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Die Klinik, die Oberschwester und die Insassen

Die Klinik, die Oberschwester und die Insassen

Den Kinofilm vergisst man nicht – die Aufführung am Gymnasium Johanneum sicher auch nicht: Tolle Schauspieler brachten bei „Einer flog über das Kuckucksnest“ einen schwierigen Stoff glänzend auf die Bühne.

"Ohne diese Pillen können Sie den Abend hier in der Anstalt nicht ertragen", erklärt die "Schwester" im grünen OP-Kittel am Einlass und verabreicht bunte Smarties im typischen Tabletten-Becherchen. "Na, das kann ja heiter werden. Hoffentlich schließen sich nicht gleich Tür- und Fenstergitter", mögen die rund 300 Besucher denken, die den Film "Einer flog über das Kuckucksnest" kennen und sich auf die Aufführung der Theaterwerkstatt im Homburger Johanneum freuen. Und dann tauchen sie ein in die Welt der Psychiatrischen Klinik und ihrer Insassen.

Auch diese erhalten zuerst einmal "Medikamente" und versammeln sich dazu im Gemeinschaftsraum. Hier lernen die Zuschauer die einzelnen, von den jungen Schauspielern meisterlich herausgearbeiteten Charaktere und auch die dominante Oberschwester Ratched kennen, dargestellt von Selina Brocker. Sie will der agile, leicht überdrehte Neuzugang Randle McMurphie (Marie Schulz) mit seinem Verhalten und seinen permanenten Übertretungen der Klinikordnung provozieren, "bis sie aus allen Nähten platzt". Darauf wetten alle verbotener Weise. Ob in der Gruppentherapie oder beim Arbeitsdienst, die beiden geraten ständig aneinander. Da kann auch die Ärztin Dr. Spivey (Laura Enkler) wenig vermitteln, "weil sie keinen Arsch in der Hose hat".

McMurphy macht den anderen bewusst, wie unwürdig sie behandelt werden und schmiedet Fluchtpläne, bis er schockiert merkt, dass alle freiwillig dort sind. In jeder Szene, jeder Situation beweisen die Zwölftklässler ihr schauspielerisches Talent, ihre Wandlungsfähigkeit und den hohen Identifikationsgrad mit ihrer Rolle. Umwerfend, wie authentisch sie bei dem Baseballspiel in der Fernsehattrappe mitfiebern. Der ungleiche Kampf zwischen Rached und McMurphy eskaliert endgültig, als der Neue Prostituierte einschleust und alle Party feiern. Das dramatische Ende ist bekannt: Nachdem Elektroschocks ohne Wirkung bleiben, holt Rached McMurphy per Lobotomie aus jedem aktiven Leben.

Die zuvor so quicklebendige Marie Schulz ist jetzt völlig apathisch und bewegungslos. Eine ganz besondere Rolle spielt Frederik Schäfers als hoch gewachsener, doch innerlich kleiner Häuptling Bromden, der schließlich über sich selbst hinaus wächst bis zum Mord, und "über das Kuckucksnest fliegt". Sensibel zeichnet er er in Soloauftritten vom Prolog bis zum Epilog seine Sicht auf die Welt und die Umstände. Eine herausragende Leistung lieferten auch die jungen Techniker ab: Blaulicht, um die Nachtstimmung zu erzeugen, Verfolger und Spotleuchten oder die Lichtexplosion beim Elektroschock kommen passgenau, die Mikrofone sind perfekt ausgesteuert.

Mit riesigem Applaus

Mit einem riesigen Applaus honorierten die Zuschauer die enorme Leistung der 14 Zwölftklässler unter Leitung von Lehrer und Regisseur Manfred Ganter. "Ich bin sehr beeindruckt von der schauspielerischen Leistung, diesen schwierigen Stoff so rüber zu bringen", staunt Martina Dieterle. Sie kennt den Film, fand das Thema reizvoll und kam auf dringende Empfehlung ihrer Tochter, die von der nahezu ausgebuchten Premiere am Freitag total begeistert war.

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Auf einen Blick Wer die Vorstellungen bislang verpasst hat, kann sich freuen: "Einer flog übers Kuckucksnest" wird noch zweimal aufgeführt: Am Freitag und Samstag, 11. und 12. November, jeweils um 19 Uhr. Karten zu sieben Euro, ermäßigt vier, gibt es in der Schule oder an der Abendkasse. cvw theaterwerkstatt- johanneum.de