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„Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“

„Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“

Joseph Haydns Passionskomposition von 1787 kam auf Einladung des Einöder Kirchen-Fördervereins in fast voll besetzter Apostelkirche zur Aufführung.

In der fast voll besetzten Einöder Apostelkirche ist es mucksmäuschenstill. Und finster. Die düsterne Schwere der Karfreitagsnacht wird nur von der Kerze am Rednerpult und der gezielten Lampe über den Notenblättern der vier Musiker erhellt. Zum 19. Mal zelebrieren auf Einladung des Kirchen-Fördervereins Horst Riller als Leiter des Einöder Kammermusiktreffs und Pfarrerin Heide Salm das Orchesterwerk "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze", das Joseph Haydn 1787, zwei Jahre nach seiner Komposition, als Streichquartett umgeschrieben hat. In seiner teils wechselhaften Tonalität innerhalb der einzelnen Sonaten, seiner Rhythmik und seinen Melodieverläufen zeichnet der große Klassiker die Atmosphäre auf Golgatha, in den Herzen der Menschen dort, und auch die wechselvolle Stimmung des sterbenden Gottessohnes lautmalerisch nach. Das Quartett mit Horst Riller (Viola) und Gregor Berg (Violoncello) als Dauerbesetzung, sowie seit drei Jahren dem Ersten Geiger Vsevolod Starko und Nadine Kiefer als Zweiter Geigerin, lässt das Unheil, aber auch vorweggenommen das Tröstliche und Mutmachende der österlichen Auferstehung und Erlösung tief nachempfinden. Joseph Haydn hat nach seiner Introduction die sieben Worte Jesu - in sieben meist ruhigen, getragen oder schweren Sonaten interpretiert. Pfarrerin Heide Salm las die Worte aus unterschiedlichen Evangelien, zunächst auf Deutsch und anschließend auf Lateinisch. "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!" Den bedrohlichen Klängen folgen melodische Passagen, welche die göttliche Gnade und Vergebung spüren lassen. "Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein." Über dem tiefen Bordun des Herzschlags spielt sich bereits der Todeskampf in den ersten Geigen ab - musikalische Seelenklänge in dem Cantabile (gesanglich) neben dem schwermütigen Grave. "Siehe Dein Sohn - Deine Mutter!" erklingt wie ein Dialog aus hoher und dunkler Stimme. "Mich dürstet!" Wie Flüssigkeit perlt die erste Geige über tropfend gezupften Pizzicati der drei Unterstimmen, um plötzlich schrill, scharf und unangenehm als "saurer Essig" zu erschrecken, klanglich den Mund zu verbrennen. Ein Tonartwechsel und himmlische Melodien kündigen die Erlösung an: "Es ist vollbracht!" Der Vorhang ist zerrissen, die Erde bebt, Felsen reißen. Lautstark, dramatisch aufwirbelnd, in kurzen abwärts gerichteten Melodieverläufen, erklingt das "Terre Moto". Der Schlussakkord nach diesem Höhepunkt verklingt.

Schweigend, ohne Applaus, erheben sich die bald 100 Zuhörer aus ihren Bänken und verlassen ergriffen das Gotteshaus. "Das hat sehr gut getan. Es ist eine wunderbare Einstimmung auf diese Nacht und eine wunderschöne Tradition in unserer Gemeinde", spricht Sibylle Weber-Pohl aus, was wohl viele empfinden. Für die Einöderin ist das Konzert nahezu ein festgesetzter Termin. Wann immer es irgend möglich war, erlebte sie die einzigartige Stimmung in der Karfreitagnacht und das bewegende Konzert.