Ein Austausch mit Hand und Fuß

Die Handwerkskammer des Saarlandes organisiert seit über 30 Jahren einen erfolgreichen deutsch-französischen Lehrlings-Austausch. Zur Zeit sind zwölf junge Handwerker aus der Normandie im Saarland zu Gast, drei davon arbeiten in saarpfälzischen Betrieben.

Erst wollten Enzo, Alexandre und Yohan gar nicht so recht weg von zu Hause. Nun würden sie am liebsten gar nicht mehr weg aus dem Saarpfalz-Kreis. Kein Wunder, denn hier gibt man sich viel Mühe, den jungen französischen Nachwuchs-Handwerkern einen schönen Aufenthalt zu bieten.

Seit 33 Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) und der Handwerkskammer de la Manche in Coutances in der Normandie. Es geht beiden Einrichtungen darum, jungen Leuten neue Perspektiven zu bieten und sie dazu zu animieren, auch mal über den Tellerrand hinaus zu blicken.

"Für Schüler an den Gymnasien wird viel für die deutsch-französischen Kontakte getan, für die Studenten gibt's Erasmus - und was gibt's für zukünftige Handwerker ?" fragt Justus Wilhelm von der Handwerkskammer des Saarlandes , der diesen Austausch leitet, "wir finden, dass gerade das Handwerk von einem regen Austausch der Ideen lebt. Deshalb bemühen wir uns, dass der Kontakt nach Coutances nicht abreißt."

Noch bis zum Sonntag besuchen nun zwölf Lehrlinge aus Frankreich das Saarland, drei davon sind in saarpfälzischen Betrieben beschäftigt: Beim Malerbetrieb Hauser in Bexbach, bei der Schlosserei Wack in Bexbach und beim Autohaus Becker in Homburg. Während Ihres zehntägigen Aufenthalts erhalten die jungen Franzosen auch die Möglichkeit, das Saarland näher kennen zu lernen.

Die meiste Zeit ihres Aufenthaltes sind die angehenden Handwerker aber in den Betrieben tätig, um sich mit der dortigen Ausbildung vertraut zu machen. Die im Austausch vertretenen Handwerksberufe kommen aus den Bereichen Maler und Lackierer, Kfz-Mechatroniker, Tischler, Bäcker und Konditor, Metallbauer, Friseur, Maurer, Lebensmittelfachverkäufer und Elektroniker.

Schlossermeister Josef Wack aus Bexbach ist ein überzeugter Anhänger des gegenseitigen Austausches: "Mein Sohn, der in meinem Betrieb gelernt hat, war auch schon mal im Rahmen dieses Autausches in der Normandie." Erst habe er nicht so recht gewollt, "doch am Ende kam er mit einem Koffer voller Käse zurück und war total begeistert". Ähnlich dürfte es den jungen Franzosen gehen, die derzeit im Saarland sind, "wir haben schon mit unseren Gästen geschwenkt, und morgen grillen wir Forellen", betont Josef Wack, der seinen Gast, den angehenden Metallbauer Alexandre Sollier, voll einspannt: "Zeichnungen und Zahlen lesen muss er in Frankreich auch, da gibt es keine Sprachbarrieren."

Derzeit hilft Alexandre mit, ein komplizertes Geländer zu fertigen. Auch Christine Hauser vom gleichnamigen Malerbetrieb hat ein Herz für Nachwuchshandwerker aus Frankreich: "Wir sind schon zum fünften Mal dabei und beteiligen uns immer wieder gerne an dem Austausch", sagt sie, "wir haben auch schon unsere Azubis nach Frankreich geschickt." Auch bei Hausers wird der derzeitige Gast Enzo Lepoil voll eingesetzt: "Er ist ja nicht in Urlaub, jedenfalls nicht nur", lacht Frau Hauser. Mit der Sprache hapere es zwar ein bisschen, "Aber wir kramen unser Französisch raus, der Rest geht über Hand und Fuß oder über elektronische Übersetzungshilfen." Der 21-jährige Daniel Hauser hat den 17-jährigen Enzo unter seine Fittiche genommen. Daniel hat im elterlichen Betrieb schon ausgelernt und kümmert sich gerne um den "netten Franzosen": "Er hat auf vier verschiedenen Baustellen mitgeholfen", erklärt Daniel. Dass die Gäste aus Frankreich direkt bei den Handwerker-Familien wohnen, hält Justus Wilhelm von der HWK neben der handwerklichen Tätigkeit im Betrieb für ein weiteres Standbein des Austausches: "Das hilft enorm, wenn man Land und Leute besser verstehen möchte."

Das gilt auch für Roland Becker vom Mazda- und Kia-Autohaus in Homburg. Sein Betrieb ist zum ersten Mal bei diesem Austausch dabei, und Roland Becker hat den 18-jährigen Gast Yohan Holley sofort "mit Familienanschluss" aufgenommen. Der junge Mann füge sich super in den Werkstattbetrieb ein, so Becker: "In einem Kfz-Betrieb ist ja vieles selbsterklärend, Yohan ist es ja auch in Frankreich gewöhnt, die Autos sauberzumachen oder den Kollegen zur Hand zu gehen." Es sei ohne Deutschkenntnisse natürlich nicht ganz einfach, "aber ich sehe, dass unser Gast sich bei uns trotzdem wohlfühlt." Am gestrigen Freitag war dann eine Delegation aus den beiden Handelskammern auf Besuchstour bei den gastgebenden Handwerkerfamilien. Es sei toll, dass die Betriebe bei diesem Autausch mitmachten, betonte Bernd Reis von der HWK: "Deshalb wollten wir uns bei allen persönlich bedanken.."

Zum Thema:

 Enzo Lepoil aus Coutances in der Normandie (links) nahm an einem Lehrlingsautausch teil, Gastgeber war Familie Hauser, die in Bexbach einen Malerbetrieb hat, rechts Daniel Hauser.
Enzo Lepoil aus Coutances in der Normandie (links) nahm an einem Lehrlingsautausch teil, Gastgeber war Familie Hauser, die in Bexbach einen Malerbetrieb hat, rechts Daniel Hauser.

Auf einen Blick Am heutigen Samstag, 15. Oktober, wird die französische Delegation, bestehend aus Vertretern der Handwerkskammer von Coutances und den zwölf Austausch-Lehrlingen, in der Staatskanzlei von Europaminister Stephan Toscani empfangen. Der Lehrlingsaustausch mit der französischen Partnerkammer sei ein sichtbares Zeichen für das gelebte Miteinander und passe hervorragend in die Frankreichstrategie der Landesregierung, so HWK-Präsident Bernd Wegner . red