Die Politik lässt ihn nicht los

Die Homburger Grünen haben Marc Piazolo zu ihrem Vorstandsprecher gemacht. Das zeigt: Er will sich nach der verlorenen OB-Wahl weiter politisch engagieren. Im Stadtrat sieht er „einen Aufbruch“.

"Stille Kraft" hatte er sich auf seinen Wahlplakaten zur Oberbürgermeister-Wahl in Homburg genannt, bei der er als unabhängiger Kandidat angetreten war. Die Entscheidung ist lange gefallen, bekanntlich gegen Marc Piazolo, doch still soll es um ihn politisch nicht werden. "Die Politik lässt mich nicht mehr los", sagt er jetzt bei einem Redaktionsbesuch. Wobei es für ihn nicht mehr nur um Homburg gehe. Er will sich im Grünen-Landesvorstand als Beisitzer stärker einbringen. Der Homburger Politik bleibt der gebürtige Freiburger ebenfalls erhalten: als Vorstandsprecher des Grünen-Stadtverbands, der neue alte, denn das Amt hatte er vor dem OB-Wahlkampf schon einmal besetzt. Er sieht, was die Arbeit im Stadtrat angeht, "einen Aufbruch", die personelle Besetzung sei neu. Er setzt darauf, dass man eine andere Gesprächskultur zwischen den Fraktionen hinbekommt.

Wichtig ist ihm das grüne Profil, die Eigenständigkeit. So fragt er sich etwa beim Thema Stadtentwicklung, ob der OB das so umsetze, wie er es versprochen haben. Er nennt eine offenere Diskussion miteinander, dass mehr Gruppen eingebunden würden und man eventuell eine Bürgerbeteiligung mache. Schneidewind setze sich weiter für eine große Center-Bebauung ein. Das hält Piazolo für "nicht sinnvoll". Zustimmung gibt es von ihm beim Thema "genügend Parkraum schaffen", auch durch ein Parkhaus in der Gerberstraße. So könne der Marktplatz autofrei werden - zumindest größtenteils. Ganz vorne bei Piazolo: die Energiewende. Für Homburg gebe es Pläne für jetzt vier Windräder auf dem "Weißen Triesch". Auf die Vorbehalte der Stadtteile, die näher dran sind, sei eingegangen worden. Man müsse dranbleiben, damit das Thema nicht verschleppt werde. Sollte es eine Bürgerbefragung geben, dann müsse die ganze Stadt dran beteiligen werden. Gesteigert werden könnte die Akzeptanz durch eine Bürgerwindkraftanlage, an der jeder Anteile kaufen könne.

Nur einige von vielen weiteren Themen auf Piazolos Agenda: die B423-Umgehung. Diese werde wohl nicht kommen, weil sie nicht finanzierbar sei. Man solle lieber schauen, wie man den Bereich anders entlasten könne, etwa durch ein Lkw-Nachtfahrverbot. Zudem wirbt er für die Reaktivierung der Bahnstrecke Homburg - Zweibrücken. Für gut hält er die Nachnutzung des ehemaligen Freibadgeländes durch die Gulliver-Welt - das hatte auch bei der jüngsten Stadtratssitzung einstimmig Anklang gefunden.

Und was hält Piazolo von der Haushaltslage der Stadt mit einem deutlich höheren Defizit in der laufenden Verwaltung als erwartet - 22 statt sechs Millionen Euro? Zum Hintergrund: Die Stadt hatte mit 36 Millionen Euro Gewerbesteuer gerechnet, nun sollen es 20 Millionen Euro sein. Er frage sich angesichts so eines Einbruchs, ob da nicht zu schön gerechnet worden sei, sagt er. Gewerbesteuereinnahmen unterlägen zwar starken Schwankungen, aber ob das nicht "Wahlkampf war"? Sparvorschläge hat er ebenfalls, Beispiele: Er hätte sich schon überlegt, ob die Stelle eines zweiten hauptamtlichen Beigeordneten nötig sei, auch die ausgeweiteten "Pöstchen bei den Beauftragten" hält er für nicht das richtige Signal nach außen. Bei Vorhaben wie etwa dem Dorfgemeinschaftshaus in Jägersburg, solle erst geschaut werden: Wofür brauche ich es, gibt es dort nicht genug öffentliche Räume? Für sinnvoll erachtet er einen Sportstättenbedarfsplan. Nicht nur Homburg müsse schauen: Was brauche ich auf meiner Gemarkung? Generell plädiert er für eine Stärkung der Landsplanung. Es müsse beachtet werden, wie die Entwicklung im gesamten Bundesland weitergehe. Man wolle die bestmögliche Infrastruktur, die Frage sei nur: Was ist noch finanzierbar?

Letztlich kann Piazolo dem Sparen in Homburg Gutes abgewinnen: Das Positive sei, dass dadurch vielleicht auch unnütze Projekte nicht mehr genehmigt werden - dies sei dann zugleich eine Entschuldigung.