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Doppelkonzert in Homburgs Kulturstätte

Kulturzentrum Saalbau : A-Cappella-Gesang in seiner Vollendung

Ein äußerst gelungenes Doppelkonzert im Saalbau Homburg am Mittwochabend hätte einfach mehr Besucher verdient gehabt.

Schade, dass nicht mehr Besucher in den Homburger Saalbau gekommen waren beim Doppelkonzert von Ringmasters aus Schweden und Belcirque aus Belgien. Denn was die etwa 130 Zuschauer am Mittwochabend erlebten, war ein Konzert der Sonderklasse.

Achim Müller vom Homburger Kulturamt hatte die Formationen in Freiburg auf der Kulturbörse kennengelernt und sie deswegen verpflichtet. Die Werbung fürs Konzert sei wie immer gewesen, meinte er, aber es sei eben schwierig, die Leute in den Saalbau zu locken mit Bands, die hier noch nicht so bekannt sind. Es begann mit dem schwedischen A-Cappella-Quartett Ringmasters, das eine atemberaubende Gesangleistung nach der anderen abrief. Barbershop nennt sich die Stilrichtung, die durchgängig vierstimmige Akkorde verlangt. In dieser schwierigen Musik-Gattung gab es sogar schon Weltmeisterschaften, die, wen wundert’s, die Ringmasters bereits für sich entscheiden konnten. Sagenhaft, was die jungen Schweden aus ihren Stimmbändern holten. Um einmal zu demonstrieren, wie dieser Musikstil funktioniert, sang bei dem Stück „Blue Skies“ Hauptsänger Rasmus Krigström zunächst die Melodie allein. Im zweiten Durchgang des Vortrags gesellte sich der Bass von Didier Linder dazu, danach der Tenor von Jakob Stenberg und schließlich komplettierte Bariton Emanuel Roll das Quartett.

Was dabei klar wurde: Damit es so klingt, wie es klingen muss mit all den sich aneinander reibenden Harmonien und den anschließenden Auflösungen, muss jeder der vier Sänger schwierigste Tonsprünge mit absoluter Präzision absolvieren. Am Ende von Van Morrisons „Moondance“ etwa landete das Quartett punktgenau auf einem strahlenden Schlussakkord, knickte dann gemeinsam nach unten ab und fand sich in einer weiteren wunderbaren Harmonie wieder – das war einfach sagenhaft.

Zwischendurch veranstalteten die Schweden viel Slapstick auf der Bühne, da gab es sogar eine scheinbare Ohrfeige mit anschließender Versöhnung. Außerdem sprachen einige der Mitglieder deutsch mit dem Publikum: Für all das gab’s am Ende stehende Ovationen, entließ das Publikum die Ringmasters erst nach zwei Zugaben.

Nach so einem fulminanten Auftritt hatte es das belgische Sextett Belcirque naturgemäß schwer. Normalerweise ist die Formation komplett weiblich. Doch eine der Musikerinnen war mit einer anderen Band auf Tour und musste daher durch einen Schlagzeuger ersetzt werden. Das störte aber nicht weiter. Mit ihm zusammen sorgten die beiden starken Instrumentalistinnen Marijke Hellemans (Gitarre) und Kris Auman (Kontrabass) fürs harmonische Fundament. Meist wurde Hauptsängerin Astrid Creve von ihren Mitstreiterinnen gesanglich unterstützt, manchmal griffen aber Ondine Cantineau auch zur Gitarre und Julia Emmery zur Posaune. Einheitlich und doch individuell. Das zeigte sich an den Kimono-artigen Gewändern der jungen Frauen, die aus den gleichen Stoffen, aber doch ganz unterschiedlich angefertigt waren. So war das auch bei der Musik von Belcirque: eine starke Bandleistung, die Platz für die Individualität ihrer Mitglieder ließ. Die selbst geschriebenen Stücke waren allerdings zum Teil nicht so eingängig, dass sie sofort beim Publikum gezündet hätten. Das klang häufig nach Straßenmusik auf sehr hohem Niveau.

Gut vorstellen konnte man sich Belcirque auch als Tanzband einer Künstler-Party. Im Saalbau hatten sie es aber in jedem Fall schwerer als die Ringmasters. Die Schweden kamen am Ende noch für das gemeinsame Stück „What a wonderful world“ wieder auf die Bühne – ein guter Abschluss für ein denkwürdiges Konzert. Zuschauer Martin Kaufmann meinte hinterher: „Die können alle was. Von der Stimmigkeit her haben mir die A-Cappella-Männer besser gefallen. Das hat aber nichts mit gut und schlecht zu tun. Belcirque war halt etwas ganz anderes.“