So haben sich die Stadtradel-Stars vorbereitet Sie haben keine Probleme mit Sattelkontakt

Im Alltag aufs Auto zu verzichten: Damit haben Ute und Frank Kirchhoff sowie Andreas Ragoschke-Schumm keine Probleme.

 Frank Kirchhoff, Andreas Ragoschke-Schumm und Ute Kirchhoff (vorne von links) verzichten beim Stadtradeln komplett aufs Auto. Hier zusammen mit Jessica Jung (hinten), Stadt Homburg.

Frank Kirchhoff, Andreas Ragoschke-Schumm und Ute Kirchhoff (vorne von links) verzichten beim Stadtradeln komplett aufs Auto. Hier zusammen mit Jessica Jung (hinten), Stadt Homburg.

Foto: Jürgen Kruthoff

 Was wird die größte Herausforderung daran sein, komplett aufs Rad umzusteigen?

Frank Kirchhoff: Bereits seit 15 Jahren haben meine Frau Ute und ich kein eigenes Auto mehr und fahren die Mehrheit der Strecken mit dem Fahrrad: zum Einkaufen, zur Arbeit und in den Urlaub. Somit haben wir keine Probleme mit Sattelkontakt. Während der Stadtradel-Aktion darf man aber auch in keinem Auto mitfahren. Da heißt es gut zu planen, damit man nicht aus Versehen durch Freunde bei einer Kurzstrecke mitgenommen wird. Auch sollten keine unvorhergesehenen Notfälle entstehen, die eine Pkw-Nutzung dann unumgänglich macht. Ich sollte hier eigentlich in der ersten Person Singular schreiben, am liebsten fahre ich aber mit meiner Frau gemeinsam, daher das „wir“.

Ute Kirchhoff: In Göttingen, wo wir vorher gelebt haben, sind wir Fans von Car-Sharing geworden. Leider wird das in Homburg gar nicht angeboten. Sharing bedeutet flexible Mobilität, für jede Gelegenheit das richtige Fahrzeug. Wenn wir nur ein Auto mieten, wenn es wirklich gebraucht wird, ist das deutlich günstiger als ein eigenes Fahrzeug, das mehr steht als fährt. Alle kürzeren Wege lassen sich gut mit dem Fahrrad machen, für die weiteren kombinieren wir mit der Bahn.

 Andreas Ragoschke-Schumm:

Ich habe sowieso schon ein weitgehend autofreies Leben. Neben dem Fahrrad nutzen wir für die meisten Fahrten den ÖPNV. Nur wenn es im Urlaub mal mit vier Personen und viel Gepäck an Orte geht, die mit der Bahn schwer zu erreichen sind, nehmen wir auch mal unser Auto. Eine kleine Herausforderung in der Stadtradelzeit wird eine Fahrt nach Offenburg sein. Da muss ich noch sehen, ob ich das mit dem Rad mache oder ob ich das Fahrrad in der Bahn mitnehme. Vermutlich wird es eine Kombination aus beidem.

Wie haben Sie sich auf Ihre komplett Auto-freie Zeit vorbereitet?

Frank Kirchhoff: Wir bereiten uns nicht vor: Wir freuen uns, noch mehr Rad zu fahren. Jetzt mehr Radfahren bedeutet mehr Kondition für den Radel-Urlaub und das geplante Radrennen über 100 Kilometer am 22. August in Hamburg.

Ute Kirchhoff: Es bedurfte keiner Vorbereitung, da wir ohnehin schon lange fast alle Wege mit dem Rad machen.

Andreas Ragoschke-Schumm: Ich musste mich nicht groß vorbereiten. Das Auto habe ich sowieso selten genutzt. Normalerweise fahre ich zur Arbeit von Jägersburg bis zur Uniklinik mit einem Schlenker zur Schule meiner Tochter oft mit dem E-Bike. Während des Stadtradel-Zeitraums will ich aber rein mechanisch fahren mit meinem altbewährten Tourenrad.

Bedeutet das eigentlich auch, dass Sie nicht in einem Auto mitfahren dürfen?

 Ute Kirchhoff: Eindeutig ja. Ist aber kein Problem – zumal wir jetzt optimales Radelwetter haben.

Andreas Ragoschke-Schumm: Das wäre ja geschummelt. Wir werden in der Zeit kein Auto von innen sehen.

Was bedeutet die Aktion Stadtradeln für Sie?

Frank Kirchhoff: Die Aktion Stadtradeln zielt zunächst auf das Radeln in der Stadt ab. Meine Interpretation dieser Aktion geht aber weit darüber hinaus. Ich sehe Stadtradeln als eine Werbung für nachhaltigen Verkehr, Tourismus, Gesundheit und Klimaschutz. Wenn wir das Radeln auch als Sport auffassen, tun wir sehr viel für ein gesundes Altern. Und wenn wir es in unsere Urlaubsplanung integrieren, stärken wir den regionalen Tourismus.

Das Stadtradeln hat aber auch einen sportiven Aspekt und ist ein (wenn auch nicht all zu ernst gemeinter) Wettbewerb. Es geht also mit einem Augenzwinkern auch um Training und möglichst viele gefahrene Kilometer. Im letzten Jahre habe ich 655 Kilometer während dieser drei Wochen zurückgelegt; in diesem möchte ich gerne 700 Kilometer schaffen. Damit ist ein besonderer Eifer auf das Zeitmanagement zu legen, damit ich die 30 bis 50 Stunden Radelzeit zusammenbekomme.

Meinen Alltag muss ich nicht anders planen, das Fahrrad dominiert meine Mobilität.

Ute Kirchhoff: Das „Stadtradeln“ zielt auf den Alltagsradverkehr ab. Ich weiß, dass viele auch die sportliche Herausforderung mit den anderen Teams suchen (auch unser ADFC-Team ist nicht ganz frei davon). Wenn wir das Stadtradeln aber vielmehr als PR-Aktion für das Fahrrad und den Alltagsradverkehr sehen, mit der wir mehr Menschen aufs Rad locken, die durch die Aktion mehr Rad fahren und anschliessend auf dem Rad bleiben, ist viel gewonnen.

Jeder Kilometer mit dem Rad statt mit dem Auto ist ein Kilometer für die eigene Gesundheit, für weniger Verkehr in den Innenstädten, für den Klimaschutz – ganz nebenbei stellt sich auch gute Laune ein, wenn wir uns an der frischen Luft bewegen.

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