaut hatte, konnte es losgehen. "Zunächst war dies nicht einfach, denn 100 000 Hektoliter zu verlieren, war ein großes Handicap für mich als Neustarter. Allerdings standen alle hinter mir, auch mein Vater." So kam Karlsberg binnen vier Jahren in Frankreich mit "Karlsbräu" wieder auf 80 000 Hektoliter - "die Franzosen hatten ihre 100 000 Hektoliter allerdings komplett verloren", erinnert sich Richard Weber . Für die Zusammenarbeit mit UFB ist er im Rückblick dankbar. "Die Franzosen haben uns immer wieder zu Höchstleistungen in Sachen Qualität getrieben."

Auch an die Übergabe der Geschäfte von Paul Weber an ihn erinnert sich Richard Weber noch gut. "Das ging alles sehr schnell. Mein Vater hat mir Ende 1982 gesagt, dass er aus gesundheitlichen Gründen Ende April des folgenden Jahres aufhören werde. Im März wurden die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung informiert - am 1. Mai habe ich übernommen." Ähnlich lief es dann 2009 ab, als Richard den Stab an Sohn Christian weiterreichte. "Auch da musste es schnell gehen, denn mein Sohn hatte schon ein attraktives Angebot von seinem damaligen Arbeitgeber."

Paul Weber (links) erhält aus den Händen von Oberbürgermeister Reiner Ulmcke die Urkunde zum Ehrenbürger der Stadt Homburg. In der Bildmitte Webers Ehefrau Liselotte. Foto: Christel Groß/SZ. Foto: Christel Groß/SZ
Der Enkel von Paul Weber, Christian, hat jetzt im Hause Karlsberg das Sagen. Foto: Karlsberg. Foto: Karlsberg

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Zur PersonPaul Weber wird am 16. Dezember 1915 als drittes von vier Kindern geboren und wächst in Homburg auf. Nach Abitur und Studium in München und Heidelberg, wo er seine Frau Liselotte kennen lernt, wird er 1941 auf dem Russlandfeldzug schwer verwundet. Nach seiner Genesung ist er zunächst Reservist in Nancy, ab 1942 freigestellt. Im November 1941 fällt der ältere Bruder Richard auf der Krim, der eigentlich die Brauerei übernehmen sollte. Paul tritt 1942 mit 27 Jahren als Prokurist ins väterliche Unternehmen ein, heiratet im gleichen Jahr Liselotte. In der Nacht des 14. März 1945 hat er Glück im Unglück. In dieser Nacht fliegt die US-Luftwaffe Angriffe auf Homburg . Paul Weber will ursprünglich an einer Veranstaltung im Saalbau teilnehmen, bleibt auf Bitten seiner Frau aber fern und entgeht damit einer Katastrophe. Saalbau, große Teile der Stadt und der Brauerei werden zerstört.1946 stirbt Vater Richard. Ab Mitte der 40er Jahre ist Paul Weber gemeinsam mit Philipp Klein geschäftsführender Gesellschafter von Karlsberg. Er lehnt den damals vorherrschenden autokratischen Führungsstil ab und strebt die Umwandlung des Betriebs in eine mitarbeitergeführte Unternehmung an. Ab 1949 beginnt das erfolgreiche Geschäft in Frankreich. 1953 führt Weber in der Brauerei das Sozialwerk ein. Seit 1962 ist er alleiniger Gesellschafter. 1970 wird Ur-Pils neue Premiummarke des Hauses und zum "Vorzeigepferd". 1974 tritt Sohn Richard in die Brauerei ein. Der Bierausstoß überschreitet die Eine-Million-Hektoliter-Marke. 1977 großes Bundesverdienstkreuz für Paul Weber, 1980 Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Homburg . 1983 scheidet Paul Weber aus der Unternehmensleitung aus, die Geschäftsführung übernimmt Richard Weber . 1993 gründet Paul Weber gemeinsam mit seiner Frau die Stiftung Karlsberger Hof zur Förderung der Heimatkunde. Am 23. Oktober 1994 stirbt Paul Weber. pn