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Homburger Sinfonieorchester: Ein Bogen von Schumann zu Copland

Homburger Sinfonieorchester : Ein Bogen von Schumann zu Copland

In seinem Konzert am Sonntag, 13. Mai, präsentiert das Homburger Sinfonieorchester eine große Bandbreite. Solist ist der Pianist Alfonso Gómez. Über das Programm und weitere Projekte sprach vorab Dirigent Jonathan Kaell.

Von Ulrike Stumm

Der Frühling beginnt für das Homburger Sinfonieorchester klassischerweise mit einem großen Konzert. Das ist auch diesmal so. Am Sonntag, 13. Mai, 18 Uhr, kann man sich auf ein spannendes Programm einlassen mit Stücken von Robert Schumann über Aaron Copland bis zu Dimitrij Schostakowitsch. Einen Gast haben sich die Musiker ebenfalls eingeladen: den spanisch-deutschen Pianisten Alfonso Gómez. Er ist derzeit Vertretungsprofessor an der Hochschule für Musik Freiburg und Dozent an der staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart. Sieben CDs hat er bis dato eingespielt.

Wie es zum Programm kam, hat viel mit Wünschen und manchmal auch damit zu tun, dass es einfach gerade gut passt. Das kristallisiert sich ziemlich klar heraus, wenn der musikalische Leiter des Orchesters, Jonathan Kaell, und Angela Bay aus dem Vorstand, über das Konzert und weitere Projekte in diesem Jahr sprechen.

Da ist zum einen Schumanns vierte Sinfonie. Diese wurde auch deswegen aufgegriffen, weil es ein „dringender Wunsch“ aus dem Orchester gewesen sei, sagt Kaell. Und „irgendeine Schumann-Sinfonie“ war ohnehin einmal fällig“, fügt er ein bisschen augenzwinkernd hinzu. Da das Landesjugendorchester Saar bereits dessen Frühlingssinfonie auf die Bühne gebracht hat und man hier nicht ins Gehege kommen wollte, fiel die Wahl auf die vierte Sinfonie, die genau genommen seine zweite sei, publiziert 1841, überarbeitet 1851. Am Anfang habe man damit etwas gefremdelt. Sie sei durchaus auch spröde, die Orchestrierung komme ein bisschen viereckig daher, umschreibt Kaell. Doch wenn man das Stück nicht mehr rein von außen betrachte, es kenne, lasse sich leichter abschätzen, wo Schumanns Tonsprache anfange, wo der Standard aufhöre. Sie sei anspruchsvoll und eingängig zugleich – und vor allem: charmant.

Der nächste Komponist im Dreier-Reigen, Aaron Copland, stand hingegen auf Kaells eigener „inoffiziellen Wunschliste“ für sein Orchester, die eigentlich mehr eine Zusammenstellung der Stücke sei, „die ich gefühlt einmal machen will in den nächsten Jahren“. Bei allem Wünschen ist Kaell aber auch Realist, schaut auf diejenigen, die hier spielen. Es komme, erläutert er, immer darauf an, welche Leute ins Orchester kommen, wer weggeht und wie sich diejenigen entwickeln, die aktiv sind. „Die Holzbläser sind im Moment eine sehr starke Fraktion“, so Kaell. Und mit Coplands „Appalachian Spring“ habe er hier offene Türen eingerannt. „Alle Holzbläser haben sich sehr gefreut.“ Coplands Orchestersuite habe eine gewisse Ästhetik, einen Realismus, eine Nüchternheit. Sie sei stark den Traditionen verpflichtet beachte man die Zeit, in der sei entstanden sei. Dafür war sie „fast reaktionär“. Für die Streicher ergebe sich eine sehr perkussive Herangehensweise, stark vom Klavier her gedacht mit großen Sprüngen, Intervallen, die nicht besonders Streicher freundlich seien, erläutert Kaell. Insgesamt sei das Stück sehr gut orchestriert. Auch interessant: Im Original wurde es für eine kleine Besetzung von 13 Musikern geschrieben.

Diese „Kammerorchester“-Besetzung wird auch in Homburg zu hören sein, allerdings nicht im Sinfoniekonzert im Mai, sondern einen Monat später, wenn das Orchester ein weiteres Mal zum Familienkonzert einlädt. Hier wird die Musik dann, wie bereits bei den vorangegangenen Familienkonzerten geschehen, mit Tanz und Bewegung kombiniert. Mit ins Boot geholt hat man sich die Ballettabteilung der Homburger Narrenzunft (HNZ) und das Bewegungstheater des Mannlich-Gymnasiums. Die tänzerische Komponente passt deswegen gut, da hinter der Orchestersuite ursprünglich ein Ballett steckt, das Copland 1944 für die bekannte Tänzerin und Choreographin Martha Graham schrieb und zunächst als „Ballet for Martha“ betitelt. Die Handlung des Balletts erzählt von amerikanischen Pionieren, insbesondere vom Alltag eines jung verheirateten Paares. Übrigens hatte Copland selbst die Idee für den „neuen“ Namen Appalachian Spring.

Und warum wandert das Familienkonzert nach dem Ausflug in den November im vergangenen Jahr wieder in den Sommer?  „Wir müssen den Termin dafür dann setzen, wenn wir ein attraktives Stück haben“, erklärt Kaell. Das soll idealerweise etwas sein, das aus dem Programm eines der großen Konzerte aufgegriffen werden kann. Der Ausflug in den November habe zudem gezeigt: Im Winter werde es nicht besser angenommen als im Sommer.

 Ein weiteres  Stück des Abends, das zweite Klavierkonzert von Dimitrij Schostakowitsch, interpretiert das Orchester gemeinsam mit dem Pianisten Alfonso Gómez. Der Komponist schrieb dieses Werk für seinen Sohn Maxim, als dieser seine Prüfung am Moskauer Konservatorium ablegte. Der sollte dabei, so Kaell, etwas haben, um seine Virtuosität zu beweisen. Das geschehe zwar auf eine etwas marktschreierische Weise. Jedoch entfache es in seiner kompakten Form jenes Feuer, das auch die großen Sinfonien von Schostakowitsch prägt und lasse die charakteristische kompositorische Sprache Schostakowitschs hervortreten. Es sei, so Kaell, ein gutes Stück zum Einstieg in dessen Musik

Wer sich also am 13. Mai darauf einlassen möchte, der kann sich auf ein abwechslungsreiches Programm freuen.

Und wer mehr hören möchte, der hat in diesem Jahr dazu weitere Gelegenheiten: Dem Familienkonzert am 16. Juni folgt das Klassik-Open-Air am 17. August. Im November steht dann das Requiem von Johannes Brahms auf dem Konzertkalender. Dazu sind Siegerstücke für Chor und Orchester aus dem etwas modifizierten Kompositionswettbewerb der Stadt Homburg (Bericht folgt) zu hören, den es in diesem Jahr wieder geben wird.