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Partnergemeinde: Ein Blumenbesuch am Atlantik

Partnergemeinde : Ein Blumenbesuch am Atlantik

Eine Delegation aus Homburg und aus der Biosphäre Bliesgau war zu Besuch in der Partnerstadt La Baule. Das kleine Örtchen Batz möchte sich gern mit einer Gemeinde in unserer Biosphärenregion verbandeln.

Adeline L‘Honen ist begeistert von der Biosphäre Bliesgau, obwohl sie noch nie dort war. Allerdings hat sie viel davon gehört. Sie ist Bürgermeisterin in Batz sur mer, einem wunderschönen Fischerdorf in der südlichen Bretagne. In der Nachbarstadt La Baule – der französischen Partnerstadt von Homburg – ist die Biosphäre ein Thema.

Ein so interessantes Thema sogar, dass die La Bauler zum diesjährigen Gartenmarkt eine Gruppe aus der Biosphärenregion eingeladen hatten. Doris Kratkey, die Vorsitzende des Vereins Bliesgau Genuss, hatte sogar einen Stand mit Biosphärenprodukten aufgebaut. Mit dabei der Homburger Umwelt-Abteilungsleiter Dieter Dorda, Helmut Wolf vom Saarforst und Peter Gaschott, ebenfalls vom Verein Bliesgau Genuss. Begleitet wurde die Gruppe von der Homburger Partnerschaftsbeauftragten Simone Lucas.

Zurück zu Adeline L‘Honen. In ihrer Stadt ist Nachhaltigkeit ein großes Thema. Auf der einen Seite das Meer mit einer berauschend schönen Küste, auf der anderen Seite endlose Salzfelder. Dort wird das Meersalz gewonnen, das Feinschmecker auf der ganzen Welt begeistert. „Das Salz unserer Nachbargemeinde Guérande ist überall bekannt, das Meersalz aus Batz sur mer ist dem ebenbürtig – wobei wir in Batz sogar noch größere Mengen produzieren“, erzählt die Bürgermeisterin.

Nachhaltigkeit ist bei den Küstenbewohnern oftmals Selbstschutz. In einer Gemeinde, die übers Jahr gut 3000 Einwohner hat, in der Hauptsaison aber mehr als das zehnfache – da ist Umsicht bei der Planung geboten. Strikt geregelt sind Flächen, auf denen die Natur sich entwickeln kann. Der Umweltverband Cap Atlantique, dem auch Batz sur mer angehört, wacht streng über die umweltverträgliche Stadtentwicklung.

Batz sur mer sucht eine Partnergemeinde. Die sollte, wenn möglich, in einer Biosphärenregion liegen, denn im Bereich der Nachhaltigkeit dürfte es viel Gesprächsstoff geben. Und wenn die Gemeinde in der hiesigen Region läge – umso besser, denn die Partnerstädte von Homburg, Bexbach und St. Ingbert sind ebenfalls nicht weit entfernt von Batz sur mer.

Für die deutsche Stadt wäre Batz sicherlich ein Traumpartner – allein schon für Freunde der bretonischen Küste und der Lebensart der Bretonen. Die französische Lebensart – sie wurde auch deutlich beim Blumenmarkt in La Baule. Ursprünglich konzipiert als reine Pflanzenbörse, hat sich La Baule en fleurs gemausert zu einer regelrechten Umweltmesse. Denn auch Umweltverbände der Umgebung sind mit dabei. Träger der Messe ist die Gärtnerei der Stadt La Baule, Fachleute also, die ihr Metier verstehen. Und überregional anerkannt, denn La Baule hält im nationalen Wettstreit um Grün und Blumen einen Spitzenplatz, denn der Badeort gehört zu den 50 blumenreichsten Gemeinden Frankreichs.

Eine rigorose Baumsatzung sorgt überdies dafür, dass der parkähnliche Charakter des bis heute mondänen Strandbads erhalten bleibt. Wer einen Baum fällt, muss zwei neue pflanzen. Bäume pflanzen fällt den La Baulern recht leicht – auf der Pflanzenbörse gab es kostenlos Setzlinge zum Mitnehmen. Das Team der Gärtnerei zeigte sich bestens aufgestellt: mit Pflanzen, mit guten Tipps und mit praktischer Hilfe. „Eine tolle Mannschaft, hoch motiviert und kompetent“, lobte der Umweltbeigeordnete Philippe Gervot, der sich vor Ort um die saarpfälzische Gruppe kümmerte und auch immer den Kontakt zur Homburger Partnerschaftsbeauftragten Simone Lucas hält.

Die deutschen Gäste – allen voran Doris Kratkey mit ihrem Biosphären-Stand – sahen sich vielen neugierigen Besuchern gegenüber. Ganz großer Hingucker war dabei der Bärlauch, l’ail des ourses genannt, den Kratkey dabei hatte. Auf dem Sandboden des Atlantiks wächst er überhaupt nicht, aber man kennt ihn vom Hörensagen. Kein Wunder, dass die Bärlauchvorräte am Stand nicht lange reichten. So, wie die Bretonen über saarpfälzischen Bärlauch staunten, waren die deutschen Besucher aus dem Häuschen, als sie den Gemüseproduzenten Huitric in Guérande besuchten. Der baut auf dem salzigen Boden neben den Meersalzfeldern Kräuter, Salat und Gemüse an, ohne dabei Chemie einzusetzen und erzeugt dabei Aromen kaum gekannter Intensität. Er beliefert fast alle französischen Sterneköche, außerdem den Elyséepalast. Und er zeigt, dass das konsequente Umweltdenken in der Region sich auch wirtschaftlich auszahlt.

Hervé Huitric züchtet Kräuter und Gemüse in Guérande. Den Saarländern erläuterte er seine Anbauweise. Zweite von links ist die Homburger Partnerschaftsbeauftragte Simone Lucas. Foto: Peter Gaschott
Adeline L‘Honen (Mitte) zeigte Besuchern aus der Biosphäre Bliesgau ihre Stadt Batz sur mer. Sie sucht Kontakt zu einer Gemeinde in der Saarpfalz. Foto: Peter Gaschott Foto: Peter Gaschott

Resümee der saarpfälzischen Reisenden: Wenngleich das Lebensumfeld der mondänen Atlantik-Strandbäder mit dem der Biosphäre Bliesgau überhaupt nicht zu vergleichen ist, so sind die Nachhaltigkeitsziele überall gleich. Und spannend ist es, voneinander zu lernen. So soll der Kontakt zwischen beiden Regionen nicht abreißen – und die Deutschen wollen die Region um La Baule weiterhin begleiten, denn dort ist man fest entschlossen, ebenfalls den Status des Biosphärenreservates anzustreben. Viel Gesprächsstoff also, auch für die nächsten Besuche. Und hoffentlich eine weitere Partnerschaft.