Ein junger Heimatfilm

Homburg. Kevin Bortscher muss sich auf die Zehenspitzen stellen, wenn er durch den Sucher der Videokamera blicken will. "Das ist gar nicht einfach", sagt der 12-Jährige, die Kamera langsam schwenkend. Im Sucher sieht er die Häuser am Homburger Marktplatz vorbeiziehen. Doch die Kamera bleibt immer wieder ruckend hängen

 Octavian Mariutiu (rechts) hilft Kevin Bortscher beim Filmen. Im Hintergrund Matthias Monzel (v. r.), Nina Rüter, Luisa Maurer, Jessey Jan Meyer, Max Bach und Marc Marschall. Foto: ith

Octavian Mariutiu (rechts) hilft Kevin Bortscher beim Filmen. Im Hintergrund Matthias Monzel (v. r.), Nina Rüter, Luisa Maurer, Jessey Jan Meyer, Max Bach und Marc Marschall. Foto: ith

Homburg. Kevin Bortscher muss sich auf die Zehenspitzen stellen, wenn er durch den Sucher der Videokamera blicken will. "Das ist gar nicht einfach", sagt der 12-Jährige, die Kamera langsam schwenkend. Im Sucher sieht er die Häuser am Homburger Marktplatz vorbeiziehen. Doch die Kamera bleibt immer wieder ruckend hängen. "Ich muss aufpassen, dass nicht gegen das Stativ komme", klagt er. "Ich hab zwar schon gefilmt. Aber hier machen wir einen richtigen Film."Einen richtigen Film, den haben in diesen Osterferien sechs Jugendliche im Alter von elf bis 15 Jahren bei einem Workshop der Jugendkulturwerkstatt Beats & Bytes des Internationalen Bunds (IB) in Homburg gedreht. Wobei dieser Film weniger durch die Länge - er dauert nur vier Minuten - als durch den Einfallsreichtum seiner Produzenten definiert wurde. Unter dem Arbeitstitel "Meine Stadt" machten sich die jungen Filmschaffenden daran, innerhalb von drei Tagen ein Konzept zu erstellen, in der Stadt auf MiniDV zu drehen und schließlich das Material im IB-eigenen Studio mit dem semiprofessionellen Computerprogramm AdobePremiere zu schneiden und zu vertonen. "Den Titel haben wir gewählt, damit etwas persönliches in den Film reinkommt", sagte Workshop-Leiter Octavian Mariutiu. Der 25-Jährige, der bereits zwei Filmprojekte in Homburg leitete, hatte den Fokus bewusst weit gefasst, damit die Teilnehmer möglichst viel Raum zur Improvisation und Identifikation haben würden. "Man wird geprägt von seiner Stadt, prägt die Stadt aber auch selbst. In dem Film soll jeder ein Stück von sich selbst ausdrücken." Drehorte waren unter anderem die Schlossberghöhen, die Innenstadt mit Marktplatz und Fußgängerzone sowie die Birkensiedlung. Besonders kreativ betätigten sich Luisa Maurer (13) und Nina Rüter (14). Obwohl die Großcousinen aus Quierschied stammen, reimten sie gemeinsam einen Rap auf Homburg, frei nach dem Motto: "Willst du eine wundervolle Stadt sehen? Dann musst du nur nach Homburg gehen." Zudem steuerte Kevin Bortscher ein paar Zeilen über die Birkensiedlung hinzu. Alle drei gingen nach Abschluss der Dreharbeiten ins Tonstudio, wo sie ihre Zeilen einsangen, mit einem Instrumentalstück mischten und schließlich als Soundtrack zum Film hinzufügten. Letztlich gab es aber zwei Versionen - mit und ohne Gesang -, die auf DVD gebrannt und von jedem Teilnehmer mit nach Hause genommen wurden.Öffentliche Premiere wird der Videoclip demnächst im Internet feiern. Auf dem Homepage www.saarclip.de, dem gemeinsamen Videoportal von Juz-United und dem Jugendserver-Saar, soll der Film bald zu sehen sein. Gegenwärtig ist dort bereits der Clip "Es gibt kein Ausweg, aus diesem scheiß Leben" zu sehen, der im Rahmen des Jugendfilmwettbewerbs Zoom entstand. "Das wird sicherlich nicht der letzte Film bleiben", sagte Octavian Mariutiu. "Wir suchen Leute für eine permanente Filmgruppe. Wenn die steht, werden wir noch vieles mehr produzieren." "In dem Film soll jeder ein Stück von sich selbst ausdrücken." Octavian Mariutiu

Auf einen BlickDie Jugendkulturwerkstatt Beats & Bytes des Internationalen Bunds wurde im Oktober 2008 in der Kaiserstraße 41 in Homburg eröffnet. Es handelt sich dabei um ein Jugendkulturprojekt, welches durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, den Saarpfalz-Kreis und die Stadt Homburg gefördert wird. Beats & Bytes umfasst verschiedene Werkstattbereiche, die sich mit der Jugendkultur des Hip-Hop und verwandter Stile beschäftigen. So gibt es Seminare zu Rap, Tanz, Graffiti, Multimedia und Video. Die Angebote richten sich an Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund. Kontakt unter Tel. (06841) 9 59 68 23. ith