Edle Tropfen im Bliesgau

St. Ingbert/Homburg

St. Ingbert/Homburg. Am steilen Südhang der Kirkeler Burg wächst er in einer sehr gepflegten Anlage auf Buntsandstein, hinter dem Römermuseum in Schwarzenacker wurden jüngst Reben auf ebener Ackerfläche gepflanzt, und selbst an der Bergehalde der einstigen Grube Frankenholz in Bexbach findet sich ein Wingert, auch wenn er mit seinen Baumarktsteinen aus Beton einen ziemlich vernachlässigten und unschönen Eindruck macht. Neue RebenreihenVom Wein ist die Rede, dessen Anbau im Zuge der Klimaerwärmung wieder in Gegenden Einzug hält, in denen er seit Jahrhunderten verschwunden war. Gerade im Bliesgau sind vielfältige Bestrebungen zugange, edlen Tropfen zu neuer Blüte zu verhelfen. Ob am Kulturlandschaftszentrum Haus Lochfeld in Wittersheim oder am originalen Weinberghäuschen in Reinheim, allenthalben sind neue Rebenreihen angelegt, werden Trauben gelesen, gekeltert und auf Flasche gezogen. Die regionale Geschichte des Weinbaus ist das Titelthema der neuen "Saarpfalz": Roland Schmitt aus Eschringen unternimmt in seinem Beitrag in der 106. Ausgabe der "Blätter für Geschichte und Volkskunde" einen Streifzug, der den Bogen von den Römern über die Weinkultur der mittelalterlichen Klöster in Gräfinthal und Hornbach bis hin zur Hochkonjunktur des Bliesweines gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Roland Schmitt geht auch auf das Weingut Ritthof hart an der einstigen bayerisch-preußischen Grenze bei Bliesmengen-Bolchen ein. Von Alfred Döblin sogar literarisch in seiner Erzählung "Das Gespenst vom Ritthof" verewigt, stellte dieser Betrieb durchaus beachtliche Tropfen her: " ... waren bei einer gewissen Herbe etwas schwer vollmundig, verrieten aber in ihrer leicht erdigen Blume den Bodengrund, dem sie entwachsen waren", zitiert er das Ergebnis einer Verkostung. Und Josef Ackermann, Verfasser einer informativen Chronik der Lebensumstände um 1860, beschrieb den Wittersheimer Lochfeldwein: "Wenn der Wein auch ein wenig herb war, aber wer daran gewöhnt war, konnte ihn mit Vergnügen trinken". Mit der Heiratspolitik im Hause Wittelsbach beschäftigt sich der Aufsatz von Ludwig Hoffmann (Bruchhof). Demnach war Herzogin Maria Amalia von Sachsen eigentlich als Gemahlin von Prinz Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken, dem späteren Bayernkönig Max I. Joseph, vorgesehen. Sie wurde dann aber mit Karl II. August, dem späteren Herzog von Pfalz-Zweibrücken und Bauherr von Schloss Karlsberg verheiratet - aber erst, nachdem sich dieser dem massiven politischen Druck beugte, den Herzogin Maria Anna Josepha von Bayern ausgeübt hatte. Nach der Eheschließung im Februar 1774 in Dresden, so Hoffmann, "reisten die Frischvermählten nach Neuburg an der Donau - wo Karl August schon ohne aufgezwungene Frau so unglücklich war". Der Bau der "Route Impériale", der Kaiserstraße also und zwar in ihrem Abschnitt zwischen Scheidt und Limbach, lässt Friedrich Müller (Rohrbach) Revue passieren. Seine Recherchen in den einschlägigen Archiven förderten zutage, dass die Arbeiten zu der neuen Trasse genau am 13. Juni 1808 begannen und gegen Ende 1810 abgeschlossen waren - die überregional so wichtige Verkehrsverbindung werde also in Kürze 200 Jahre alt. Innerhalb der betroffenen Ortschaften wie etwa in St. Ingbert oder Rohrbach mussten Häuser, Scheunen und Ställe abgerissen und Gärten oder Wiesen aufgegeben werden. GeschichtsschreibungDie betroffenen Eigentümer, die davon alles andere als begeistert waren und mit Widersprüchen reagierten, wurden für ihre Verluste allerdings entschädigt. Den "berühmten Kasten blau", befindlich im Hauptstaatsarchiv in München, beschreibt schließlich die Historikerin Doris Grieben (Homburg). Dieser in der regionalen Geschichtsschreibung immer wieder genannte "Kasten" bestehe in Wirklichkeit aus etwa 20 blauen Karteikästen, über deren Zettel sich zahlreiche Akten zu saarpfälzischen Orten finden lassen - das Kleinottweiler Weistum aus dem 16. Jahrhundert ebenso wie Probleme des Weidgangs in Niederbexbach 1546, die Kirchenordnung von Kirrberg (1580), die Kirchenvisitation in Limbach (1605) oder die Protokolle des Tauschs von Homburg nach Zweibrücken 1754. Die genaue Auflistung der einzelnen Betreffe fehlt in dem Aufsatz von Doris Grieben nicht.

Auf einen BlickHeft Saarpfalz 3/2010, 64 Seiten, 5 Beiträge, 22 Abbildungen, Kalendarium "historischer" Vorträge im vierten Quartal 2010. Schriftleiter: Kreisdenkmalpfleger Dr. Bernhard Becker unter Mitwirkung einer fünfköpfigen Fachredaktion. Bezug: Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises, Zimmer 417, Landratsamt Homburg, Tel. (0 68 41)104 84 09, E-Mail: marianne.hepp@saarpfalz-kreis.de sowie im Buchhandel und bei den Kultur- und Verkehrsämtern der Städte und Gemeinden. Preis: 3,25 Euro. bam