Kolumne: Ein Bonbon für den Verteidiger

Kolumne : Ein Bonbon für den Verteidiger

Am 5. Prozesstag gegen Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind schlug am Freitag die Stunde der Verteidigung. Oder vielmehr schlugen die Stunden. Der Rechtsanwalt des OB hatte eine Fülle von Anträgen gestellt, ging es aus seiner Sicht doch darum, die Argumente eines Sachverständigen zu entkräften, der im Auftrag des Gerichts ein Gutachten erstellt hatte.

Dieses Gutachten sollte zur Schadensberechnung herhalten und kam zu dem Schluss, dass die Stadt viel zu viel Geld an die Düsseldorfer Detektei gezahlt habe. Nimmt man den Schnitt, waren es demnach gar 141 000 Euro. Der Verteidiger sieht aber zu viele Fehler bei der Preisermittlung. Deshalb wollte er den Sachverständigen als befangen erklären lassen und das ganze Verfahren aussetzen. Das Gericht wies jedoch diese beiden Anträge ebenso zurück wie ein weiteres Dutzend Anträge – bis in die Abendstunden. Immer wieder gab es Sitzungsunterbrechungen, alle Verhandlungsteilnehmer wurden auf eine harte Probe gestellt.

Das Vortragen der zig Anträge hinterließ auch beim Verteidiger seine Spuren, versagte ihm am Nachmittag immer mehr die Stimme, sodass ihm der Richter gar mit einem Lutschbonbon helfend zur Seite sprang.

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