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Dolores Redondo: „Alles was ich dir geben will“:

Hörbuch-Rezension : Von Betrug und Mord im spanischen Adelsmilieu

„Alles was ich dir geben will“ von Dolores Redondo ist eine meisterliche Mischung aus Familiendrama, Krimi und Thriller.

Es ist eine hohe Kunst, einen Familienroman so zu konzipieren, dass er als Krimi und Drama gleichermaßen funktioniert und dann auch noch einen letzten Satz vorweist, der gleichsam zur Auflösung beiträgt und einem die Tränen in die Augen treibt: Dolores Redondo hat mit „Alles war ich dir geben will“ genau ein solches Werk vorgelegt. Das Buch der 1969 geborenen Spanierin stand monatelang auf der Bestsellerliste in ihrem Heimatland und wurde mit dem Premio Planeta, dem höchstdotierten Literaturpreis des Landes, ausgezeichnet. Der Hörverlag hat es als leicht gekürzte Variante umgesetzt und mit Matthias Koeberlin einmal mehr einen Vorleser gefunden, der Stimmung und Emotion der Figuren glanzvoll vermittelt.

Los geht es mit einem Paukenschlag: Der prominente spanische Schriftsteller Manuel Ortigosa erfährt, dass sein Mann Álvaro bei einem Autounfall in der Ferne ums Leben gekommen ist.  Er eilt zum Unfallort nach Galicien und stellt fest, dass die dortige Polizei auffallend schnell dabei ist, die Akte zu schließen. Ortigosa  erfährt nach und nach, dass sein Mann Álvaro ihn seit Jahren getäuscht und ein Doppelleben geführt hat. Doch was suchte der in jener Nacht auf einer einsamen Landstraße? Und wer hatte ihn derart verletzt, dass er während der Fahrt innerlich verblutete?

Zusammen mit einem eigensinnigen Polizisten der Guardia Civil und Álvaros Beichtvater stellt Manuel Nachforschungen an, die ihm Einblicke in finstere Abgründe spanischer Adelsfamilien bringen und in dunkelste Geheimnisse in einem spanischen Kloster einführen. Parallel versucht er, das zweite Leben seines Ehemanns nachzuvollziehen. Dieser trieb die Weinproduktion seines Adelsguts voran, war in einem Freudenhaus mit einer Prostituierten zugange und stand mit dem einen oder anderen Familienmitglied auf Kriegsfuß.

Redondo wickelt die ganzen Hintergründe nach und nach auf, gibt ihrem Helden immer wieder Gelegenheit, sich neu zu sortieren und neu zu erfinden. Etwa, wenn er einen Straßenhund quasi adoptiert. Und natürlich Raum, die Trauer um seinen Mann gleichermaßen zu verarbeiten wie dessen scheinbaren Verrat an ihm zu akzeptieren. Dazu kommt ein unsympathischer Ex-Polizist als sein Ermittlungshelfer, der so gar nicht zum Bild des Bullen passen will.

Die Kriminalhandlung ist (bis auf eine kleine Passage am Ende) nie reißerisch in Szene gesetzt, wartet dafür aber auch mit einer überraschenden Wendung am Schluss auf. Die fast 15-stündige Handlung ist jederzeit spannend. Und wartet wie erwähnt mit einem letzten Satz auf, der die Beziehung zwischen Ortigosa und seinem Mann eindrucksvoll auf den Punkt bringt.

Dolores Redondo: Alles was ich dir geben will, Der Hörverlag, leicht gekürzt, 890 Minuten, gelesen von Matthias Koeberlin, ISBN: 978-3-8445-3219-7