Ein Sichtschutz gegen Gaffer

Wenn ein Unfall passiert, dann behindern Schaulustige häufig nicht nur die Arbeit. Sie machen auch Filme und Fotos, die dann übers Internet verbreitet werden. Darauf wies Homburgs OB jetzt bei der Präsentation von zwei Sichtschutzwänden der Homburger Feuerwehr hin.

Wenn es irgendwo einen Unfall, Brand, Verletzte gibt, dann sind sie inzwischen ein leidiger Bestandteil von Einsätzen der Feuerwehr, der Polizei und der Rettungsdienste: Gaffer.

Sie gehören schon seit jeher zum Geschehen an einer Unfallstelle, mit dem Aufkommen von Smartphones und mobilem Internet hat sich der Charakter der Gaffer aber verändert: Mit dem Handy wird gefilmt, was nur Sekunden später als "Neuigkeit" durch die sozialen Netzwerke rauscht. Beim Versuch, einen Blick auf das Unglück zu erhaschen, werden da auch nicht selten die Einsatzkräfte behindert - in der Vergangenheit kam es andernorts auch schon zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen denen, die helfen müssen und wollen und denen, die vor allem ihre Sensationsgier befriedigen. Dass zudem auch noch die Persönlichkeitsrechte derer verletzt werden, die unmittelbar von einem Unfall betroffen sind, kommt mehr als erschwerend hinzu.

Die Feuerwehr Homburg hat angesichts solcher Szenarien nun zu einem technischen Hilfsmittel gegriffen, das man von Tatort-Absperrung von Tatorten seitens der Polizei schon kennt. Das Stichwort: Eine stabile Sichtschutzwand, kurz: Gaffer-Wand

In dieser Woche nun stellten Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind und der Wehrführer der Homburger Feuerwehr, Peter Nashan, im Beisein einiger Löschbezirksführer eine der beiden neuen, drei auf 1,80 Meter großen Trennwände und ihre Verwendung bei Unfällen vor. Die Unsitte, bei Unfällen zu fotografieren und zu filmen, habe inzwischen ein gravierendes Ausmaß angenommen, wies Schneidewind anlässlich der Präsentation auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte von Verletzten und Einsatzkräften hin. Innerhalb von Minuten seien Aufnahmen im Netz und verbreiteten sich über die sozialen Netzwerke, so der Oberbürgermeister. In der Gesellschaft seien bei vielen fast alle Hemmungen komplett verloren gegangen: "Es gibt kein Schamgefühl". Mit ihrem Verhalten provozierten die Gaffer nicht nur weitere gefährliche Situationen und Auffahrunfälle, sondern behinderten auch die ehrenamtliche Arbeit der Feuerwehrleute sowie der Sanitätskräfte. Doch die Feuerwehr hat es bei der Anschaffung der beiden Sichtschutzwände nicht dabei belassen, einfach nur eine visuelle Barriere zu schaffen. So prangen in großen Lettern die Sätze "Nicht gaffen! Mitglied werden!" auf der Plane, gepaart mit einem Symbol "Daumen nach unten" und einem Hinweis auf die Homburger Feuerwehr. Dies sei, so der Oberbürgermeister, auch eine klare Aussage, "dass wir das Verhalten von Gaffern nicht dulden". Ob man allerdings die, die gaffen, tatsächlich in den Reihen von Feuerwehr oder Rettungsdienst sehen will, das steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. In welchem Umfang erlebt die Homburger Feuerwehr das Phänomen der Gaffer?

Nashan: Das passiert schon des Öfteren, dass wir bei der Rettung von Menschen ohne Rücksicht auf die Betroffenen und auf uns als Einsatzkräfte gefilmt und fotografiert werden. Diese Daten landen dann im Internet und stellen eine zusätzliche Belastung für alle dar. Deswegen sind diese beiden neuen Sichtschutzwände dringend nötig.

Welchen Zweck verfolgt die Feuerwehr mit dem Aufdruck "Nicht gaffen! Mitglied werden!"?

Nashan: Wir wollten damit schon ein bisschen provozieren und zum Nachdenken animieren. Und natürlich ist es auch ein bisschen Eigenwerbung für uns. Nicht alle, die an einer Unfallstelle vorbeikommen, sind Gaffer. Und möglicherweise können wir so den einen oder anderen für die Feuerwehr interessieren.

Die Gaffer sind aber nicht das einzige Problem, mit dem sich die Feuerwehr und andere Einsatzkräfte beschäftigen müssen, oder?

 Homburgs OB Rüdiger Schneidewind (Zweiter von rechts) stellte zusammen mit Vertretern der Homburger Feuerwehr eine der beiden neuen Sichtschutzwände vor. Foto: Stadt Homburg/Reichhart
Homburgs OB Rüdiger Schneidewind (Zweiter von rechts) stellte zusammen mit Vertretern der Homburger Feuerwehr eine der beiden neuen Sichtschutzwände vor. Foto: Stadt Homburg/Reichhart Foto: Stadt Homburg/Reichhart

Nashan: Nein, auch das Thema der Rettungsgasse ist für uns wichtig. Das scheint im Saarland einfach nicht so gut zu funktionieren. Und das stellt die Fahrer unserer Fahrzeuge vor große Schwierigkeiten. Denn es ist nicht leicht, ein Fahrzeug mit 15 Tonnen Gewicht im Schnitt bei einem Tempo zwischen 50 und 70 Stundenkilometern abzubremsen, wenn die Fahrbahn durch zivile Fahrzeuge blockiert ist.