Zu kurz, zu zerrissen, zu schwarz Diskutieren üben am Kleiderschrank

Der Bundeselternrat will „lottrige“ Kleidung vom Schulgelände verbannen. Der Deutsche Lehrerverband hält dagegen. Selbstbestimmung und so. Nun bin ich weder Mutter noch Lehrerin. Da ich aber doch einmal Schülerin war, und zwar eine, die liebend gerne „lottrige“ Kleidung trug noch dazu, kann ich mir ein paar Worte zu diesem Thema nicht verkneifen.

Mehr als einmal gab es damals an der Schule Stunk wegen meines unangepassten Kleidungsstils: Rock zu kurz, Strumpfhose zu zerrissen, Schminke zu schwarz. Meine Mutter, stoisch den Erziehungsfokus auf Essenzielleres lenkend, ließ sich davon nicht beirren. Sie ließ mir meinen Kopf. Zumindest, was die Kleiderwahl anging. Und siehe da: Überraschenderweise ist trotz meines frühen fragwürdigen Modegeschmacks etwas aus mir geworden. Aus meinen Mitschülern, die ja permanent in Gefahr standen, von meinen waghalsigen Outfits abgelenkt zu werden, übrigens auch.

Aber Spaß beiseite: Christiane Gotte, Vorsitzende des Elternrates, begründet die Forderung nach einer Kleiderordnung an Schulen gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe damit, dass diese Mütter vor morgendlichen Diskussionen am Kleiderschrank des Nachwuchses bewahren würde. Dass es um die deutsche Diskussionskultur nicht gerade prächtig bestellt ist, zeigt sich aktuell ja wieder an vielerlei Ecken.

Umso gebotener scheint es da, einen der banalsten Übungsplätze für Diskussionen, die allmorgendlich zu klärende Kleiderfrage nämlich, weiterhin lautstark zu bespielen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort