Ein Teddy stirbt niemals

Es ist der netteste Medizin-Termin im Jahr: Studenten behandeln Kuscheltiere in der Teddyklinik, die diesmal im Homburger Saalbau untergebracht war. Die Kinder sind begeistert, wenn sie ihren Teddy operieren dürfen.

Im Saalbau gibt's Kunst, Musik und Fastnachtsfeiern. Von Donnerstag bis Samstag wurde das Untergeschoss ausnahmsweise mal in ein Lazarett verwandelt. Und zwar freiwillig und mit Unterstützung des Homburger Oberbürgermeisters, der für die dreitägige Behelfsklinik für Kuscheltiere aller Art ein großes Herz hat: "Die Teddyklinik finde ich super."

Diese Meinung teilten auch die vielen Kinder, die ihre Eisbären, Wuschelhasen oder Dinoplüschis vertrauensvoll in die Hände der Medizinstudenten gaben. Die waren zahlreich erschienen und hatten mindestens so viel Spaß an diesem ungewöhnlichen Termin wie die Kinder. Mitgekommen war Studiendekan Professor Norbert Graf, der sich lobend über seine jungen Leute äußerte: "Hier sieht man, dass sie für ihren künftigen Beruf schon mal üben".

Kein Wunder, denn alles war so organsisiert, wie später auch in der Praxis abläuft - erst zum Empfang, dann weiter zur Behandlung und im Notfall in den OP. Für den OP wurden die Kinder mit Mundschutz und Mützchen verkleidet und durften unter Anleitung des Teddy-Oberarztes einen braunen Wuschelpatienten operieren. Aufgeschnitten wurde er natürlich nicht, aber das Gegenteil ist öfter der Fall: "Wenn irgendwo am Teddy eine Naht aufgerissen ist, nähen wir die mit OP-Faden wieder zu", sagt Eduard Kruchten, der inzwischen schon echte Patienten behandelt, denn er ist mit dem Studium so gut wie fertig. Auch er hat jahrelang die Teddyklinik betreut und dabei nur gute Erfahrung gemacht: "Wir haben Rückmeldungen von Eltern, dass Kinder nun eher ihre Medizin nehmen oder keine Angst mehr vor dem Impfen haben." Er selbst sei ein Freund der Teddy-Reihenimpfung: "Bei mir dürfen die Kinder ihre Kuscheltiere alle mal richtig impfen, mit echten Spritzen und Wasser." Und eine Grundregel sei ganz wichtig: Kein Teddy stirbt. Dafür sorgten auch die Malteser, die mit dem Rettungswagen vor Ort waren und zeigten, dass sie im Notfall schnell zur Stelle sind und helfen können. Was für die Kinder sehr beruhigend klang.