Ein neuer, teurer Standort

Die Freude war groß, als die Musikschule im vergangenen Jahr in ihre neuen, schicken Räume in Erbach einziehen konnte. Doch sie wird gut ein Jahr später stark getrübt, denn die Kosten für die städtische Einrichtung sind sehr hoch.

Als der Homburger Stadtrat kürzlich und im zweiten Anlauf den Haushalt der Stadt auf den Weg gebracht hat, hat er auch erneut eine finanzielle Unterstützung der neuen städtischen Musikschule in Erbach in Höhe von rund einer halben Million Euro beschlossen. Vor dem Hintergrund der Haushaltsmisere Homburgs, dadurch nötiger Steuererhöhungen und Einsparungen, mehrt sich nun die Kritik am Betrieb der Musikschule. Doch wie viel kostet dieser "weiche Standort-Faktor" den Steuerzahler tatsächlich?

Auf Anfrage unserer Zeitung fasste Pressesprecher Jürgen Kruthoff alle wesentlichen Zahlen zusammen, von den Kosten für den eigentlichen Neubau in Erbach bis zu den Aufwendungen für den laufenden Betrieb. "Insgesamt wurden genau 5 690 568,97 Euro investiert, für die Bestandsgebäude, den Verbindungsbau, die Aula, die bisherige Gestaltung des Außengeländes sowie den Parkplatz mit Zufahrt." Dabei habe der städtische Anteil 3 622 470,19 Euro betragen. "Dieser Betrag ergibt sich aus den kalkulierten Zuschüssen von 2 068 098,78 Euro und ist noch vorläufig, da die Abrechnungsbescheide noch nicht vollständig vorliegen." Mit dieser Bausumme wurde der Neubau der Musikschule noch vor ihrer Eröffnung zu einer finanziellen Herausforderung, lagen die ursprünglich geschätzten Kosten doch deutlich niedriger (wir berichteten).

Doch mit diesen Baukosten ist es noch nicht getan, jährlich muss die Stadt die Musikschule mit hohen Beträgen subventionieren. Hier nannte Jürgen Kruthoff folgende Zahlen: 2012 seien 557 975 Euro geflossen, im Jahr 2013 dann 643 330 Euro , im Jahr darauf 677 368 Euro und 2015 rund 819 000 Euro , "hier ist die Abrechnung noch nicht vollständig abgeschlossen". Für das laufende Haushaltsjahr sei ein Betrag von 850 000 Euro vorgesehen. Die beiden letzten Abrechnungsjahre betreffen den neuen Standort. Diese Summen ergäben sich aus den Personalkosten sowie aus den Kosten für den laufenden Betrieb. Auf dem Personaltableau fänden sich, wie Kruthoff erläuterte, 19 qualifizierte Lehrkräfte und weiteres Personal, im Detail "14 Lehrkräfte im öffentlichen Dienst, vier Honorarkräfte, eine hauptamtliche Sekretärin, ein hauptamtlicher Hausmeister und eine hauptamtliche Schulleiterin mit Unterrichtstätigkeit".

Mit diesen Kräften würden im eigentlichen Kernaufgabenbereich derzeit 350 Schüler im Einzel- und Gruppenunterricht ausgebildet. Dies sei eine leichte Steigerung zu den Zahlen am alten Standort an der Gerberstraße. Der Kernauftrag, so Kruthoff, sei aber nicht die einzige Lehrtätigkeit. "In den Kooperationen unterrichten Lehrkräfte der Musikschule in vier Kindertagesstätten - Du Bonheur, Albert-Schweitzer-Kindergarten, Charlottenburger Kindergarten, Kinderhaus Reiskirchen - 190 Kinder wöchentlich in der musikalischen Früherziehung." Zusätzlich gebe es weitere Kooperationen mit Schulen und Senioreneinrichtungen. "Insgesamt werden wöchentlich rund 300 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von Lehrern der Musikschule in den Kooperationen unterrichtet und betreut." Damit unterrichte die Musikschule derzeit wöchentlich insgesamt 650 Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Jenseits der reinen Zahlen bewertete Kruthoff den Auftrag der Musikschule so: "Sie ist ein Ort des Musizierens, der Musikerziehung und der Musikpflege, ein Ort der Kunst und Kultur, ein Ort für Bildung und Begegnung. Allerdings einer, der Veranstaltungen vorbehalten bleibt, die unmittelbar in Zusammenarbeit mit der Musikschule stattfinden." Ein öffentlicher Konzertort ist die neue Aula demnach nicht.