Ein Abend voller widerspenstig wirkender Texte

Ein Abend voller widerspenstig wirkender Texte

Kirkel-Neuhäusel. Kämpferische Stimmung verbreiteten die Akteure beim Konzertabend mit Liedermachern und Kabarettisten im Bildungszentrum der Arbeitskammer. Die Fachbereiche Gesundheit und Sozialversicherungswesen in der Gewerkschaft ver.di hatten dazu eingeladen, unter dem Motto "Gegendruck". "Ich bin erfreut über die Kulisse", sagte Fachbereichsleiter Thomas Müller

Kirkel-Neuhäusel. Kämpferische Stimmung verbreiteten die Akteure beim Konzertabend mit Liedermachern und Kabarettisten im Bildungszentrum der Arbeitskammer. Die Fachbereiche Gesundheit und Sozialversicherungswesen in der Gewerkschaft ver.di hatten dazu eingeladen, unter dem Motto "Gegendruck". "Ich bin erfreut über die Kulisse", sagte Fachbereichsleiter Thomas Müller. Aus den Räumen des Hauses hatte man Stühle herbeigeschafft, so groß war der Andrang.Launig begrüßte Moderator Reiner Marx die vielen Gäste im Bildungszentrum der Arbeitskammer. "Ich bekomme nur ein paar Euro für das hier, und das wird mir dann auf meinen Regelsatz noch angerechnet", mokierte sich der Kabarettist über das Sozialsystem im Lande und die vielen Fragezeichen dahinter. Auch über Kultur, zu der der Abend unter dem Motto "Gegendruck" stand, hatte Marx seine Meinung. "Das kommt vom lateinischen cultura und heißt so viel wie Bearbeiten." Das erkläre dann wohl den Begriff "Kulturbeutel", mit dessen Inhalt der Mensch sein Äußeres bearbeite. Bei negativem Erfolg zeige der Spiegel dann im wörtlichen Sinn den "Kulturschock". Damit traf der Moderator den Nerv der Zuhörer, die sich auf einen Abend mit kämpferischen Inhalten gefreut hatten. "Der Kapitalismus braucht keinen 1. Mai - aber wir Gegendruck" zog sich wie ein roter Faden durch die Programmpunkte des Abends.

"Ich habe mich schon lange auf diesen Abend gefreut, und ich bereue mein Kommen nicht", sagte Michael Quetting in einer kurzen Umbaupause. Es sei genau das, worauf er gewartet habe. Widerspenstig wirkende Texte gab es reichlich an diesem Abend. Schon zu Beginn, als alle Akteure zur Gitarre griffen und den Abend gemeinsam eröffneten, begleitet von Felix Winkler (Klavier) und Hanna Neumann (Violine). In die Saiten griffen Reiner Marx, Hans Ruge und Jürgen Holzhauser, Sigi Becker, Wolfgang Winkler und Rainer Rodin. "Gut, wieder hier zu sein" war Ausdruck der Freude am Wiedersehen mit dem Publikum, ehe es mit einer Melodie von Trini Lopez weiter ging: "If I had a hammer". Scharfzüngig rechnete Wolfgang Winkler mit der Welt des Kapitals ab. Er besang auch den Mann, der sich ein paar Aktien kaufte und sich nach dem Absturz der Börsen als armer Schlucker wiederfand. "Stein auf Stein" fügte Reiner Marx die Mauer zwischen den Großen und den Kleinen zusammen, ehe alle Akteure ihre Version von "Sacco und Vanzetti" zum Besten gaben. Um enttäuschte Zukunftspläne ging es etwa bei Becker, Ruge und Holzhauser bei "Junge Paare auf den Bänken", ehe Sigi Becker fand, es sei "Zeit zu leben".

Marx, Ruge und Holzhauser fanden schließlich auch die im Grundgesetz verankerte Gewaltenteilung infrage gestellt mit der Konsequenz "Schützen wir die Polizei!" Gemeinsam war allen Liedern und Vorträgen, dass sie längst nicht alle Aufgaben als gelöst ansahen, deren Ziel eine gerechte Gesellschaft ist, wo die Güter angemessen verteilt sind. Nur wer genug habe, mache sich übers Teilen eher keine Gedanken. smi