Ein echter Kaufmann geht in Rente

Homburg · Der Schwabe Franz Folz war sechs Jahre lang der Herr der Zahlen am Bosch-Standort in Homburg. Er hat sich in den Ruhestand verabschiedet, auf ihn folgt Karin Gilges. Sie ist übrigens keine Schwäbin. Dafür bleibt der technische Leiter, Thomas Gönner, als einziger Schwabe an der Spitze erhalten.

 Stabwechsel an der Spitze des Bosch-Werks: Franz Folz (links) geht nach 30 Jahren bei Bosch, davon sechs Jahre in Homburg, in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin ist Karin Gilges. Thomas Gönner, der technische Leiter des Homburger Werks, bleibt der Firma noch einige Jahre erhalten. Foto: Stegentritt

Stabwechsel an der Spitze des Bosch-Werks: Franz Folz (links) geht nach 30 Jahren bei Bosch, davon sechs Jahre in Homburg, in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin ist Karin Gilges. Thomas Gönner, der technische Leiter des Homburger Werks, bleibt der Firma noch einige Jahre erhalten. Foto: Stegentritt

Foto: Stegentritt

Ein "BWL-er" kann jeder sein, der sich irgendwann einmal mit dem Fach Betriebswirtschaft beschäftigt hat. Ein "gestandener Kaufmann" zu sein ist hingegen ein Lob , das man sich erst erarbeiten muss.

Franz Folz, der 2009 als kaufmännischer Leiter an die Bosch-Niederlassung nach Homburg kam, gehört zur Sorte der "gestandenen Kaufleute". Seinen Ritterschlag bekam der promovierte Wirtschaftsingenieur in der "kaufmännischen Revision" im Stuttgarter Hauptsitz von Bosch, erklärte Thomas Gönner, der technische Leiter des Homburger Bosch-Werkes, der zusammen mit Franz Folz in den vergangenen sechs Jahren das Schicksal der Homburger Niederlassung gelenkt hat.

Nun geht Franz Folz in den Ruhestand (wir berichteten kurz), und seine Kollegen und Weggefährten ließen am Freitag anlässlich einer kleinen Feierstunde nicht nur sein Berufsleben , sondern auch das der Firma Bosch Revue passieren.

Das liegt nahe, da sich in einem Berufsleben - Franz Folz war immerhin 30 Jahre für Bosch tätig - der Arbeitgeber nicht vom Privatleben trennen lässt. Zumal die Arbeit auch Umzüge und Länderwechsel mit sich brachte, Folz war unter anderem in Wales und in Südafrika tätig, Homburg folgte erst am Schluss seiner beruflichen Laufbahn. Mit dem Ergebnis, dass Franz Folz und seine Frau hier Wurzeln geschlagen haben und weiterhin in Einöd wohnen bleiben wollen.

Dass Bosch für viele Mitarbeiter nicht nur ein Arbeitgeber , sondern auch eine Art Identität darstellt, betonte Karin Gilges, die zum 1. Januar 2016 die Nachfolge von Folz antritt: "Bosch ist für mich die beste Firma der Welt". Sie spricht übrigens kein Schwäbisch, sondern kommt aus Unterfranken; seit einigen Tagen wohnt sie ebenfalls in Einöd. "Ich bin gerade dabei, das Saarland zu entdecken", sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Und was sie bisher gesehen hat, gefällt ihr: "Ich freue mich auf meine Arbeit und auf meine neue Umgebung."

Die wirtschaftliche Situation, der sie sich stellen muss, wird nicht einfach sein, denn derzeit stehen die Dieseltechnologie und damit auch die Einspritzpumpen auf dem Prüfstand. Bisher gebe es in Homburg aber keinen Anlass zu Befürchtungen, "wir sind am Standort Homburg gut ausgelastet und arbeiten auch über die Weihnachtsfeiertage im Schichtbetrieb", betonte Bosch-Pressesprecher Timm Stegentritt.

Lob für Franz Folz gab es von einem weiteren, ebenfalls schwäbischen Kaufmann, nämlich von Ulrich Kerle, dem kaufmännischen Direktor des Uniklinikums. Denn Franz Folz ist Mitglied des Aufsichtsrats des Universitätsklinikums und inmitten von Ärzten und Politiker "derjenige, der mit Zahlen umgeht", so Kerle, "er ist ein Kaufmann, auf den man hört". Dass auch der Betriebsratsvorsitzende Dieter Klein den scheidenden Bosch-Direktor lobte - "aber nicht zu viel, sonst ist es auch nicht gut" - zeigte, dass die faire Zusammenarbeit mit der Belegschaft für Folz immer ein Anliegen war. Kleins Tipp: "Sie sollten als Rentner jetzt auf ihre Frau hören, das ist kein Schaden."

Vom Schwaben Thomas Gönner gab es am Ende ein echt schwäbisches Lob für die positive Entwicklung des Homburger Bosch-Werkes in den vergangenen sechs Jahren: "Es war net schlecht".

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